Rückblick und Monatsbetrachtung Mai 2020

Ich hoffe sehr dass ihr alle Gesund und Wohlauf seid und mit der „neuen Normalität“ halbwegs zu recht kommt. In den nächsten Tagen soll ja der Lock-down schrittweise aufgehoben werden. Die Maskenpflicht und das Abstand halten wird uns wohl noch lange begleiten. Es ist zu hoffen dass noch vor dem Sommer mit einem „Vereinsleben Light“ starten können.

„Denn das Leben muss ja irgendwie weiter gehen!“

Waren die ersten Apriltage noch durch starken Morgenfrost geprägt und daher in der Tageserwärmung eher bescheiden, so zeigte sich die gesamte darauf folgende Karwoche frühlingshaft mild. Birnen- und Apfelblüte (phänologische Zeigerpflanze des Vollfrühlings) setzten heuer ähnlich wie im Vorjahr eine gute Woche früher ein. Bisher blieben wir von Kälterückschlägen verschont.

Und schon wieder die Trockenheit:

Im langjährigen Mittel fallen im April im Rheintal der Alpennordseite 70 bis 90 mm Regen. In diesem Monat blieben größere Niederschlagsmengen jedoch aus. So wurde beispielsweise an der Messstation Dornbirn gerade mal 9.8 mm, Regen registriert (Stand 27.04.2020).

Aus phänologischer Sicht hemmte die bis zur vierten Aprilwoche anhaltende Trockenheit die Naturentwicklung massiv. Andererseits, durch den fehlenden Regen und die Trockenheit (zu wenig Gras – Wachstum) blieben die Wiesen im Rheintal weitgehend unangetastet, und unsere Bienen konnten die heurige Löwenzahnblüte gut nutzen. Sämtliche Blühpflanzen, ob Bäume oder Blumen, die in den letzten Wochen und Tagen ihre Blütenpracht präsentierten konnten von unseren Bienen beflogen werden. Lediglich die Nektarausbeute pro Blütenbesuch viel durch die andauernde Trockenheit sicherlich geringer aus. Trotzdem konnten unsere Bienen einen schönen „Honigpolster“ ob mit oder ohne Honigraum anlegen.

Beim schreiben dieser Zeilen 28.04.2020, wird aber endlich von allen Wetterstationen der lang ersehnte Wetterumschwung und ausreichend Regen angesagt!

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              Abb. 1: Gut zu sehen der stetige Temperaturanstieg, sowie bis 13.04.2020 viel gar kein Regen!  Quelle: Online unter URL: vowis.vorarlberg.at/stationsinfo/_Niederschlag, Zugriff 13.04.2020 um ca. 20:00Uhr. 
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Abb. 2: Vom 15.04. auf den 16.04. viel die Nachtemperatur nochmals auf 0° Grad, ansonsten gab es nahezu den ganzen April tägl.   kräftige Tageserwärmung.  Quelle: Online unter URL:  https://vowis.vorarlberg.at/stationsinfo/_Niederschlag,  Zugriff am 27.04.2020 um ca.20:00 Uhr.

Unsere Bienenvölker dehnten in den letzten Tagen und Wochen getriggert durch das warme Wetter und den anhaltenden Futterfluss von außen ihr Brutnest massiv aus. Täglich schlüpfen viele Jungbienen, lediglich die „Masse“ an Flugbienen fehlte uns in den letzten Tagen, erst in dieser Woche ist bei den „Starken“ eine merkliche Zunahme an Flug- bzw. Sammelbienen zu bemerken. 

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Abb. 3: Biene auf Apfelblüte, fotografiert am 16.04.2019 um 16:10 Uhr, „i dr‘ Untergass“.

