Rückblick und Monatsbetrachtung März 2021

Der Brückenschlag zwischen Winter und Frühling ist mit erreichen, des Monats März endgültig vollzogen. Noch kann es in kalten Witterungsphasen zu Schneefall und häufig noch zu Nachtfrösten kommen. Doch die Sonne hat Kraft und sorgt auch für entsprechende Tageserwärmung. Der astronomische/kalendarische Frühlingsanfang – Tagundnachtgleiche fällt heuer auf den 20.März.

Wie war das vergangene Februarwetter?

Bei den ersten milden Vorfrühlingstage am 04. Und 05.02. mit Temperaturen bis zu 14°C, absolvierten unsere Bienen den erwünschten Reinigungsflug. An diesen Tagen konnte zur frühen Nachmittagsstunde auch schon Polleneintrag von der Hasel beobachtet werden. 

Nach dieser ersten milden Phase des Winters 2020/21, zeigte dieser, in der drauf folgenden Woche aber wieder seine Zähne! Einem kleinen Schnee-Nachschub, folgte vom 11.02.- 15.02. eine Periode mit Eistagen. „The beast from the east“ – Kontinentale Kaltluft und eisiger Wind sogenannte Bise, dazu sternenklare Nächte ließen im Rheintal, das Thermometer bis -10°C anzeigen.

Rekordverdächtiger Frühling im Februar!?

Vom 18.02. bis einschließlich 26.02. brachte das Hochdruckgebiet Ilonka, Saharastaub ins Ländle und sorgte für eine außergewöhnlich milde Vorfrühlingswoche. Das rekordverdächtig warme Februar-Ende war keine Eintagsfliege!

Dass die Temperaturen im Rheintal gleich an 8 Tagen hintereinander auf 15-20°C Grad oder mehr anstiegen, ist für den Februar sehr ungewöhnlich. Mit 16 bis lokal 20 Grad lagen die Höchsttemperaturen im Bereich der April- oder sogar Mai-Norm.

Solche langanhaltenden Wärmeperioden gab es im Februar bisher nur sehr selten. Eine ähnliche Wetterlage herrschte im Februar 1990. 

Der/die ImkerIn konnte diese zahlreichen milden Tage zum Einengen bzw. in die Mitte Rücken des „Bienensitzes“ nutzen. Unsere Bienen nutzten die milden Februartage zum ersten großen Polleneintrag von der Hasel und den Frühblühern. 

Ähnlich früh wie letztes Jahr stellt sich heuer die Weidenblüte ein.  War es im letzten Jahr, die dritte Februarwoche, so wurde von mir im Rheintal, in Hanglagen heuer am 24-25.02. der erste Beflug der Weide verzeichnet.

Die derzeit entsprechend groß angelegten Brutflächen benötigen viel Energie – bitte auf die Futterversorgung achten!

Jetzt Ende Februar, beim Schreiben dieser Zeilen ist nach einer kurzen Störung weiterhin mildes Frühlingswetter angesagt.

Wie die letzten drei Jahre schon zu erkennen war, scheint dies die neue Wetternormalität zu sein.

Oft zu warm und zu trocken! Die Klimakrise lässt grüßen.

Kurz und kompakt

  • Die Frühblüher und vor allaem die Weidenblüte pusht die Frühjahrsentwicklung.
  • Ohne Pollen – geht nix.
  • Fluglochbeobachtung und/oder Frühjahrsnachschau Durchsicht dabei auf Brut (Weisel Richtigkeit) und ausreichend Futtervorrat achten.
  • „Reizthema“ – Frühjahrsreizfütterung.
  • Was tun mit schwachen Bienenvölkern?  
  • Noch nimmt die Volksstärke ab bis mehr junge Bienen schlüpfen als alte Bienen sterben.
  • Ende März – Anfang April vollzieht sich die Durchlenzung.
  • ! Wärmehaushalt – keine überhasteten Erweiterungen!
  • Von der „imkerlichen Geduld und Gelassenheit“

Frühblüher & Co.:

Aus phänologischer Sicht befinden wir uns in der zweiten Hälfte des Vorfrühlings (bis Ende März).

