Rückblick und Monatsbetrachtung März 2020

Durch meine Abwesenheit im Februar möchte und kann ich nicht zu sehr auf die vergangene Wettersituation – „Kapriolen“ eingehen. Stürmische, milde, aber auch kurze winterliche Phasen zeigten und zeigen sich im Februar. Wenn auch gerade jetzt, beim schreiben dieser Zeilen, eine winterliche der Jahreszeit entsprechende Phase vorherrscht, so muss trotzdem gesagt werden – der heurige Februar war wieder deutlich zu mild!

Der/die ImkerIn konnte die letzten zahlreichen milden Tage zum Einengen bzw. in die Mitte Rücken des „Bienensitzes“ nutzen.

Unsere Bienen nutzten die milden Februartage zum ersten großen Polleneintrag von der Hasel und den Frühblühern. 

Noch früher als letztes Jahr stellt sich heuer die Palm- Weidenkätzchen Blüte ein! War es im letzten Jahr, die letzte Februarwoche, so wurde heuer schon eine Woche früher der erste Beflug der Weide verzeichnet.

Entsprechend stark präsentieren sich zurzeit auch die Bienenvölker! Große Brutflächen benötigen viel Energie – bitte auf die Futterversorgung achten!

Die Bienenvölker im März:

Die Tageslänge nimmt zurzeit, täglich um knapp vier Minuten zu!

Somit verlängern sich auch die Sonnenstunden an jedem Tag, und auch die Kraft der Sonne (Sonnenstand nimmt zu) kehrt zurück. Unsere Bienen spüren dies natürlich auch! Von dem Mehr an „Tageslicht“ gesteuert und unabhängig von Pollen und Nektareintrag (Futterfluss) pflegen sie jetzt im März schon ein Brutnest, das zwei bis fünf Waben umfasst (bis zu Handteller groß) und brauchen nun bedeutend mehr Winterfutter! 

In brutlosen Wintermonaten benötigt ein Bienenvolk je nach Populationsgröße 1-1,5kg Winterfutter. Ende März mit dem voll angelaufenen „Brutgeschäft“ benötigt ein Bienenvolk pro Woche 1-1,5kg Winterfutter

Foto 1: „Wasserträgerinnen“ / Bienen bei der Schmelzwasser Aufnahme auf Hackschnitzel am 23.02.2019 15:30 Uhr

Bienen bevorzugen eher schmutziges Wasser, beispielsweise aus einer Pfütze, als klares Quellwasser. 

Frühjahrsdurchsicht  und „Einengen“:

Wie in der letzten Monatsanweisung erwähnt profitieren die Bienenvölker beim momentanen Entwicklungsstand und bei immer wiederkehrenden Kälterückschlägen, sehr von einer „Einengung“!

Durch das „Einengen“ und in die „Mitte rücken“ (Trennschied/e setzen) des Bienensitzes, an einem sehr milden März Tag (bei Sonnenhöchststand mind. +12 bis +15° Grad) lässt sich der von den Bienen besetzte und zu wärmende Brutraum eingrenzen und zeitgleich lässt sich der Futtervorrat (mind. 8-10 kg) sowie die Volksstärke überprüfen.

Ich bitte euch den möglichst kurzen Eingriff gut zu planen vorsichtig zu agieren (ohne Auslösung eines „Erdbebens“), um das Bienenvolk nicht zu lange zu stören. Wärmehaushalt! Keinesfalls sollte zu dieser Jahreszeit ein Bienenvolk komplett auseinandergenommen werden! 

Wird ein Volk mit wenig Futter gesehen lässt sich leicht eine Futterwabe von einem „gut gefüllten“ Volk mit viel Futter entnehmen und dem „Hungrigen“ zuhängen! Ist keine Futterwabe zum dazuhängen da, kann auch durch direktes auflegen eines flach gedrückten Futterteigfladen (etwas vorgewärmt ca. 0,5 – 1 kg) auf die Oberleiste des Bienensitzes „notgefüttert“ werden. Futterteig ist eher trocken, daher wäre Flugwetter für die Bienen, um Wasser zu holen bei dieser Notfütterungsmaßnahme günstig. Der Futtervorrat eines Volkes sollte nie unter 4-5 kg sinken. Daher früh genug Futterwaben zuhängen bzw. Notfüttern!