Zwischen Bienen und Blütenpflanzen besteht ein starkes Abhängigkeitsverhältnis. Die meisten Blütenpflanzen brauchen unsere Bienen zur Blütenbestäubung und ungekehrt brauchen unsere Bienen energiespendende Nahrung. Viele Pflanzen honigen zu bestimmten Tageszeiten. Der geniale Zeitsinn der Biene sagt ihr genau, wann eine Trachtquelle zu „sprudeln“ beginnt. So lässt sich eine Biene nicht nur durch Farben und Düfte lenken, sondern auch von ihrem Zeitgefühl.

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Abb. 4: Löwenzahn zählt bei uns mit zur ersten wirklichen Haupttracht. Er hat einen hohen Nektarwert und einen sehr hohen Pollenwert. 

Die Bienen sind nach einem Blütenbesuch oft komplett gelb vom Blütenstaub. Nektar gibt der Löwenzahn erst bei Temperaturen  über 18 ° C.  Die Blüten schließen oft schon am frühen Nachmittag.  

Und was macht heuer der Wald?

Bei meinen Wanderungen an den Waldrändern und in den Wäldern von Hohenems und Dornbirn wurde ich in den letzten Tagen doch noch fündig. Vorweg gesagt, ich musste lange nach Honigtauspendern suchen bis ich dann doch noch wenig „Besatz“ fand.

1.  Wenig Besatz der Großen Fichtenquirlschildlaus/Lecanie (Vorbote).

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Abb. 5: Große Lecanie, umsorgt von zwei Ameisen. (25.04.2020, 13:00 Uhr im Bereich Walkern/Dornbirn)

2.  Wenig Besatz des wohl wichtigsten Honigtauerzeugers unserer Region, der Rotbraun bepuderten Fichtenrindenlaus.

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Abb. 6: Muttertier mit F1 Kolonie. Gut zu sehen sind auch die kleinen Honigtautröpfchen. (26.04.2020, 14:00 Uhr, im Bereich Eschenau/Dornbirn)

3. Heuer wieder mit von der Partie, die Grüngestreifte Fichtenrindenlaus, gesichtete in mittlerer Lage, in Dornbirn (Eschenau) an mehreren Stellen. Die Anwesenheit von Ameisen sorgt dafür, Räuber fern zu halten.

Abb. 7: Muttertier links, mit mehreren Nymphen (Jungtieren) die wiederum von Ameisen beisammen gehalten und gepflegt werden. (25.04.2020, 12:30 Uhr, im Bereich Kehlegg/Dornbirn)

Ein „lausiges“ Frühjahr gibt einen „verlausten“ Sommer!

Bisher ist der vegetative Austrieb zu linear und kontinuierlich, und der Mangel an Nässe (Regen) zu gewichtig, als das von guten Bedingungen (Setting) für die Lachnidenvermehrung gesprochen werden kann. Es ist bisher zu „unlausig“!  

So ist mit einer guten Vermehrung der Lachniden während des Austriebes zu rechnen, wenn der Spätherbst des Vorjahres (November 2019) warm war und das Frühjahr sich durch die phänologische Abfolge „kalter März – warmer April – kalter Mai und kühler Juni“ auszeichnet. 

Bei dieser Witterungskonstellation ist die Anfälligkeit des Wirtsbaumes für Lachnidenbefall erhöht, wahrscheinlich durch eine Anhäufung von Reserven im Herbst und ihre verstärkte Mobilisierung während des Austriebes, wenn dieser bei Kälteeinbrüchen im Mai und Juni  ins Stocken gerät. Es wird sich weisen ob sich der eher geringe Besatz an Lachniden auf der  Fichte in den kommenden Wochen massiv vermehren kann.

In Gebieten in denen Honigtautracht durch die Fichte und Weißtanne im Sommer möglich ist, lohnt es sich aber trotzdem immer nach bienenwirtschaftlich wichtigen Honigtauerzeugern zu gucken. Wer beobachtet weiß zumindest Bescheid. 

