Rückblick und Monatsbetrachtung Juni 2021

Nach einem spätwinterlichen April zeigte sich das Maiwetter ebenfalls von seiner sehr kühlen, windigen und wechselhaften Seite!

Dieser Mai wird wohl als einer der kältesten seit es Wetteraufzeichnungen gibt in die Bücher eingehen. Geprägte durch eine fast über den ganzen Monat andauernde Westwetterlage mit Tiefs vom Atlantik die sich gegenseitig die „Klinke“ in die Hand gaben, kam keine längere stabile Wetterphase zustande! Zu Monatsanfang, am Muttertag – Wochenende waren zwei Tage mit einer Tageserwärmung um 25°C dabei. Gegen Monatsende waren dann noch zwei milde Tage bis 20°C möglich.

Somit viel die heurige Blüte (das große Blühen), total dem Schlechtwetter zum Opfer.

Auf einen Bienenflugtag, folgten ein bis zwei kühle Regentage, oder umgekehrt! Unsere Völker konnten heuer kein stabiles „Honigdepot“ anlegen. Bildlich gesprochen – „von der Hand in den Mund“ – so ernährten sich die Völker über das gesamte bisherige Frühjahr. Wer nicht mit Futter- Honigwaben, oder anderweitig seinen Bienen aushalf, derjenige hat wohl keine Bienen mehr.

Durch den mangelnden Futterfluss von außen, wurde nur dürftig gebaut und auch die Schwarmperiode, die im letzten Jahr schon voll im Gange war, stagniert bis dato. 

Aber, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt!

Wir ImkerInnen leben ja, das gesamte Jahr über in einer gewissen Zuversicht und Hoffnung das sich Wetter, Tracht und der „Bien“ wie ein Puzzle „zusammenfügt“.

Kurz und kompakt:

  • Neues von den Honigtauerzeugern
  • Die Linde – Trachtpflanze des Sommers
  • Königinnen, vermehren / züchten
  • Gelee Royal – der Saft der Königinnen macht
  • In der „Honigküche“
  • Erste Varroakontrolle
  • Kehrschwarmbildung

Neues von den Honigtauerzeugern am Nadelholz /Fichte:

Bei meinen Wanderungen an den Waldrändern und in den Wäldern von Hohenems und Dornbirn wurde ich in den letzten Tagen doch noch fündig. 

Vor weg gesagt, ich musste intensiv und lange nach Honigtauspendern suchen, bis ich dann doch noch wenig „Besatz“ auf der Fichte fand. Bedingt durch das kühle Frühjahr ist auch bei den Honigtauerzeugern alles um gut drei Wochen verspätet.

1.  Wenig Besatz der Großen Fichtenquirlschildlaus/Lecanie (Vorbote).

Die wesentlich wichtigere kleine Lecanie, honigt meist 3-4 Wochen später. Das letzte mal honigte sie im Jahr 2017, wenn man von einer Alternanz und von den momentanen Vorzeichen ausgeht (Engelshaar- siehe Monatsbetrachtung Mai 2021) dann ist eine Waldtracht von ihr im Bereich mittleres Rheintal durchaus im Bereich des Möglichen.

Foto.  1.  Noch helle, daher junge Große Lecanie, mit schönem Honigtautropfen. (23.05.2021, 16:00 Uhr im Dornbirn Oberdorf)

2.  Heuer gibt es leider so gut wie kein Besatz des wohl wichtigsten Honigtauerzeugers unserer Region, der Rotbraun bepuderten Fichtenrindenlaus. Mit einer Honigtautracht von ihr ist heuer (im Bereich mittleres Rheintal) nicht zu rechnen.

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Foto.  2.  Muttertier mit F1 Kolonie. Gut zu sehen sind auch die kleinen Honigtautröpfchen. (19.05.2021, 11:00 Uhr, im Bereich Heilenberg / Dornbirn) Diese Lachnidenart ist normalerweise leicht zu finden und war 2019 und 2020 praktisch überall, gut vertreten. Um heuer diese eine Kolonie zu finden, musste ich sehr lange suchen!