Frühblüher wie Krokus, Schneeglöckchen, Märzenbecher, Winterling, Huflattich, Erle, Kornelkirsche usw. sind die ersten Impulsgeber und spenden vor allem Pollen. 

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Foto. 1.  Kornelkirsche – Trachtwert = N3/P2

DieKornelkirsche(Cornus mas), auch als Herlitze oder Gelber Hartriegel bezeichnet, ist ein sehr früh blühendes, robustes Gartengehölz, das zur Familie der Hartriegelgewächse gehört. Sie wird sehr gerne mehrstämmig als Hecke verwendet. Die Kornelkirsche blüht in goldgelben kugeligen Dolden, bevor sie Blätter ausbildet. Sie spendet sehr früh im Jahr Nektar und Pollen daher ist sie eine wichtige Bienenweide. Dieses Bild entstand an der Bödelestraße am 24.02.2021 um 12:30Uhr.

Phänologisch bricht mit der blühte der Forsythie als Zeigerpflanze = ein reiner Zierstrauch ohne Nährwert für die Biene, der Erstfrühling an. Der Erstfrühling dauert bei uns im Ländle laut ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) im Durchschnitt von Ende März bis Ende April.

Nebst Wildpflanzen wie Buschwindröschen, Pestwurz, Schlehdorn, Spitzahorn ist vor allem die Salweide, generell die versch. Weidenarten als Bienenweide und im milden Frühjahr, in sonnigen Hanglagen schon vereinzelt der Löwenzahn zu erwähnen. 

Kultur- und Nutzpflanzen wie Marillenbäume an der geschützten Hauswand, aber auch Johannisbeeren und Stachelbeeren in unseren Gärten, können so wie bei mildem Wetter auch schon Kirsch- und Zwetschgenbäume nebst Pollen ergiebig Nektar spenden. Eingetragener Pollen wird in der Nähe des Brutnestes gelagert und im Gegensatz zum Nektar/Honig nicht mehr um getragen.

Zu Ende des Vorfrühlings, heuer deutlich früher, steht der erste große „Motor“ und Entwicklungstracht, die Weidenblüte an! 

Meist schon Anfang März, wenn die ersten wärmeren Sonnentage ins Land gehen, stehen die ersten Weiden als Nährstoffspender bereit. Dabei ist vor allem die Salweide (Salix caprea) zu erwähnen. Als Pionierpflanze blüht sie früh und hat geringe Standortansprüche. Wenn der Bien das Nahrungsangebot der Weide gut ausschöpfen kann ist eine zügige Durchlenzung gewährleistet. Der Blütenstaub enthält die Nährstoffe, welche der Bien zu dieser Jahreszeit dringend braucht. 

Weiden sind zweihäusig, also getrennt geschlechtlich. Männliche Weidenkätzchen (gelblich) spenden Pollen und ergeben dabei das eiweißreiche Bienenbrot. Der aus weiblichen Weidenkätzchen (grünlich) verfügbare Nektar liefert den Bienen energiereiche Kohlenhydrate, das sogenannte „Flugbenzin“ 😊. Durch ihre Nährstoffe ist die Weide für die Gesunderhaltung des Biens von großer Bedeutung.

Durch die Weidenblüte und mildere Temperaturen erweitert das Bienenvolk sein Brutnest massiv und braucht dabei wesentlich mehr Winterfutter. Weiden lassen sich zudem recht einfach über Stecklinge vermehren. Nach dem Abblühen werden die gewonnenen, gut fingerdicken Weidenstecklinge ins Wasser gestellt und nach Ausbildung von Wurzeln eingepflanzt. Weidensträucher dürfen an keinem Bienenstandort fehlen!

Übrigens: Erwähnenswert ist auch die Vielfalt der Weide. Sie ist robust und besticht durch ihren Wuchs, ihre vielfarbige Rinde und findet daher verschiedenartige Verwendung. So wird sie nicht nur als Trachtpflanze vom Bien besucht, sondern findet seit Jahrtausenden als Arznei-, Flecht-, Binde-, und Futterweide, somit als Nutzpflanze des Menschen weltweit Verwendung.  

Unter, https://www.salicetum.ch/ erfährt ihr mehr über die Weide.