Die Bienenvölker im Mai / Volksentwicklung:

Auch im Mai steht die Beobachtung und Beurteilung von Volksentwicklung/Stimmung sowie der Pflanzenwelt (Tracht) und Witterung an erster Stelle. Die Tages- und Nachttemperaturen nähern sich frühsommerlichen Niveau. Unsere Bienenvölker expandieren massiv! 

So ist es nicht verwunderlich, dass sich auch unsere Bienen, wie jedes „Geschöpf“ dieser Erde reproduzieren möchten. 

Die Honigbiene vermehrt sich über das Schwärmen, bei dem mindestens zwei Teile entstehen, der Haupt- oder Vorschwarm, der mit der alten Königin eine neue Behausung sucht, und das abgeschwärmte (zurückbleibende)Volk, das noch einen oder mehrere Nachschwärme abgeben kann.

Es ist daher klar:

  1. Wegen dieses Aderlasses fällt das abgeschwärmte Volk wochenlang für die Honigproduktion aus.
  2. Schwärme sind dem Tod geweiht, wenn sie nicht gefangen werden.
  3. Beim Schwarmfang kann es leicht zu Unfällen kommen.

Die erwähnten Gründe sollten ausreichen, warum eine „möglichst“ schwarmfreie Völkerführung anzustreben ist.

Der/Die Ertragsimker/In mit großer Völkerzahl wird durch Selektion und Zuchtauslese weiterhin versuchen den Vermehrungstrieb wegzuzüchten. Meiner Meinung nach, macht es viel eher Sinn durch steuernde Wirtschaftsweise die Entwicklung der Bienen so zu lenken, das die Bienenvölker nicht Schwärmen. Natürlich wünscht sich auch der Hobbyimker/In dass seine Völker nicht Schwärmen und ihre „geballte Kraft“ sich nicht in zwei oder mehrere Teile aufteilt. Trotzdem wird es beiden selbst durch Steuerung und Einsatz diverser „Lenkmanöver“ kaum gelingen ohne „Schwärmerei“ über die „Schwarmperiode“ (Anfang Mai –  Ende Juni) zu kommen. Werden die Tage kürzer erlischt allmählich die Schwarmneigung.

Solange die Königin im Frühjahr Tag für Tag „ungehemmt“ Eier ablegen kann, ist vorgesorgt, dass die jungen Ammenbienen mit Pflegearbeit ausgelastet sind. Das ändert sich, wenn die  Königin ihre Eiablage nicht mehr steigern kann. Spätestens drei Wochen nach Erreichen ihrer maximalen Legeleistung schlüpfen jeden Tag soviel erwachsene Bienen wie Larven aus den Eiern. Dann kann sich unter den Ammenbienen Arbeitslosigkeit ausbreiten, die zum Ausbruch der Schwarmstimmung bzw. zum Einläuten des „Schwarm-Countdowns“ führt.

Durch zusammenspielende Auslöser / Trigger wie:

  • durch Platznot, so das die Königin im Brutraum keine freien Zellen um Eier zu legen vorfindet, 
  • zuviel Pollen und Nektar im Brutraum (unangepasster Brutraum),
  • Arbeitslose Ammenbienen (somit Überschuss an Futtersaft / Gelee Royalstau) oder stetig schlüpfende Bienen die für eine „Enge“ im Stock sorgen, 
  • durch eine Schlechtwetterperiode und somit arbeitslose Flugbienen,  
  • durch eine in die „Jahre“ gekommene Königin, nachlassende Legeleistung und Pheromon,
  • durch „erhöhte“ Temperatur, Bienenbeute steht an der prallen Sonne, 
  • durch genetische Faktoren erhöhter Schwarmtrieb,
  • durch mangelnde Möglichkeit zu Bauen, 
  • durch ein nach der „Blütentracht“ mangelndes Trachtangebot 
  • und andere…

 erwacht in unseren Bienenvölkern der Schwarmtrieb. Die Königin wird nicht mehr mit Gelee Royal versorgt, (damit wird sie wieder „Flugtauglich“ gemacht) es folgt ein Rückgang ihrer Pheromonabgabe es entsteht eine Disharmonie im Volk und es werden Weisel/Schwarmzellen angezogen. Die Kippkontrolle (einseitiges anheben des Honigraums / Weiselzellen?) gibt dabei einen schnellen Einblick in ein Bienenvolk um dessen Schwarmbereitschaft zu kontrollieren. 