3. Heuer wieder mit von der Partie, die Grüngestreifte Fichtenrindenlaus, gesichtet in niederer und mittlerer Lage, in Dornbirn (Schwende) an mehreren Stellen. Die Anwesenheit von Ameisen sorgt dafür Räuber fernzuhalten. Von ihr fand ich schönen Besatz, leider hat sie keine allzu große Bedeutung als Honigtauerzeuger. 

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Foto.  3.     Muttertier links, mit mehreren Nymphen (Jungtieren) die wiederum von Ameisen zusammengehalten und gepflegt werden. (19.05.2021, 11:30 Uhr, im Bereich Schwende/Dornbirn)

Wie in der letzten Monatsbetrachtung erwähnt war der Zeitraum des vegetativen Austriebs und somit die Vermehrungsphase, durch den winterlichen April zu kurz. Ich bemängelte Ende April das bis dahin „unlausige Wetter“ in der so spät beginnenden Vermehrungsphase der Honigtauerzeuger, und so schreibe ich jetzt aber noch einmal die besagte Regel:

„Ein „lausiges“ Frühjahr gibt einen „verlausten“ Sommer!“

Viel lausiger wie das Maiwetter 2021 war, kann es wohl nicht mehr werden. Der durch kühle Phasen stockende Austrieb und die große Menge an Niederschlag müssten den vorhandenen Aphiden – auf Laubbäumen und dem wenigen Besatz an Lachniden – Nadelholz, in ihrer Vermehrungsphase, nun doch sehr zuträglich sein.

So erwarte und hoffe ich doch noch auf eine Tracht von den oben erwähnten Honigtauerzeugern auf dem Nadelholz. Oder es kann und darf auch einmal eine stärkere Trachtperiode von den Aphiden auf dem Laubholz eintreten! 

Aber dazu brauchen wir nach erwähnter Vermehrungsphase einen Massenbefall und vor allem stabiles und warmes Frühsommerwetter während der Trachtperiode!

Vom Wetter her kann es nur besser werden! 

Bezüglich der Weißtannentracht ist es noch zu früh eine exakte Einschätzung abzugeben da eine Weißtannentracht sich zeitlich nicht so sehr an den Kalender hält wie eine Fichtentracht. Wenn vorhanden sind derzeit nur Stammmütter oder Filiae 1. der grünen Tannenhoniglaus vorhanden und Folgegenerationen mit ergiebiger Honigtauproduktion erst ab Ende Juni zu erwarten.Das Honigen der Tanne kündigt sich durch Verspritzungen im Unterholz an. Dann jedoch kann eine Honigtautracht von der Weißtanne bis in den September andauern. 

Trotzdem lohnt es sich immer in Gebieten, in denen eine Honigtautracht durch die Fichte und Weißtanne im Sommer möglich ist, nach bienenwirtschaftlich wichtigen Honigtauerzeugern zu gucken. Wer beobachtet weiß zumindest Bescheid. 

Noch blüht in mittleren und Höhenlagen der Bärlauch, im Rheintal verschiedenste Blumen in Gärten/Parkanlagen aber auch Bäume wie Akazien, Kastanien und andere strauchartige Gewächse, so etwa der Hartriegel, diese decken derzeit den „blühenden Tisch“ unserer Bienen. 

Die Trachtlücke schleicht sich schon da und dort an … als Stand ImkerIn in niederen Lagen warten auf was? Honigtau vom Blattholz? … oder so wie im vorletztem Jahr – Lindenblütennektar?

Die Linde – Trachtpflanze des Sommers

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Foto.  4.  Linden müssen feucht „Stehen“, dass sie reichlich Nektar produzieren und so zur üppigen Nektarquelle werden.

Phänologisch befinden wir uns im Frühsommer – der Holunder blüht. Durch das Aufblühender Linde wird dann der Hochsommer angezeigt.