Durch Einengen hält sich am Bienensitz die Wärme besser (die Bienen haben eine kleinere „Stube“/Raum  die/der beheizt werden muss) die Volksentwicklung geht konstanter und gleichmäßiger von statten!

Je wärmer, desto besser!

Bei konstanter Bruttemperatur müssen die Winterbienen weniger „Aufheizarbeit“ leisten und bleiben dem Volk länger erhalten aber auch die heranwachsende „Neue Generation“ Frühjahrsbienen wird dadurch langlebiger! Je weniger stark sich die Winterbienen für das stark Lebenszeit verkürzende „Aufheizen“ des Brutraums aufzehren müssen, umso langsamer vollzieht sich deren Abgang im Frühjahr. 

Bei einem auf 36,5° C aufgewärmten Brutnest ist die Reproduktionsrate der Varroamilbe stark reduziert! Die Varroa mag kühlere Bruttemperaturen und höhere Luftfeuchtigkeit im Brutnest.

Ein an die entsprechende Volksstärke angepasster Brutraum ist über das gesamte Bienenjahr das „A+O“ für jedes Bienenvolk!

Fluglochbeobachtung /Kontrolle Volksstärke:

Selbst ungeöffnet lässt sich eine Einschätzung der Bienenvölker machen.

Durch eine für 8-10 Tage eingelegte Stockwindel lässt sich sehr gut die Volksstärke abschätzen! Dabei wird nach genanntem Zeitraum die Anzahl und die Länge der „Gemüllstreifen“ gesichtet und beurteilt. Auch durch das anheben des Deckels und einen kurzen Blick auf die Abdeckfolie sehe ich sofort wie viele Wabengassen besetzt sind und wie stark meine Bienenvölker sind. Die „Stärke“ wird auf der Stockkarte notiert!   

Ist es sonnig, mild und ein ruhiger emsiger Pollenflug zu beobachten dann ist sicher eine Königin im Volk vorhanden die auch schon fleißig Eier legt.

Foto 2: Emsiger  Flug , beobachtet am 15.02.2019 14:00 Uhr   
Foto 3: Dieses Bild wird sich bei kühlem und wechselnden aber doch sonnigem Wetter im März und April, „leider Gottes“ immer wieder einmal zeigen!  

Pollenbienen die Aufgrund einer Wolkenabschattung  „starr und klamm“ werden und am Flugbrett verenden.  Mit einem Windschutz kann  diesem Phänomen etwas entgegnet werden.  

Schwache Bienenvölker:

Dieses Phänomen, ist wiederum nach dem letzten milden und nicht enden wollenden Herbst wohl durch einen nochmalig angestiegenen Varroadruck bedingt – somit wurden diese Völker schon schwach eingewintert! 

Werden, bei der ersten Frühjahrsdurchsicht sehr schwache Völker entdeckt können diese:

Verstärkt – oder zur Verstärkung einem sehr starken Volk über dem Absperrgitter 3-4 Wochen aufgesetzt werden. Mit Hilfe der Ammenbienen von unten legt die aufgesetzte Königin wenn genügend Raum vorhanden ist, ein schönes Brutnest an. Der „Doppeldecker“ sollte aber bevor die ersten Drohnen schlüpfen, oder er gar in Schwarmstimmung gerät, wieder getrennt werden.