Dieses Bild entstand ebenfalls an der Bödelestraße am 24.02.2021 um 12:30. Nach einer Skitour bemerkte ich 

diesen großen „Pollenspender“. Der warme Asphalt in unmittelbarer Nähe sowie die entsprechende Hanglage

sorgte für diese frühe Entwicklung!  

Ohne Pollen – geht nix!

Pollen ist der einzige Eiweißlieferant für die Honigbienen. Sind Nektar und Honigtau als Energielieferanten im Überfluss vorhanden – ohne Pollennahrung kann das Bienenvolk nicht überleben! Die Ammenbienen brauchen Pollen, um Futtersaft zu produzieren, mit dem die jungen Larven ernährt werden. Die älteren Larven brauchen Pollen für ihr Wachstum. Alle frisch geschlüpften Bienen brauchen Pollen für die Reifung der inneren Organe (Mikrobion). Angehende Winterbienen brauchen Pollen, um sich ein üppiges Eiweiß-Fett-Polster anzueignen. Alle erwachsenen Bienen brauchen Pollen, um Bienengift produzieren zu können. Der überwiegende Anteil wird aber für die Aufzucht der Brut benötigt. 

Für die Aufzucht einer einzelnen Arbeiterin sind durchschnittlich 145mg Pollen erforderlich. Durchschnittlich wiegt ein paar Pollenhöschen 10-15mg. Zur Aufzucht einer Biene werden somit 10 Paar Pollenhöschen, also 10 „Bienenausflüge“ benötigt.

Zusätzlich braucht eine Erwachsene Biene in ihrem Leben ca. 40mg Pollen. Ein Bienenvolk erbrütet im Durchschnitt 120 000 – 150 000 Bienen im Jahr. So benötigt 1 Bienenvolk im Jahr ca. 23 – 30 kg Blütenpollen!

Pollen sehen aus wie winzige, gefärbte Staubkörner. Sie können vielförmig und in den verschiedensten Farben erscheinen. Pollen ist in den Staubbeuteln einer Blüte eingeschlossen und selbst für das „geschickteste“ Insekt der Welt ist es unmöglich, puren Blütenstaub einzusammeln und zu transportieren. Die Honigbiene setzt deshalb beim Pollensammeln eine Reihe von Tricks ein.

Mit etwas Honig als „Treibstoff“ in ihrem Honigmagen fliegt sie los und steuert die erste erfolgversprechende Blüte an. Während sie Nektar tankt, wird sie mit Blütenstaub eingepudert. Mit zwei speziellen Fersenbürsten bürstet sie den Pollen aus ihrem Haarkleid.

Danach vermischt sie die Pollenkörner mit etwas Nektar und formt daraus zwei Klümpchen.

Diese zwei Klumpen schiebt sie in zwei spezielle Vertiefungen – sogenannte Pollenkörbchen – an ihren Hinterbeinen. So entstehen während einer ausgedehnten „Blütentournee“ nach und nach dicke Pollenhöschen. 

In den Stock zurückgekehrt streift sie die bunten Höschen in einer brutnahen Zelle ab. Die Stockbienen stampfen den Pollen mit dem Kopf fest und überziehen ihn mit einer dünnen Schicht Honig, der als Konservierungsmittel dient.

Bei milden Temperaturen und guten Entwicklungsbedingungen wird der Brut nahe Pollenkranz stetig verbraucht, sodass sich das Brutnest von der Mitte aus, nach außen ausweiten und verändern kann.  

Der Bien im März:

Die Tageslänge nimmt zurzeit, täglich um knapp 3,5 Minuten zu!

Somit verlängern sich auch die Sonnenstunden an jedem Tag, und auch die Kraft der Sonne (Sonnenstand nimmt zu) kehrt zurück. Der Bien spürt das! 

Von dem Mehr an „Tageslicht“ gesteuert und unabhängig von Pollen und Nektareintrag (Futterfluss) pflegen sie jetzt Anfang März schon ein Brutnest, dass zwei bis fünf Waben umfasst (bis zu Handteller groß) und brauchen nun bedeutend mehr Winterfutter! Es muss jetzt noch mehr auf ausreichend Futter geachtet werden! 