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Foto.  5.  Lindenblütenknospen noch einige Zeit vor dem Aufblühen, fotografiert am Samstag, den 23.05.2020 um 11:30 Uhr in Dornbirn Hatlerdorf. Die Blätter und Knospen dieser Linde waren von oben bis unten stark mit Honigtau verspritzt sodass starker Beflug durch Bienen zu beobachten war! 
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Foto.  6.  Blattlaus (Lindenzierlaus) – Eucallipterus tiliae, sie ist für den Honigtau auf der Linde verantwortlich. Quelle:https://www.lko.at/media.php?filename=download%3D%2F2016.07.08%2F14679705857918.pdf&rn=Die%20Linde%20- 20Pl%E4doyer%20f%FCr%20einen%20Bienenbaum.pdf  / Zugriff 23.05.2020 um 22:00 Uhr

2019 hat sich gezeigt, wenn gewisse Wetterkonstellationen und wiederum alle Faktoren zusammen passen kann die Linde zu einem großartigen Trachtangebot werden!

Wenn wir uns zurück Erinnern, war der Mai 2019, so wie der heurige, kalt (der kälteste seit 30 Jahren) und vor allem sehr reich an Regen. Die Futterreserven unserer Bienenvölker waren nahezu aufgebraucht und es musste wie heuer mit Futterwaben oder andersartig ausgeholfen werden. Dann kam aber der Juni. Dieser war, der Wärmste, seit es Wetteraufzeichnungen gibt! So blühten die Linden und durch die feuchten Böden „stand jede Linde, im Feuchten“! Und Linden müssen feucht „Stehen“, dass sie reichlich Nektar produzieren und so zur üppigen Nektarquelle werden. So konnte 2019, je nach Standort, sortenreiner Lindenblütenhonig geerntet werden. Dadurch das Linden als Nektar- und Honigtauspender zu einer Zeit blühen (je nach Art im Juni-Juli) in der oftmals gerade im Rheintal eine große „Trachtlücke“ herrscht, sind sie als Nahrungsangebot für unsere Bienen sehr willkommen.

Also, meine letzten Zweifel zur Qualität der Linde als Trachtpflanze wurden im Jahr 2019 vollends, zerstreut!

Wer mehr über diesen wertvollen Sommer-Bienen-Baum wissen möchte, dem lege ich das von Peter Frühwirth verfasste Werk, „DIE LINDE, Plädoyer für einen Bienenbaum“, ans Herz. Hier erfährt man nicht nur wissenswertes über die verschiedenen Arten der Linde, Nektar- und Honigtau, sondern auch vieles über die heimatkundliche und geschichtliche Bedeutung dieses Baumes.

https://www.lko.at/media.php?filename=download%3D%2F2016.07.08%2F14679705857918.pdf&rn=Die%20Linde%20-%20Pl%E4doyer%20f%FCr%20einen%20Bienenbaum.pdf

Die Bienenvölker im Juni, der „Höhepunkt“ im Bienenjahr

Das Bilden und Pflegen von Jungvölkern, steht neben der Honigernte, Schwarm-Kontrolle und/oder Fang, im Mittelpunkt der imkerlichen Arbeit im Juni. Der Juni ist durch das „Überquellen“ unserer Bienenvölker mitunter sehr arbeitsintensiv und auch sehr abwechslungsreich. Auch im Juni richten sich die imkerlichen Tätigkeiten nach Witterung, Wetter und Trachtverlauf.  

Der Juni ist der Monat mit der größten Trachtbereitschaft, denn immer mehr Bienen müssen weniger Brut pflegen. Daher steht ein gewaltiges Heer an Flugbienen zur Verfügung.

Die meisten WanderimkerInnen haben ihre Völker schon auf den entsprechenden Außenstellen platziert und hoffen auf gutes Flugwetter, sowie Nektar und Honigtau vom Nadel- oder Laubholz!

Im Hochgebirge erleben solche Bienenvölker einen zweiten Frühling und die Schwarmperiode, die in niederen Lagen nach der Sommersonnwende langsam versiegt, kann in Höhenlagen getriggert durch Nektar und Pollen weiterhin einige Zeit bestehen bleiben.   