Hat so ein „Schwächling“ eine junge Königin und zeigt schönen Pollenflug, kann dieser durch zufliegen eines aufgelösten Volkes verstärkt werden. Dazu wird der Schwächling auf den alten Platz des aufzulösenden Volkes (z.B. weiselloses / drohnenbrütiges Volk) gestellt. Danach wird der „Weisellose“ gut 25m vom bestehenden Bienenstand weggetragen. Jetzt werden dessen Waben in die Wiese abgekehrt. Die abgekehrten Bienen fliegen zum gewohnten Standort zurück wo sie den jetzt an diesem Standort stehenden Schwächling verstärken. 

Diese Möglichkeit des Abkehren, bietet sich bei weisellosen / drohnenbrütigen Völkern an, weil dabei das zum Fliegen zu schwere Drohnenmütterchen im Gras zurückbleibt.

Wenn gar alle Völker gesund, aber eher schwach sind dann gilt es abzuwarten und für eine gute „Kopfisolationsschicht“ zu sorgen! Bei schwachen Völkern das Flugloch eng halten!

Tote Bienenvölker:

Tote Völker bitte sofort verschließen, um so einer Räuberei und Übertragung eventueller Krankheiten zuvor zu kommen. 

Wie ist das Volk um gekommen? Zur Ursachenforschung kann in weiterer Folge der Bienenwart oder ein erfahrener Imker beigezogen werden. Dieser informiert auch über die weiteren Hygienemaßnahmen an Beute und Waben. Siehe auch Monatsanweisung 02/2018.

Ursachenforschung hilft uns Fehler zu erkennen und zukünftig zu vermeiden. 

Die phänologischen Anzeiger des Vorfrühlings (Februar bis Anfang März), Frühblüher wie Haselnuss, Krokus, Schneeglöckchen, Märzenbecher, Winterling, Kornelkirsche usw. sind die ersten Impulsgeber und spenden vor allem Pollen. 

Ohne Pollen – geht nix!

Pollen ist der einzige Eiweißlieferant für die Honigbienen. Sind Nektar und Honigtau als Energielieferanten im Überfluss vorhanden – ohne Pollennahrung kann das Bienenvolk nicht überleben! Die Ammenbienen brauchen Pollen, um Futtersaft zu produzieren, mit dem die jungen Larven ernährt werden. Die älteren Larven brauchen Pollen für ihr Wachstum. Angehende Winterbienen brauchen Pollen um sich ein üppiges Eiweiß-Fett-Polster anzueignen. Alle erwachsenen Bienen brauchen Pollen, um Bienengift produzieren zu können.

Pollen sehen aus wie winzige, gefärbte Staubkörner. Sie können vielförmig und in den verschiedensten Farben erscheinen. Pollen ist in den Staubbeuteln einer Blüte eingeschlossen und selbst für das „geschickteste“ Insekt der Welt ist es unmöglich, puren Blütenstaub einzusammeln und zu transportieren. Die Honigbiene setzt deshalb beim Pollensammeln eine Reihe von Tricks ein.

Mit etwas Honig als „Treibstoff“ in ihrem Honigmagen fliegt sie los und steuert die erste erfolgversprechende Blüte an. Während sie Nektar tankt, wird sie mit Blütenstaub eingepudert. Mit zwei speziellen Fersenbürsten bürstet sie den Pollen aus ihrem Haarkleid.

Danach vermischt sie die Pollenkörner mit etwas Nektar und formt daraus zwei Klümpchen.

Diese zwei Klumpen schiebt sie in zwei spezielle Vertiefungen – sogenannte Pollenkörbchen – an ihren Hinterbeinen. So entstehen während einer ausgedehnten „Blütentournee“ nach und nach dicke Pollenhöschen

In den Stock zurückgekehrt streift sie die bunten Höschen in einer brutnahen Zelle ab. Die Stockbienen stampfen den Pollen mit dem Kopf fest und überziehen ihn mit einer dünnen Schicht Honig, der als Konservierungsmittel dient. 

Foto 4: Die Weidenblüte „puscht“ unsere Bienenvölker!