Ignorierte Mittelwände und/oder nur halb ausgebaute Baurahmen, somit ein erloschener Bau- und Sammeltrieb sind Indizien die für einen aufkeimenden Schwarmtrieb sprechen. Werden In einem Volk schon Weiselzellen (Schwarmzellen) gepflegt ist es nur durch drastische Maßnahmen vom Vorhaben des Schwärmens abzubringen. 

Der Schwarmabgang kann oft verhindert werden, wenn alle Schwarmzellen vor ihrer Verdeckelung zerstört werden. 

Bei diesem „Zweikampf“ im Bienenvolk, Imker/In gegen Schwarmtrieb gilt: 

Wer zuerst aufgibt verliert ☺. Und zudem sei erwähnt, das Ausbrechen aller Schwarmzellen mit konsequenter wöchentlicher Nachkontrolle und andere komplexe Handlungsschritte führen nicht immer, also nur bedingt zum Erfolg! 

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Abb. 8: „Fichtenzapfen“, Schwarm auf einer Fichte, freihängend und einfach zu schöpfen.
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Abb. 9: Sterzeln der Schwarmbienen.

Das Naturschauspiel des Schwärmens fasziniert mich jedes Jahr aufs Neue, neben ein wenig Ärger ist doch auch immer ein großes Stück Freude über einen dann doch geschöpften Schwarm dabei.

Über das „wie Einfangen“ (Schöpfen) „des Bienenschwarms“ könnte man Geschichten und Bücher Schreiben. Nach dem „Großen Blühen“ wird es wohl auch heuer einige Schwarmgeschichten zum Nacherzählen geben ☺.

Ich möchte nur so viel sagen, kein Schwarm ist es Wert sich in große Gefahr zu begeben! 

Der BZV- Hohenems beheimatet einige „ausgefuchste Schwarmfänger“, die alle möglichen Tricks kennen, die jedem Vereinskollegen/In bei schwierigen „Fällen“ gerne behilflich sind (Whats App-Gruppe).

Mein persönlicher Schwarm-Tipp nach erfolgtem Schöpfen; vorausgesetzt der/die Imker/In weiß welches Volk geschwärmt hat!

Stelle das abgeschwärmte Muttervolk (Schwärmer) an einen anderen Stellplatz auf deinem Bienenstand, und logiere den eingefangenen Schwarm an derselben Stelle (wo das abgeschwärmte Volk stand) auf einer „frischen“ ganzen Beute mit Mittelwänden ein. 

Was geschieht dabei?

Es werden noch alle verbliebenen Flugbienen des „Schwärmers“ zu deinem frisch einlogierten Schwarm fliegen und diesen verstärken. Reichliche Futtergabe (mind. 10 Liter Zuckerwasser 3:2) und eine legende Königin (Vorschwarm) lassen ihn schnell zu einem schlagkräftigen Bienenvolk erstarken und alle Mittelwände ausbauen. Dieser Schwarm kann dir im selben Jahr bei einer möglichen Waldtracht noch Ertrag in Form von Honig bringen. Der zweite positive Effekt schaut so aus, der Schwärmer (das abgeschwärmte Volk) wird dir mit Sicherheit keinen Nachschwarm mehr bieten. Er hat keine Flugbienen mehr die schwärmen könnten. 