Größere Imkereien müssen sich jedes Jahr natürlich auch mit der Königinnenzucht, auseinandersetzen, warum eigentlich nicht auch kleinere Imkereien?

Motivierte ImkerInnen bilden Zuchtgruppen in den Ortsvereinen, und können so viel über den Organismus „Bien“, dessen Physiologie und „Denke“ dazu lernen! 

Ursprünglich wollte ich hier das Verfahren der Königinnenzucht im Weisel Losen Pflegevolk, so wie ich es jedes Jahr selbst mache, erläutern. Möchte ich diese Methode ausführlich und umfassend erklären, so würde dies aber den Umfang dieser Monatsbetrachtung sprengen. Ich habe diese Zucht- Vermehrungsmethode auf der Website, des Landesverband-Burgenland gefunden. Sie ist dort einfach und sehr gut erklärt und lässt sich so unter entsprechendem Link nachlesen.

www.imker-burgenland.at/zucht.htm

Ich möchte daher hier einige Vorzüge junger Bienenköniginnen vorstellen und warum es sich lohnt, regelmäßig junge „Mädels“ ins „Rennen“ zu schicken.

  • Junge Königinnen schwärmen seltener.
  • Junge Königinnen bauen vitale / starke Völker auf. 
  • Junge Königinnen zeigen meist mehr Dynamik während der Frühjahrsentwicklung. 
  • Und ehrlich! – Bei aller Liebe zur Imkerei wollen wir nicht auch im Hobbybereich wirtschaftlich imkern, also Honig ernten?

Übrigens heuer ist Königinnenzeichenfarbe Weiß.

Gelee Royale, der Saft der Königinnen macht

Man könnte sagen Gelee Royal ist eine Art „Zaubertrank“, vorwiegend Ammenbienen zwischen dem 6. und 16. Lebenstag können diesen säuerlichen, perlmutartigen Saft aus ihren Schlunddrüsensystem produzieren. Dieser Aminosäurencocktail enthält nebst Eiweiß auch noch Wasser, Zucker, mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Hormone sowie hormonähnliche Stoffe, antibiotische Substanzen, Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine.

Es ist wohl eines der großen Wunder/Geniestreich im Bienenvolk, das die Zusammensetzung des Futters entscheidet, ob aus einer weiblichen Bienen Larve eine Arbeitsbiene oder eine Königin entsteht. Bis zum dritten Larventag erhalten alle jüngsten Maden (Drohnen, Arbeiterin, Königin) ausschließlich Gelee Royale.

– Erhält eine befruchtete Jungmade ab dem dritten Larventag zusätzlich Honig und Pollen, dann wird aus ihr eine Arbeitsbiene.

– Larven aus unbefruchteten Eiern werden gefüttert wie Arbeiterinnenlarven und entwickeln sich zu Drohnen.

Nur dadurch, dass eine befruchtete Jungmade ausschließlich mit Gelee Royale gefüttert wird, entscheidet dass eben aus einem befruchteten Ei – innerhalb 16 Tagen – eine Bienenkönigin entsteht.  

Dieser Zaubertrank macht es unseren Bienen möglich, bei Verlust der Königin eine neue Weisel heranzuziehen.

Einzige Voraussetzung dafür ist: Es müssen jüngste Larven (maximal einen Tag alt) vorhanden sein. Füttern unsere Bienen diese jüngsten Larven mit Gelee Royale so entstehen vollwertige Jungköniginnen. Gelee Royale ist nicht nur verantwortlich für das rasche Wachstum der Weisellarven es bewirkt auch als Weiselnahrung die bemerkenswerte Legeleistung und Lebensdauer einer vollwertigen Bienenkönigin.

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Foto.  7. Junge Könniginnenlarven, schwimmen im Gelee Royale. Gesehen und geerntet am 17.05.2020 bei einer Völkerdurchsicht an meinem Heimbienenstand.