Zu Ende des Vorfrühlings und heuer bedingt durch den milden und sonnigen Februar früher als gewöhnlich, steht der erste (heuer somit der zweite) große „Motor“ – die Weidenblüte an! Durch die Weidenblüte und mildere Temperaturen erweitert das Bienenvolk sein Brutnest massiv und braucht dabei 1 bis 1,5 kg Winterfutter pro Woche. 

Das meiste Winterfutter wird im März/April verbraucht. Deshalb muss im zeitigen Frühjahr besonders bei den stärkeren Völkern darauf geachtet werden, dass sie nicht an Futtermangel leiden! 

Der Erstfrühling äußert sich durch die Blüte von Forsythie, der Blattentfaltung von Stachel- und Johannisbeere, später der Blüte von Kirsche, Pflaume und Birne, von Schlehdorn und Ahorn. Ungefähr drei bis vier Wochen nach der Weidenblüte (Ende März – Anfang April) schlüpfen sehr viele Bienen – > die „Durchlenzung“ geht von statten! 

Das Bienenvolk wird wieder stärker. Es schlüpfen mehr Bienen als „alte Winterbienen“ wegsterben und so hat die neue Generation Bienen plötzlich nicht mehr im eingeengten Bienensitz Platz.

Die Bienen sitzen nun hinter dem Trennschied/en und wärmen dort die nächsten Waben mit dessen Futter an. Je nach Wetter und Futterfluss (Nektar- und Polleneintrag) von außen erwacht im Bienenvolk der Bautrieb (oft zur Zeit der Steinobstblüte). Erst jetzt und mit entsprechendem Fingerspitzengefühl in Bezug auf den Wetterbericht können die ersten Erweiterungsschritte getätigt werden! 

Dass Erweiterungsschritte nötig werden zeigt auch ein durchhängendes Bienenvolk (Bienenbauch). Hat so ein Bienenvolk fünf bis sechs oder mehr Brutwaben kann je nach Volksstärke das/die Trennschied/e weiter seitlich gesetzt werden oder es können ein bis zwei Mittelwände oder der Baurahmen eingehängt werden. Mittelwände werden von mir immer zwischen der Randbrutwabe und der nach außen folgenden Pollenwabe eingehängt. An das, und niemals in das Brutnest! Das Brutnest darf nie, in seiner Integrität zerrissen oder gestört werden!

Der Baurahmen als Instrument der „Varroafalle“ und zur Schwarmvorbeugung (Schwarmbarometer) soll in der nächsten Monatsanweisung Erwähnung finden.

Bei solchen Erweiterungsschritten empfiehlt es sich überhaupt immer einen Blick auf die Wettervorhersage der nächsten Tage zu machen.

Ich teile die Meinung mancher Imker KollegInnen nicht, dass so früh wie möglich Erweiterungsschritte gesetzt werden soll, um dem Schwarmtrieb Vorhalt zu geben. Natürlich geht die Entwicklung der Bienenvölker durch die voll erblühte Natur und das Überangebot an Pollen und Nektar im April rapide voran, aber nochmals sei erwähnt, im März und April gilt, „im Brutraum je wärmer, desto besser“!

Blick voraus:

Der Vollfrühling ist durch die Blüte von Apfel, Rosskastanie und Löwenzahn, später auch der Himbeere gekennzeichnet, bei mildem Wetter und beginnender Hauptblüte, geht es Schlag auf Schlag. Sind die eingehängten Mittelwände/Baurahmen ausgebaut und bestiftet sowie ist die Brutraumzarge voll mit Bienen besetzt (durchhängender Bienenbauch) kann dann der erste Honigraum (Zarge) aufgesetzt werden. 

Wenn die Weide heuer verfrüht blüht und von den Bienen genutzt werden kann, werden die Völker „in Schwung bleiben“ und bald schon, Anfang März mehr Brutzellen als Bienen haben. So wird sich auch die Durchlenzung früher als gewöhnlich einstellen.

Es bleibt nach diesem milden Winter sehr interessant und spannend!

Mit großer Vorfreude auf milde und warme Märztage und summende Bienen verabschiede ich mich 

euer Peter