In brutlosen Wintermonaten benötigt ein Bienenvolk je nach Populationsgröße 1-1,5kg Winterfutter. Ende März mit dem voll angelaufenen „Brutgeschäft“ benötigt ein Bienenvolk pro Woche 1-1,5kg Winterfutter. 

Das meiste Winterfutter verbraucht der Bien im März/April. Deshalb muss im zeitigen Frühjahr besonders bei den starken Völkern darauf geachtet werden, dass sie nicht an Futtermangel leiden! 

Außenbeurteilung und Fluglochbeobachtung:

Selbst ungeöffnet lässt sich eine gute Einschätzung der Bienenvölker machen.

Durch eine für 8-10 Tage eingelegte Stockwindel lässt sich sehr gut die Volksstärke abschätzen! Dabei wird nach genanntem Zeitraum die Anzahl und die Länge der „Gemüllstreifen“ gesichtet und beurteilt. Durch das Anheben der Bienenbeute kann mit etwas Erfahrung auf noch vorhandene Futterreserven geschlossen werden. Im Zuge dessen kann auch das im Herbst angebrachte Mäusegitter entfernt werden, da Heimkommende „Höselbienen“ die sich durch das Mäusegitter hindurchzwängen diese teilweise verlieren.

Ist es sonnig, mild und ein ruhiger emsiger Pollenflug zu beobachten, dann ist sicher eine Königin im Volk vorhanden die auch schon fleißig stiftet. Ruhig sitzende oder sterzelnde Wächterinnen zeigen mir ebenfalls an, dass alles in Ordnung ist. Somit muss nicht zwingend die Beute geöffnet werden. Gerade durch eine regelmäßig durchgeführte Fluglochbeobachtung, können Bienenvölker am Bienenstand von außen, gut miteinander verglichen werden. Starke Bienenvölker werden von mir zu diesem Zeitpunkt in Ruhe gelassen. Bei meinen Hinterbehandlern lässt sich ohnehin deren Entwicklung, wunderbar durch die Glasscheibe hindurch beobachten.

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Foto. 4.   Polleneintrag, beobachtet am 21.02.2021 um 14:00 Uhr bei meinem Heimbienenstand.

„Reizthema“ – Frühjahrsreizfütterung:

Bei der Frühjahrsreizfütterung verfolgt der Imker das Ziel, das der Bien durch den gesetzten „Trigger“ noch mehr brütet und möglichst früh erstarkt, um die Frühjahrstracht zu nutzen. Er möchte damit mehr Honigertrag erwirtschaften.

Gerade in alten Büchern und Fachzeitschriften über Bienenzucht und Imkerei wird dem Thema Reizfütterung viel Augenmerk geschenkt und verschiedenste Methoden erklärt. Dabei werden „Futterlösungen“ mit Bienentee (Kräuterteeauszüge), Zucker, Honig usw. in verschiedensten Darreichungsformen, von unten, oben, oder gar über die Bienentränke, angepriesen.

Auch mein Vater reizte seine Bienen mit einem „Zucker-Honig -Kräutertee“. Dabei verabreichte er jedem Bienenvolk einmalig, zur ersten sehr milden Witterung im März, einen halben Liter dieses Futters. Er nannte diese einmalige Gabe – „Auferstehungstrunk“. Er schwor auf diesen Stimulus, der auch das Abkoten des Biens fördern sollte.  Als Jungimker führte ich diese Tradition zunächst weiter.

Nun aber als Hobbyimker, der nicht von der Imkerei leben muss, dem natur- und bienengemäßes imkern wichtig ist verzichte ich seit vielen Jahren darauf meine Bienenvölker im Frühjahr zu füttern. Wenn im Spätsommer des Vorjahres, genug Futter angeboten wurde, somit genügend Reserven vorhanden sind, sehe ich keinen Grund im Frühjahr, den Bien durch „Imkerhand“ zu pushen.

Ausgenommen sind meine Pflegvölker zur Zucht/Nachschaffung, dabei wird nur betriebseigener Honig verwendet, und wie in der Februar Monatsbetrachtung erwähnt, Bienenvölker, die einer Notfütterung bedürfen. Notfütterungen müssen aber die absolute Ausnahme sein!