Je nach Trachtangebot erreicht die Legetätigkeit der Königin im Juni ihren Höhepunkt. Nach der Tagkehre (21.06., kürzer werdende Tage) nimmt deren Aktivität wieder ab, was nicht heißt das die Volksstärke sogleich abnimmt. Der Höhepunkt des „Bienenschlupfs“ erfolgt trachtbedingt, meist zeitversetzt um ca. 2-3 Wochen später, etwa Mitte Juli.

Bei guter Tracht werden Mittelwände und der Bau- bzw. Drohnenrahmen immer noch schön ausgebaut, wobei letzterer oftmals nicht mehr von der Königin bestiftet wird. Er wird bei guter Tracht als Honigwabe angesehen und mit solchem befüllt.

Varroakontrolle:

Spätestens nach der Tagkehre gilt es unserem „Feind“ und stetigen Begleiter auf der Stockwindel und bei den Tätigkeiten am Volk, wieder mehr Aufmerksamkeit zu Schenken.

Milbenzählen ist wieder angesagt!

Die gut geölten Stockwindeln werden nun den Völkern untergeschoben und nach drei Tagen kontrolliert. Völker mit mehr als 5 Milben pro Tag – Varroaabfall müssen abgeräumt und unverzüglich behandelt werden und kommen für eine weitere Trachtnutzung ohnehin nicht mehr in Frage. Wenn es nur einen Einzelnen „Varroa-Ausreißer“ am Bienenstand betrifft ist dies oft kein Problem.  

Wird aber ersichtlich das mehrere Bienenvölker oder gar der ganze Bienenstand einen erhöhten Varroadruck aufweist so muss auf jeden Fall das vorangegangen betriebliche Varroa-Behandlungskonzept überdacht werden!  

Als Faustregel kann gesagt werden:

Jede täglich spontan abgefallene Varroamilbe kann mit dem Faktor 300 multipliziert werden. Dies hieße bei 10 spontan abgefallenen Milben befinden sich 3000 Milben im Stock – sehr hoher Varroadruck, Alarmstufe rot!

Grosses Augenmerk gilt es auf die stärksten Wirtschaftsvölker zu legen! Sie hatten/haben den größten „Brutumsatz“ und die meisten Generationen Bienen produziert und somit auch den höchsten Varroadruck!

Durch regelmäßige Drohnenbrutentnahmen kann bzw. konnte etwas von diesem Varroadruck reduziert werden und der/die ImkerIn gewinnt Zeit. 

In der Honigküche😊, oder wie Bienen, Honigtau/Nektar zu Honig verarbeiten:

Dass Honig vor der Entnahme und Ernte „reif“ sein muss ist unerlässlich!

Bienenhonig muss gewisse Kriterien/Merkmale erfüllen, um lagerfähig zu sein und in den Verkehr gebracht zu werden. 

Die österreichische Honigverordnung schreibt klar vor welche Merkmale ein Qualitätshonig erfüllen muss. Ebenso werden die verschiedenen „Honigarten“ definiert und die Merkmale der Zusammensetzung des Honigs beschrieben.  

Letztes Jahr um diese Zeit war schon ein gehöriger “Batzen“ Frühjahrsblüten – Honig in den Erntebehältern und Gläsern zum Genuss bereit. Heuer hingegen blieb bis dato alles leer. Daher möchte ich erst in der Juli-Monatsbetrachtung etwas über die Ernte und Kennzeichnung des Bienenhonigs schreiben. 

Wie der Reifeprozess von der Biene aktiv/passiv vorangetrieben wird möchte ich euch aber jetzt schon näher, bringen.

Im Bienenstock angekommen, pumpt die Sammelbiene den gesammelten Honigtau/Nektar aus der Honigblase hoch und übergibt diesen Saft an andere Stockbienen/Honigmacherinnen. Bei der Weitergabe setzen nun auch die Stockbienen/Honigmacherinnen diesem Honigtau/Nektar körpereigene Sekrete/Enzyme zu. Jede Biene in dieser „Reifekaskade“ fügt dem Nektar und Honigtau mit dem Speichel körpereigene Enzyme zu, die die Rohstoffe im Honig verändern. Speichel wird in den Speicheldrüsen produziert. Enzyme vor allem in der Futtersaftdrüse. Bei den Enzymen handelt es sich um Invertase, Diastase, Glukoseoxidase. Diese sind im nachfolgend erläuterten Reifeprozess (Spaltung von Mehrfachzucker, Umwandlung) sehr wichtig.