Schwarmvorbeugung und Schwarmverhinderung:

Die Schwarmvorbeugung zielt darauf ab, keine Arbeitslosigkeit bei Ammenbienen aufkommen zu lassen. Entweder entfernt man Ammenbienen durch Bildung eines Kehrschwarms (Feglings), oder als Brutableger, noch bevor sie geschlüpft sind. Das Schröpfen von einer oder zwei Brutwaben (mit den ansitzenden Bienen) dient gleichzeitig der Völkervermehrung als auch der Varroareduktion.

Ebenso sorgt man für Vollbeschäftigung durch Aufziehen von Drohnen. Dazu wurde im April beim Aufsetzen des Honigraumes ein Baurahmen neben das Brutnest gehängt. Hier wird Drohnenbau erstellt. Spätestens drei Wochen später kann die verdeckelte Drohnenbrut entnommen und gegen einen neuen Baurahmen ausgetauscht werden.

Der Einsatz von zwei Baurahmen, zeitlich versetzt, gewährleistet, dass immergefräßige Drohnenlarven zu versorgen sind. Nebenbei gewinnt man reinstes Wachs und bremst die Entwicklung des Varroabefalls erheblich.

Das einmalige sanfte frühe Schröpfen und die mehrfache Drohnenbrutentnahme wirken sich nicht negativ auf Volksentwicklung und Sammelleistung aus.  

Die Devise muss also lauten „Prophylaxe“ = Vorbeugen ist besser als Einfangen ☺, so das der Schwarmtrieb gar nicht erst aufkommt!

Maßnahmen, dass der Schwarmtrieb gar nicht erst erwacht sind,

  • Zeit- und Witterungsgerechte Erweiterungsschritte / Bauangebote setzen, Mittelwände und Drohnenrahmen einhängen sowie Honigraum aufsetzen,
  • angepasster Brutraum
  • geeignete Standortwahl (Halbschatten, Pultständer, Hütte),
  • Drohnenrahmen ausschneiden (Varroareduktion und erneutes Bauangebot).
  • Tracht = Honigtau oder Nektar im Überfluss vorhanden, wird kein Bienenvolk ans Schwärmen denken!

Mein persönlicher Tipp (Lenkmanöver) zur Schwarmverhinderung ist, das Verstellen oder Umstellen der Beuten!

An nahezu jedem Bienenstand mit mehreren Bienenvölkern wird die Volksstärke jedes einzelnen Volkes von dem des Nachbarvolkes mehr oder weniger abweichen. Große Abweichungen können jetzt, wenn nicht schon vorher gemacht, ganz einfach ausgeglichen werden. Neigt ein Volk zum Schwärmen oder ist es „überstark“ kann es ganz einfach mit einem schwächeren „Nachzügler“ vertauscht werden (Standortaustausch). So verlagere ich die ganzen Flugbienen des starken Volkes zum Nachzügler. Dies mache ich am besten abends wen der Bienenflug weitgehend eingestellt ist.

Was geschieht dabei? 

Der Nachzügler kriegt vom starken mitunter schon schwarmstimmigen Volk die ganzen Flugbienen ab, dieser Nachzügler wird einen großen Schritt nach vorne machen (Erweiterungsschritte müssen folgen). Im Gegensatz fehlen dem schwarmgeneigten Volk die Flugbienen um zu schwärmen! Dieser wird sich überlegen müssen ob er überhaupt noch schwärmen kann.

Als weitere Möglichkeit Schwärme zu verhindern gibt es die Möglichkeit des sanften Schröpfens.

Nach dem Abblühen der Frühjahrsblüte (je nach Wetter – Mitte bis Ende Mai) und der so entstandenen Trachtlücke ist nun ein sehr guter Zeitpunkt, Ableger zu bilden! 