Pro- und Kontra – eine umstrittene Praxis

Viele Imker lehnen die Reizfütterung ab, andere sind geradezu begeistert davon. 

Ich möchte meinen Bienen doch helfen ihr Brutgeschäft anzukurbeln.

Wenn ich meine Bienen im Frühjahr füttere, können sie mir nicht verhungern. 

Dies sind nur zwei pro Argumente, die immer wieder zu hören sind.

Ich lehne inzwischen die Frühjahrsreizfütterung ab und überlasse den Bien sich selbst. Ich bin der Meinung er soll sich selbst aus eigener Kraft so entwickeln wie es die Witterung und die Tracht, somit der natürliche Futterfluss aus der Natur vorgeben. Ich meine Trachtsimulation mit Zuckerlösung und Futterteig im Hauptentwicklungszeitraum des Biens, schwächt mittel- und längerfristig das Immunsystem und damit die Selbstheilungskraft des Biens. Auch hier gilt der Lehrsatz von Hippokrates von Kos: „Lass die Nahrung deine Medizin sein und Medizin deine Nahrung! “ 

Warum soll ich im Frühjahr bei einem lückenlosen Trachtfließband mit „Junkfood“ = Zucker😊, füttern? Das Beste kann dem Bien nur die Natur bieten!   

Schlussendlich muss jede/r ImkerIn für sich selbst entscheiden was er/sie tun wollen.

Mann/Frau darf sich aber bei entsprechender Reizung nicht über Schwarmstimmung und so manche „Schwärmerei“ wundern! 

Reizung ohne Reizfütterung

Wird bei der Frühjahrsnachschau- Durchsicht wenig offenes Futter entdeckt, kann durch anritzen des Honigkranzes auf Brutwaben und direkt anliegenden Futterwaben, mittels Stock Meisel, der Bien animiert werden, das Futter aufzunehmen und zu verbrauchen oder Brutnestnahe zu lagern. Dabei ist aber auf den Entwicklungsstand des Biens zu achten, um nicht zu viel verdeckeltes Futter aufzudrücken und Schwächere zu überfordern.

Zur ersten Brutnesterweiterung des Biens bevorzuge ich „Brünette“ schon einmal bebrütete Futterwaben und setzte mit dieser Gabe ebenfalls eine Reizung, ohne zu füttern. 

Egal wie man zu diesem Thema Frühjahrsreizfütterung steht, es wird ein Reizthema mit Pro- und Kontras bleiben😊.

Frühjahrsnachschau/Durchsicht:

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine erste Nachschau oder gar Durchsicht meiner Bienenvölker? Manche Imkereien haben den Zeitpunkt an phänologischen Erscheinungen fest gemacht. Wenn im Vorfrühling eingeengt wurde und man sich der Futterreserven sicher ist reicht es aus, frühestens zur Kirschblüte eine erste Nachschau oder wenn nötig Durchsicht (ziehen von Brutwaben) im Bienenvolk vorzunehmen. Das dabei entsprechend bienenfreundliches Wetter herrschen soll, versteht sich von selbst. 

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Foto. 5.  Dieses Bild wird sich bei kühlem und wechselndem, aber doch sonnigem Wetter (Biseströmung) im März und April, „leider Gottes“ immer wieder einmal zeigen!  Pollenbienen die Aufgrund einer Wolkenabschattung und kühlem Wind, „starr und klamm“ werden und am Flugbrett verenden.  Mit einem Windschutz kann diesem Phänomen etwas entgegnet werden.  

Schwache Bienenvölker:

Wird bei der ersten Frühjahrsnachschau/Einengen ein schwaches, aber gesundes Bienenvolk entdeckt kann dieses:

Variante 1 

Zur Verstärkung einem sehr starken Volk über dem Absperrgitter 3-4 Wochen aufgesetzt werden. Mit Hilfe der Ammenbienen von unten legt die aufgesetzte Königin, wenn genügend Raum vorhanden ist, ein schönes Brutnest an. Dieser „Doppeldecker“, sollte aber bevor die ersten Drohnen schlüpfen, oder er gar in Schwarmstimmung gerät, wieder getrennt werden. Diese Variante funktioniert gut, wenn der „Schwächling“ nicht zu schwach ist und die Königinnen möglichst „gleichwertig“ sind. 