Die Enzyme sind empfindlich gegen Hitze und Licht. Deshalb darf Honig nicht längere Zeit über 40°C erwärmt werden oder dem Tageslicht ausgesetzt werden (z. B. als Honigglas auf der Fensterbank).

Der Vorgang der Honigtau/Nektar- Weitergabe, wiederholt sich mehrere Male im Bienenstock.

Durch diese Futterkette werden diese süßen Säfte eingedickt, wobei zwischen zwei Phasen, unterschieden werden kann.

Aktiv – Phase:

In dieser aktiven Phase pumpen die Honigmacherinnen den Honig langsam aus dem Saugrüssel heraus, lassen ihn an der Unterseite des Rüssels zu flachen Tropfen ausfließen und saugen ihn anschließend wieder ein. Dieser Vorgang wird in schneller Abfolge etwa 15 bis 20 Minuten lang wiederholt. Durch die warmen Temperaturen im Bienenstock verdunstet ein großer Teil des Wassers.

Passiv – Phase:

Ist der Wassergehalt des Rohhonigs auf 40 bis 50% abgesenkt, hängen die Honigmacherinnen den halbreifen Honig tröpfchenweise in die Wabenzellen und lassen diese offen. In dieser passiven Phase der Honigreifung wird weiteres Wasser an die Stockluft abgegeben. Um die wassergesättigte Luft nach draußen zu transportieren, bilden die Bienen ganze Ventilationsketten. Feuchtwarme Luft wird nach außen gefächelt und durch die meist kühlere Außenluft ersetzt. Zur gleichmäßigen Durchlüftung wird der Honig im fast reifen Zustand in andere meist weiter oben liegende Zellen um getragen. Wenn er völlig reif ist, werden die Zellen endgültig aufgefüllt und mit luftundurchlässigen Wachsdeckel verschlossen. So entsteht eine perfekte „Honigkonserve“ für magere Zeiten. Quelle: Bienefeld, K. (2016)

Hier noch wie in der Mai-Monatsbetrachtung versprochen die exakte Vorgehensweise beim Bilden und Einlogieren eines Kehrschwarmes.

Kunst- oder Kehrschwarmbildung: (Fegling)

Vorteile

  • Kehrschwärme können ohne größere Vorbereitungszeit gebildet werden. 
  • Neue Königinnen werden nahezu hundertprozentig angenommen.
  • Kehrschwärme auf Mittelwänden eingeschlagen; haben somit neuen Wabenbau.
  • Durch die Trennung von Bienen und Brut eignet sich der Kehrschwarm auch zur Sanierung von Völkern mit Brutkrankheiten. 
  • Ein Umstieg auf ein anderes Wabenmass wird durch die Völkervermehrung mittels Kehrschwarm ebenfalls erleichtert.
  • Weiterhin wird durch den brutfreien Zustand eine Varroabehandlung mit Milch- oder Oxalsäure ermöglicht.

Grundprinzip

Neben der klassischen Ablegerbildung mittels Brutwaben besteht noch die Möglichkeit das Schwarmgeschehen nachzuahmen. Ein Naturschwarm besteht vorwiegend aus Flugbienen und einer Königin. Die Bienen haben sich auf das Schwarmgeschehen vorbereitet, indem einige Tage vorher die Wachsdrüsen aktiv werden und teilweise sogar Wachsschüppchen vorproduziert werden. Unmittelbar vor dem Schwarmgeschehen wird die Honigblase noch mit Honig als Futtervorrat gefüllt. Diese beiden Besonderheiten müssen bei der Kunstschwarmbildung berücksichtigt werden, indem der Kunstschwarm 3 Tage in Kellerhaft kommt, damit die Wachsdrüsen aktiviert werden. Der Kunstschwarm muss gefüttert werden, da die Bienen keine Möglichkeit hatten, ihre Honigblase zu füllen. Ausnahmen hiervon gibt es im Zusammenhang mit der Faulbrutsanierung. Bei der Kehrschwarmbildung werden die Bienen von den Waben getrennt, in eine neue Beute gegeben und veranlasst neue Waben zu bauen.