  • Brutableger:

Durch Entnahme von 2 – 3 Brutwaben (1 Wabe schlüpfende Brut aber auch noch 1 Wabe sehr junge Brut – frühes Larvenstadium) aus einem oder zwei überstarken Völkern, und unter Beigabe einer Mittelwand und Futterwabe, können so Brutableger gebildet werden. Im Ablegerkasten mit einer Futtertasche versehen, wird dieser Ableger nach Möglichkeit mind. 2 km vom bisherigen Standort verbracht. Mit sehr engem Flugloch (zwei Bienen breit) aufgestellt. Nach 12-13 Tagen sollte eine selbstgezogene Königin schlüpfen nach weiteren 2 Wochen Wartezeit sollte die junge Königin in Eilage sein. Eine Varroabehandlung (vor Verdeckelung der Brut) versteht sich von selbst! Diese Methode ist wohl die einfachste Art und Weise seinen Bienenbestand zu erweitern.

  • Kehrschwarm:

Große, vor dem Flugloch vorsitzende „Bienenbärte“ ermuntern mich jedes Jahr, wenn schon begattete Jungköniginnen zur Verfügung stehen, „Kehrschwärme“ Feglinge zu bilden und so ein „Schröpfen“ vorzunehmen. Aus einem oder zwei überstarken Völkern, werden Bienen aus dem Brut- und Honigraum in eine Kehrschwarmkiste abgekehrt.

Dabei gilt es bei den zu schröpfenden Bienenvölkern vorab die Königin zu finden, um diese nicht mit abzukehren! So können jetzt Mitte bis Ende Mai, Kehrschwärme mit 1.5 – 2 kg erstellt werden. Diese kommen für mind. 3 Tage und Nächte mit einer jungen begatteten Königin (gekäfigt) in den kühlen Keller. Dort wird der Fegling sofort mit Zuckerwasser 3:2 gefüttert. Nach mind. 3 Nächten wird der Kehrschwarm, wiederum an einem anderen Standort, auf Mittelwänden eingeschlagen. Durch die im Keller entstandene Freundschaft und in Folge das „ausfressen“ lassen der zugesetzten Königin wird diese Jungkönigin, im Ablegerkasten sofort mit der Eiablage beginnen. Regelmäßige Fütterung als „Starthilfe“ für die nächsten Tage, und eine zeitnahe Varroabehandlung (vor Verdeckelung der Brut) versteht sich von selbst!

  • Weiselzellen im Volk: „Jungvolkbildung aus dem Schwarmtrieb“

Werden Weiselzellen im Volk bemerkt können diese wie oben erwähnt zerstört werden, oder es kann wenn der/die ImkerIn seine Völkerzahl erweitern will, dieses Volk in mehrere Ableger geteilt werden. Bei dieser Art der „Schwarmvorwegnahme“ werden je nach Größe des schwarmstimmigen Volkes 3-4 Brutableger gebildet. Grundsätzlich kann Schwarmvorwegnahme mit und ohne Königin erfolgen. Die stärkere Sofortmaßnahme gegen das Schwärmen ist die Königin aus ihrem Stammvolk vorab zu entnehmen. Wurde die Königin vorab entnommen, sollten sich in den dann einige Tage später gebildeten weisellosen Ablegern, mindestens eine bis zwei Brutwaben mit Schwarmzellen befinden. Im  dem einige Tage zuvor gebildeten Restvolk mit der Königin sollten in diesem Fall zusätzlich alle Schwarmzellen gebrochen worden sein. Ideal wäre hier ebenfalls das die gebildeten weisellosen Ableger wie oben im Abschnitt (Brutableger) mindestens 2 km vom bisherigen Standort verbracht werden und das weitere Verfahren dem oben (Brutableger) folgt. Zu diesem Verfahren kann ich ein „Schwizerdütsches Filmli“ (mit Untertitel) von Bioimker Martin Dettli empfehlen, siehe https://www.youtube.com/watch?v=_zZz_FVNo3Y&list=PLtPSbcrg8aPraj2s5WtwUTB3syLIHtDkH

Bildet Ableger! Sie sind die „Rennpferde“ im nächsten Jahr und Rückgrat jeder Imkerei!