Variante 2

Hat so ein „Schwächling“ eine junge Königin und zeigt schönen Pollenflug, kann dieser durch zufliegen eines aufgelösten Volkes verstärkt werden. Dazu wird der Schwächling auf den alten Platz des aufzulösenden Volkes (z.B. weiselloses / drohnenbrütiges Volk) gestellt. Danach wird der „Weisellose“ gut 25m vom bestehenden Bienenstand weggetragen. Jetzt werden dessen Waben in die Wiese abgekehrt. Die abgekehrten Bienen fliegen zum gewohnten Standort zurück, wo sie den jetzt an diesem Standort stehenden Schwächling verstärken. 

Diese Möglichkeit des Abkehrens, bietet sich bei weisellosen / drohnenbrütigen Völkern, die noch über viel Bienenmasse verfügen an, weil dabei das zum Fliegen zu schwere Drohnenmütterchen im Gras zurückbleibt.

Wenn gar alle Völker gesund, aber eher schwach sind dann gilt es abzuwarten und für eine gute „Kopfisolationsschicht“ zu sorgen! Schwache Völker gut einengen und das Flugloch eng halten!

Die Durchlenzung:

Ungefähr drei bis vier Wochen nach der Weidenblüte (Ende März – Anfang April) schlüpfen sehr viele Bienen – > die „Durchlenzung“ geht von statten! 

Der Bien wird wieder stärker. Es schlüpfen mehr Bienen als „alte Winterbienen“ wegsterben und so hat die neue Generation Bienen plötzlich nicht mehr im eingeengten Bienensitz Platz. Meine Erfahrung ist das durch das/die Trennschied/e mit Reflektor Folie das Brutnest oft schon bis an die Reflektorfolie ragt. Ideal ist, wenn diese der Reflektorfolie zugewandte Brutwabe mind. zur Hälfte bebrütet ist.

Die Bienen sitzen nun hinter dem Trennschied/en und wärmen dort die nächste/n Wabe/n mit dessen Futter an. Je nach Wetter und Futterfluss (Nektar- und Polleneintrag) von außen erwacht dann im Bienenvolk der Bautrieb (oft zur Zeit der Kirschblüte). Erst jetzt und mit entsprechendem Fingerspitzengefühl in Bezug auf den Wetterbericht können die ersten Erweiterungsschritte getätigt werden! 

Erweiterungsschritte:

Bei stark ausgewinterten und vorauseilenden Bienenvölkern können erste Erweiterungsschritte vorgenommen werden. Dass Erweiterungsschritte nötig werden zeigt sich auch, wenn von unten durch den kurz geöffneten Gitterboden auf den Bien geschaut wird. Zeigt sich dabei ein dicht durchhängendes Bienenvolk – Bienenbauch, kann erweitert werden. Hat so ein Bienenvolk 4-5 Brutwaben (Zander, DNMF, CH-Format), oder 3-4 Brutwaben (Dadant), und sitzt es schon wie vorher erwähnt hinter dem Reflektorschied kann dieses, weiter seitlich gesetzt werden oder es kann eine Mittelwand oder „Brünette“ schon einmal bebrütete Wabe (ideal mit Futterkranz) dem Brutnest seitlich zugehängt werden. Bei der ersten Erweiterung bevorzuge ich eine brünette Wabe mit sattem Futterkranz. 

Wird mit Mittelwänden erweitert werden diese an die Randbrutwabe gehängt. Immer an das, und niemals in das Brutnest! Das Brutnest darf nie, in seiner Integrität zerrissen oder gestört werden! Läuft alles optimal kann bei gutem Setting/Verhältnissen bei starken Völkern nach 10-14 Tagen eine weitere Brutnesterweiterung folgen.

Der Baurahmen als Instrument der „Varroafalle“ und zur Schwarmvorbeugung (Schwarmbarometer) soll in der nächsten Monatsanweisung Erwähnung finden.