Benötigte Gerätschaften

  • Kehrschwarmkiste: Eine Kehrschwarmkiste ist nicht an ein besonders Maß gebunden, es ist nur wichtig, dass diese mehrere große Lüftungsflächen aufweist.
  • Einfüllhilfe: Ein Einfülltrichter oder eine Einfüllschütte erleichtern das Füllen der Kehrschwarmkiste. Bei manchen Kehrschwarmkisten ist die Schütte bereits in der Kiste integriert.
  • begattete Jungkönigin: Kehrschwärme werden bevorzugt mit begatteten Königinnen erstellt, bei unbegatteten Königinnen besteht noch das Risiko, dass die Königin während des Begattungsfluges verloren gehen kann. Eine begattete Jungkönigin bildet das Herzstück eines Kunstschwarms.
  • Zusetzkäfig: Verwendet werden können zum Beispiel ein Königinnenversandkäfig oder andere geläufige Zusetzkäfige.
  • Beute: Für den Kehrschwarm wird ein Boden, eine Zarge mit Mittelwänden, Futtertasche oder eine andere geeignete Fütterungsmöglichkeit sowie ein Deckel benötigt.
  • Standplatz: Weiterhin wird ein eigener Jungvölkerstand benötigt, der mindestens 3 km Abstand zum Platz, von dem die Bienen stammen, haben sollte.
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Foto.  8.  Einige Geräte die zur Kehrschwarmbildung benötigt werden.

Bildung des Kehrschwarms – Bienen entnehmen: 

Bienen (ideal von mehreren Völkern) werden in eine Kehrschwarmkiste gestoßen oder gefegt. Ist auf den Waben frisch eingetragener Nektar, darf nicht gestoßen, sondern muss abgekehrt werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass zu viele Bienen durch den rausspritzenden Nektar verklebt werden. Es können und sollen Bienen aus dem Honigraum aber auch dem Brutraum abgekehrt werden, da dadurch eine gleichmäßigere Altersverteilung vorliegt. Wird mit Absperrgitter geimkert, ist die Gefahr eine Königin mit abzufegen sehr gering. Bei der Bildung im Mai/ Juni werden etwa 1,5 kg Bienen benötigt. Wird der Kehrschwarm erst im Juli erstellt muss die Stärke auf etwa 2,5 kg erhöht werden. Den gebildeten Kehrschwarm schattig bzw. kühl stellen.

Königin zugeben:

Nach spätestens 2 Stunden setzt die Weiselunruhe ein und der Kehrschwarm beginnt zu brausen (heulen). Falls dies nicht der Fall ist, wurde eine Königin mit abgefegt! Die zuzusetzende Königin wird ca. 2 Stunden nach der Bildung (Weiselunruhe) in einem fest verschlossenen Zusetzkäfig in oder auf den Kehrschwarmkasten (Gitter) gehängt/gelegt. Innerhalb weniger Minuten hört das Brausen auf und es bildet sich eine Bienentraube um die zugehängte Königin.

Kellerhaft:

Anschließend wird der Kehrschwarm in Kellerhaft (kühl und dunkel) gebracht. Der Kehrschwarm bleibt dabei 3 Tage in Kellerhaft. In dieser Zeit muss der Kehrschwarm gefüttert werden.Ideal ist dabei eine Fütterung mit Flüssigfutter (Zuckersirup). 

Einlogieren des Kehrschwarms (Feglings):

Hierzu wird eine leere Beute mit Mittelwänden bestückt. Eine Futtertasche oder dosiertes Füttern mit Flüssigfutter stellt die Futterversorgung und eine stetige Entwicklung sicher. Das Einlogieren sollte gegen Abend, wenn der Bienenflug nachlässt, erfolgen. Zuerst werden in der neuen Beute Mittelwände entnommen und Beiseite gestellt, um Platz für die Bienen zu schaffen.

In der speziellen Kehrschwarmkiste kann die Kehrschwarmtraube mit dem Deckel vorsichtig abgehoben werden und dann mit einem kräftigen Stoß in den geschaffenen Leerraum in der neuen Beute befördert werden. Die restlichen Bienen im Kehrschwarmkasten werden dann dazugekehrt oder dazugestoßen. Sollte der Kehrschwarm bereits in der Beute sein, wird diese einmal kurz und kräftig aufgestoßen damit alle Bienen am Boden liegen. Dann wird der Deckel abgenommen und die Mittelwände werden zugehängt.

Der Festverschluss des Zusetzkäfigs wird nun durch einen Futterteigverschluss ersetzt. Entweder wird der Zusetzkäfig zwischen die Mittelwände gehängt, oder der Zusetzkäfig wird etwas schräg oben auf eine Mittelwand gelegt. Dabei darauf achten, dass der Futterteig tiefer liegt. Dies verhindert, dass ein durch die Wärme weich werdender Futterteig über die Königin läuft.

Die Futtertasche mit Futterteig wird nun an den Bienensitz gerückt. Selbst spät im Jahr (beim Abräumen) gebildete Kunstschwärme werden von mir nur auf Mittelwände eingeschlagen, keinesfalls gebe ich einzelne ausgebaute Waben dazu. Durch den Druck der Fütterung werden die zentralen Waben sehr schnell ausgebaut und anfangs mit Futter vollgetragen. Erst danach tragen die Bienen das Futter nach außen um und richten Leerzellen für ein Brutnest her. Werden in die Mitte der Zarge ein oder zwei ausgebaute Waben gehängt, so verlängern die Bienen die Zellen dieser Waben zur Einlagerung des Futters und die benachbarten Mittelwände werden nur ungenügend ausgebaut. Dabei entsteht ein unregelmäßiger Waben Bau.

Weitere Versorgung:

Eine erste Kontrolle erfolgt frühestens eine Woche nach dem Einlogieren in die Beute, um die Weiselrichtigkeit zu kontrollieren. Eine gute Futterversorgung muss ständig gewährleistet sein. Insgesamt muss mit etwa 15-20 Liter Futtersirup kalkuliert werden (inklusive Wintereinfütterung). Dadurch, dass frühestens nach 21 Tagen die erste Brut zum Schlüpfen kommt, verliert der Kunstschwarm zuerst an Stärke. Erst danach nimmt durch den Schlupf der Jungbienen die Volksstärke wieder zu. Erweiterungen werden bevorzugt mit Mittelwänden vorgenommen.

In der nächsten Monatsanweisung werden thematisch die verschieden Verfahren zur Hauptentmilbung bzw. Sommerbehandlung, somit der Spätsommerpflege im Vordergrund stehen.

Vorschau auf den Juli / Hochsommer

  • Neues von den Honigtauerzeugern
  • Die Honigernte
  • Wissenswertes über die Varroamilbe
  • Gemülldiagnose
  • Maßnahmen und Ziele der Hauptentmilbung und Spätsommerpflege

Doch bis dahin wünsche ich euch viel Spaß bei der Arbeit mit euren Bienen, bleibt gesund und verbleibe mit Imkergruß, euer Peter

Literaturtipp und Links:

  • www.imker-burgenland.at/zucht.htm
  • Bienefeld, K. (2016) Imkern Schritt für Schritt, Franckh-Kosmos Verlag Stuttgart.
  • Frühwirth, P. (2016) Die Linde – Plädoyer für einen Bienenbaum. Die Hochland Imker. Pfarrkirchen. 

Online im URL: https://www.lko.at/media.php?filename=download%3D%2F2016.07.08%2F14679705857918.pdf&rn=Die%20Linde%20-%20Pl%E4doyer%20f%FCr%20einen%20Bienenbaum.pdf