Leider können Aufgrund der Coronasituation noch keine Imkerhocks und andere Veranstaltungen (Ständeschau, Workshops) abgehalten werden. Trotzdem stehe ich und sicherlich auch andere erfahrene Imker unseres Vereins, bei Fragestellungen, gerne telefonisch „Rede und Antwort“!

„Trophallaxis“

In meiner letzten Monatsanweisung habe ich versucht den Rund- und Schwänzeltanz zu erläutern. Eine weitere Kommunikationsform bei Staaten bildenden Insekten ist der soziale Futteraustausch, dieser wird wissenschaftlich „Trophallaxis“ genannt. 

Wir wissen dass Arbeitsbienen nicht nur die Königin mit Nahrung versorgen und aufpassen, dass alle Larven und die Drohnen satt werden, sondern dass sie sich auch gegenseitig füttern.

Das Verhalten im Detail schaut etwa so aus: 

Die Antennen haben eine zentrale Funktion bei der Futterweitergabe. Eine hungrige Biene bettelt mit ihren Antennen (Fühlern) eine Arbeiterin an. Ist diese bereit zu geben, dann holt sie einen Tropfen aus ihrer Honigblase. Diese Honigblase kann auch als „sozialer Magen“ bezeichnet werden. Er ist ein extrem dehnbarer Darmabschnitt im Hinterleib vor dem eigentlichen Verdauungstrakt. Hier hinein kommt der gesammelte Nektar, der nach Hause gebracht wird und zur Honigproduktion bereit gestellt wird. Der Rüssel der gebenden Arbeiterin ist zurückgeklappt und der Tropfen erscheint zwischen ihren Kiefern (Mandibeln). Die nehmende Biene leckt den Tropfen mit ihrem Rüssel von den Mandibeln der andern ab. Die Antennen der beiden sind in permanentem Kontakt. Reißt der Kontakt ab, so wird die Futterübergabe beendet. Die gebende Biene wendet sich ab.

Durch den Futteraustausch und den dabei zugleich stattfindenden Austausch von Duftstoffen erfahren im Bienenvolk alle, was gerade so los ist: 

  • Welcher  und wie viel Nektar kommt gerade so herein,
  • Was für Pollen ist gerade angesagt,
  • Geht es uns als Organismus gut?
  • Haben wir eine Königin?
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Abb. 10: Trophallaxis bei Stockbienen. Die bettelnde Biene ist meist jünger als die Geberin. Quelle: https://immenfreund.wordpress.com/2012/04/18/trophallaxis/ Zugriff am 22.04.2019

Der Zusammenhalt und die Harmonie sowie der Austausch von Informationen werden in einem Bienenvolk also dadurch gewährleistet, das alle Bienen in trauter Geschwisterlichkeit ihr „Brot“ teilen.

So kann gesagt werden der Zusammenhalt, die „Geschwisterliebe“- wenn man so will -, geht im Superorganismus „Bien“ buchstäblich durch den Magen.

Gerade der Stockgeruch der letzten Tage und Wochen war für uns ImkerInnen ein Genuss. Würzig süßer Nektarduft war unter Tags aber auch abends nach einem starken Flugtag vor den Bienenstöcken zu riechen. Dieser Duft lässt uns auf eine Blütenhonigernte von unseren „Starken“ Bienenvölkern hoffen!

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Abb. 11: Goldgelber Blütenhonig „plattelt“ aus der Honigschleuder.

Reifer Honig (wenig Wassergehalt) bildet durch seine zähe Viskosität eine „Pyramide“ beim „aufsetzen“ aufs Honigsieb!

Damit schließe ich meine Monatsanweisung für den Mai, ich hoffe sehr, auf eine weitere Entspannung der Corona-Situation, und auch weiterhin auf mildes Wetter. 

Mit Imkergruß, euer Peter