Bei solchen Erweiterungsschritten empfiehlt es sich immer einen Blick auf die Wettervorhersage der nächsten Tage zu machen!

Meines Erachtens kann man im März den Bien nicht zu eng halten! Bei gut besetztem engem Raum profitiert zu diesem Zeitpunkt die zu versorgende Brut. Die Folge ist eine hohe Aufzuchtqualität der heranwachsenden Bienen diese werden dadurch mit einer entsprechenden Langlebigkeit ausgestattet. Wenn es die Bienenmasse zulässt wird die Königin so viel „Druck“ ausüben, und das Trennschied überwinden und hinter diesem weiterbrüten. Hat der Bien eine solche Entscheidung getroffen dann weiß der/die ImkerIn das zu spät erweitert wurde. In diesem Fall wird das Trennschied gezogen in weiterer Folge der Stärke des Biens entsprechend weiter außen wieder gesetzt. Die Brutwabe/n durch heran rücken ins bestehende Brutnest integriert. 

Bei starken Bienenvölkern erfolgt die letzte Brutnesterweiterung in den ersten Apriltagen – dann ist man auf gutem Wege zum ersten Honigeintrag.

Nach voller Brutraumentwicklung und um auch ertragreich zu Imkern gelten die Lehrsätze:

„Herrscht Tracht und Futterfluss von außen vor, dann wird Honig gemacht!“

„Ist keine Tracht und kein Futterfluss von außen (Trachtlücke), dann wird Brutraum entwickelt“. 

Wieviel Raum benötigt der Bien?

Um diese Frage beantworten zu können muss das „Legevermögen“ der Königin, der Bienenstandort = Pollen- und Futterfluss = Bienenweide, sowie die Witterung, also der „Gesamtkontext“ im Jahresverlauf herangezogen werden. Im Normalfall werden je nach Wabenformat, 7-8 Brutwaben Zander, DNMF, CH-Format, oder ähnliches Wabenformat und 5-6 Brutwaben Dadant zur vollen Brutentwicklung ausreichen. In Ausnahmefällen kann es eine Wabe mehr sein. Arbeitet man mit einem sehr großen Wabenformat wie etwa Dadant, so kann entweder eine Mittelwand oder der Baurahmen hinter das Schied gehängt werden. Baut der Bien hinter dem Schied an dieser Mittelwand /Baurahmen so entscheidet er selbst, ob er noch einen „Abschnitt“, Raum benötigt.  

Meine Gedanken zum: „Zu frühen Erweitern/Aufsetzen“:

Ich teile die Meinung mancher Imker KollegInnen nicht, dass so früh wie möglich Erweiterungsschritte gesetzt werden sollen, um dem Schwarmtrieb Vorhalt zu geben. Natürlich geht die Entwicklung des Biens durch die voll erblühte Natur und das Überangebot an Pollen und Nektar im April rapide voran, aber nochmals sei erwähnt, im März und April gilt, „im Brutraum je wärmer, desto besser“! Wärme ist ein elementares Bedürfnis des Biens! Wir leben im Alpenraum – Achtung auf Kälterückschläge!

Übrigens, bei meinen Hinterbehandlern kann ich zu jedem Zeitpunkt (Tagesaktuell) ohne die Beute zu öffnen, den Entwicklungsstandes des Biens beurteilen und entsprechend handeln!

Von der „imkerlichen Geduld und Gelassenheit“

Imkerliche Eingriffe in den Bien sollten, wenn nötig, wie schon erwähnt, zum richtigen Zeitpunkt gesetzt werden!

Dabei geht es darum Nahe beim Bien zu sein, ihn gut zu beobachten, sich mit ihm auseinanderzusetzen, ihn zu „lesen“, von ihm zu Lernen – und ja, letztlich geht es darum eine Art Beziehung zum Bien auf zu bauen – Beziehungen entstehen nicht durchs „Hudla und Schnell-Schnell“ zwischen dem Bien und dessen „Bienenvater“. Oft ist dabei Muse, als auch die imkerliche Geduld und Gelassenheit gefordert.

Ich meine es braucht mehr von der erwähnten Ingredienz bei der Führung des Biens. Geduld und Gelassenheit ist eine rare Zutat in unserer schnelllebigen Zeit. Gut dosiert hilft sie uns aber sehr den richtigen Zeitpunkt für Eingriffe zu finden.

Zu viel davon, und das „Gericht“ schmeckt etwas schal nach Teilnahmslosigkeit. Aber Hand aufs Herz, wann haben wir das letzte Mal „zu gelassen“ auf ein „Signal/Situation“ aus dem Bienenvolk und dessen Umfeld reagiert?  Wohl kaum!?

Und wenn, dann muss der/die ImkerIn, im schlimmsten Fall die Leiter und Schwarmkiste holen gehen😊. Im schlimmsten Fall?  Bienen vermehren sich übers Schwärmen. Vereinzelt muss/darf dieser Erneuerungsprozess – Geburtsvorgang, in meiner Imkerei genauso seinen Platz haben!

Zu wenig der Ingredienz treibt uns zu verfrühten oft unreflektierten Eingriffen, die dem Bien weh tun und für kurzlebige und besonders schwarmlustige Bienen sorgen. 

„Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“, sagt ein afrikanisches Sprichwort, und mahnt damit ebenso zur Geduld und Gelassenheit. 

Fazit: Mir ist lieber ein proper mit Bienen gefüllter Brutraum der überquellt und mit Pheromon reicher Bienenstockluft (Nestduftwärmebindung) gefüllt ist, der dabei dem Bien warm – beisammen und gesund hält, als ein zu früh aufgesetzter Honigraum, der gar nicht angenommen wird, den Bien bei Kälterückschlägen vom Wärmemanagement stresst oder gar überfordert und die Gesundheit des Gesamtorganismus gefährdet. 

Durch zu frühe Raum Gabe und Überforderung des noch nicht erstarkten Biens nimmt man ihm ein Teil seiner Selbstheilungskraft. Diese nimmt umso stärker ab, je mehr Bienen mit Arbeiten außerhalb des zu wärmenden Brutnestes beschäftigt sind. Besonders in diesem Zeitraum kann es dadurch zum Ausbruch von Brutkrankheiten kommen.

Etwas mehr Geduld und eine Prise Gelassenheit schadet dem Bien weniger als zu wenig davon! 

Wie die Zufriedenheit die kleine Schwester des Glücks ist, so ist die Geduld und Gelassenheit die große und abgeklärte Schwester des besonnenen Imkers. Sie schafft, so meine ich eine ruhige, bedachte/besonnene Arbeitsatmosphäre, um zeitgerecht das Richtige zu tun. 

Kurzum: Sie hilft uns nicht nur bei der Imkerei, sondern auch zur Coronazeit und in jeder Lebenslage😊!

Vorschau auf den April / Vollfrühling

  • Der Vollfrühling wird durch die Apfelblüte angezeigt.
  • Das „Große Blühen“ beginnt.
  • Die Volksentwicklung geht rasant voran.
  • Der Bautrieb ist voll entfacht.
  • Eingriff = Ein- bzw. Durchsicht mit System.
  • Der Bau- Drohnenrahmen, Varroafalle und Schwarm- Stimmungsbarometer.
  • Der Honigraum.

Der Vollfrühling ist durch die Blüte von Apfel, Rosskastanie und Löwenzahn, später auch der Himbeere gekennzeichnet, bei mildem Wetter und beginnender Hauptblüte, geht es Schlag auf Schlag. Sind die eingehängten Mittelwände/Baurahmen ausgebaut und bestiftet sowie ist die Brutraumzarge voll mit Bienen besetzt und quilt über (durchhängender Bienenbauch) kann dann der erste Honigraum (Zarge) aufgesetzt werden. 

Wenn die Weide heuer wieder verfrüht blüht und von den Bienen genutzt werden kann, werden die Völker „in Schwung bleiben“ und bald schon, Mitte März mehr Brutzellen als Bienen haben. So wird sich auch die Durchlenzung früher als gewöhnlich einstellen.

Es bleibt wie jedes Jahr interessant und spannend!

Bleibt gesund!

Mit großer Vorfreude auf milde und warme Märztage und summende Bienen verabschiede ich mich 

euer Peter

Literaturtipp und Links: