Rückblick und Monatsbetrachtung Juni 2020

War der vergangene April schon „maienhaft“, so ließen frühsommerliche Temperaturen bis hin zum heurigen Muttertag (10. Mai) unsere Bienen das Trachtangebot des späten Frühjahrs redlich „ausschöpfen“. Noch blüht in mittleren Höhenlagen der Bärlauch, im Rheintal verschiedenste Blumen in Gärten/Parkanlagen aber auch Bäume wie Akazien, Kastanien und andere strauchartige Gewächse, so etwa der Hartriegel, diese decken derzeit den Tisch unserer Bienen. Die Eisheiligen hielten sich heuer auf den Punkt, an den Kalender! Exakt vom 12.05 – 15.05. legte sich eine feucht-kalte Luftströmung über Mitteleuropa. Ab 16.05. stellte sich durch Hoch Quirinius wieder mildes Wetter ein, das bis zum 23.05. anhielt und durch Tief Gudrun „weggeblasen“/“weggeregnet“ wurde.

Heuer darf aber nicht geklagt werden! Grobe Kälterückschläge mit Schnee bis ins Tal wie im letztjährigen Mai blieben bisher aus.

Der bisherige milde Frühling und die dynamische Volksentwicklung sowie das bevorstehende Ende des „großen Blühens“ (Trachtlücke), wird uns wohl eher noch so manche Schwarmgeschichte bescheren. Beim Schreiben dieser Zeilen wird nach Tief Gudrun wieder mildes aber etwas wechselhaftes Wetter angesagt.

Die folgenden Fotos sind von meinem Freund Herwig Peter aus Altach, diese möchte ich euch nicht vorenthalten. Er „schoss“ sie bei dessen Blühstreifen im Garten.

Neues von den Honigtauerzeugern am Nadelholz:

Wie in der letzten Monatsbetrachtung erwähnt erscheint mir eine Wald/Honigtautracht von der Fichte in niederen Lagen im mittleren Rheintal heuer eher unwahrscheinlich. Wie erwähnt ist der vegetative Austrieb zu linear und kontinuierlich sowie der Mangel an Nässe (stockende Kälterückschläge) zu gewichtig so dass noch eine Lachnidentracht entstehen könnte. In Höhenlagen lassen sich Populationen der rotbraun gepuderten Fichtenrindenlaus (geflügelte Tiere mit Filiae1 – Filiae 2) finden, und lassen noch auf etwas Honigtau hoffen.

Bezüglich der Weißtannentracht ist es noch zu früh eine exakte Einschätzung abzugeben da eine Weißtannentracht sich zeitlich nicht so sehr an den Kalender hält wie eine Fichtentracht. Wenn vorhanden sind derzeit nur Stammmütter oder Filiae 1. der grünen Tannenhoniglaus vorhanden und Folgegenerationen mit ergiebiger Honigtauproduktion erst ab Ende Juni zu erwarten. Jedoch dann, kann eine Honigtautracht von der Weißtanne bis in den September andauern.

Trotzdem lohnt es sich immer in Gebieten in denen eine Honigtautracht durch die Fichte und Weißtanne im Sommer möglich ist, nach bienenwirtschaftlich wichtigen Honigtauerzeugern zu gucken. Wer beobachtet weiß zumindest Bescheid.

Die Trachtlücke schleicht sich an … als StandimkerIn in niederen Lagen warten auf was? Honigtau vom Blattholz? Oder so wie letztes Jahr – Lindenblütennektar? Phänologisch befinden wir uns im Frühsommer – der Holunder blüht. Durch das aufblühen der Linde wird dann der Hochsommer angezeigt.

Die Honigtau der Linde (Heuer früh).

Foto 4: Lindenblütenknospen noch einige Zeit vor dem aufblühen, fotografiert am Samstag den 23.05.2020 um 11:30 Uhr in Dornbirn Hatlerdorf. Die Blätter und Knospen dieser Linde waren von oben bis unten stark mit Honigtau verspritzt, sodass starker Beflug durch Bienen zu beobachten war!
Foto 5: Blattlaus (Lindenzierlaus) – Eucallipterus tiliae, sie ist für den Honigtau auf der Linde verantwortlich. Quelle: www.lko.at/media.php? filename=download%3D%2F2016.07.08%2F14679705857918.pdf&rn=Die%20Linde%20- 20Pl%E4doyer%20f%FCr%20einen%20Bienenbaum.pdf / Zugriff 23.05.2020 um 22:00 Uhr

Im letzten Jahr hat sich gezeigt wenn gewisse Wetterkonstellationen und wiederum alle Faktoren zusammen passen kann die Linde zu einem großartigen Trachtangebot werden!

Wenn wir uns zurück erinnern war der letztjährige Mai extrem kalt (der kälteste seit 30 Jahren) und vor allem sehr reich an Regen. Die Futterreserven unserer Bienenvölker waren nahezu aufgebraucht und es musste mit Futterwaben oder andersartig ausgeholfen werden. Dann kam aber der Juni. Dieser war der wärmste seit es Wetteraufzeichnungen gibt! So blühten die Linden und durch die feuchten Böden „stand jede Linde, im Feuchten“! Und Linden müssen feucht stehen dass sie reichlich Nektar produzieren und so zur üppigen Nektarquelle werden. So konnte letztes Jahr, je nach Standort, sortenreiner Lindenblütenhonig geerntet werden. Dadurch das Linden als Nektar- und Honigtauspender zu einer Zeit blühen (je nach Art im Juni-Juli) in der oftmals gerade im Rheintal eine große „Trachtlücke“ herrscht, sind sie als Nahrungsangebot für unsere Bienen sehr willkommen.

Also, meine letzten Zweifel zur Qualität der Linde als Trachtpflanze wurden letztes Jahr zerstreut!

Wer mehr über diesen wertvollen Sommer-Bienen-Baum wissen möchte, dem lege ich das von Peter Frühwirth verfasste Werk, „DIE LINDE Plädoyer für einen Bienenbaum“, ans Herz. Hier erfährt man nicht nur wissenswertes über die verschiedenen Arten der Linde, Nektar- und Honigtau sondern auch vieles über die heimatkundliche und geschichtliche Bedeutung dieses Baumes. www.lko.at/media.php?filename=download%3D%2F2016.07.08%2F14679705857918.pdf&rn=Die%20Linde%20-%20Pl%E4doyer%20f%FCr%20einen%20Bienenbaum.pdf

Die Bienenvölker im Juni / Volksentwicklung:

Das Bilden und Pflegen von Jungvölkern, steht neben der Honigernte, Schwarm- Kontrolle und/oder Fang, im Mittelpunkt der imkerlichen Arbeit im Juni. Der Juni ist durch das „Überquellen“ unserer Bienenvölker mitunter sehr arbeitsintensiv und auch sehr abwechslungsreich. Auch im Juni richten sich die imkerlichen Tätigkeiten nach Witterung, Wetter und Trachtverlauf.

Das große Blühen ist vorbei und das milde April- und Maiwetter war / ist „Nährboden“ und Grundlage für so manche „Schwärmerei“☺. Viele von euch können heuer ein Lied davon singen☺!

Die meisten WanderimkerInnen haben ihre Völker schon auf den entsprechenden Außenstellen platziert und hoffen auf gutes Flugwetter, sowie Nektar und Honigtau vom Nadel- oder Laubholz!

Größere Imkereien müssen sich jedes Jahr natürlich auch mit der Königinnenzucht auseinander setzen. Warum eigentlich nicht auch kleinere Imkereien?

Bei der Königinnenzucht kann viel über den Organismus „Bien“, dessen Physiologie und „Denke“ dazugelernt werden!

Ich möchte hier die Vorzüge junger Bienenköniginnen vorstellen und warum es sich lohnt regelmäßig junge „Mädels“ ins „Rennen“ zu schicken.

  • Junge Königinnen schwärmen seltener.
  • Junge Königinnen bauen vitale / starke Völker auf.
  • Junge Königinnen zeigen meist mehr Dynamik während der Frühjahrsentwicklung.
  • Und ehrlich! – Bei aller Liebe zur Imkerei wollen wir nicht auch im Hobbybereich wirtschaftlich imkern, also Honig ernten?

Übrigens heuer ist Königinnenzeichenfarbe blau.

Gelee Royale, der Saft der Königinnenmacht:

Man könnte sagen Gelee Royal ist eine Art „Zaubertrank“, vorwiegend Ammenbienen zwischen dem 6. und 16. Lebenstag können diesen säuerlichen, perlmutartigen Saft aus ihren Schlunddrüsensystem produzieren. Dieser Aminosäurencocktail enthält nebst Eiweiß auch noch Wasser, Zucker, mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Hormone sowie hormonähnliche Stoffe, antibiotische Substanzen, Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine.

Es ist wohl eines der großen Wunder/Geniestreich im Bienenvolk, das die Zusammensetzung des Futters entscheidet, ob aus einer weiblichen Bienen Larve eine Arbeitsbiene oder eine Königin entsteht. Bis zum dritten Larventag erhalten alle jüngsten Maden (Drohnen, Arbeiterin, Königin) ausschließlich Gelee Royale.

  • Erhält eine befruchtete Jungmade ab dem dritten Larventag zusätzlich Honig und Pollen, dann wird aus ihr eine Arbeitsbiene.
  • Larven aus unbefruchteten Eiern werden gefüttert wie Arbeiterinnenlarven und entwickeln sich zu Drohnen.
  • Nur dadurch, dass eine befruchtete Jungmade ausschließlich mit Gelee Royale gefüttert wird, entscheidet dass eben aus einem befruchteten Ei – innerhalb 16 Tagen – eine Bienenköniginentsteht.

Dieser Zaubertrank macht es unseren Bienen möglich, bei Verlust der Königin eine neue Weisel heranzuziehen.

Einzige Voraussetzung dafür ist: Es müssen jüngste Larven (maximal einen Tag alt) vorhanden sein. Füttern unsere Bienen diese jüngsten Larven mit Gelee Royale so entstehen vollwertige Jungköniginnen. Gelee Royale ist nicht nur verantwortlich für das rasche Wachstum der Weisellarven es bewirkt auch als Weiselnahrung die bemerkenswerte Legeleistung und Lebensdauer einer vollwertigen Bienenkönigin.

Foto 6: Junge Könniginnenlarven, schwimmen im Gelee Royale. Gesehen und geerntet am 17.05.2020 bei einer Völkerdurchsicht an meinem Heimbienenstand.

Je nach Trachtangebot erreicht die Legetätigkeit der Königin im Juni ihren Höhepunkt. Nach der Tagkehre (21.06., kürzer werdende Tage) nimmt deren Aktivität wieder ab, was nicht heißt das die Volksstärke sogleich abnimmt. Der Höhepunkt des „Bienenschlupfs“ erfolgt trachtbedingt, meist zeitversetzt um ca. 2-3 Wochen später, etwa Mitte Juli.

Bei guter Tracht werden Mittelwände und der Bau- bzw. Drohnenrahmen immer noch schön ausgebaut, wobei letzterer oftmals nicht mehr von der Königin bestiftet wird. Er wird bei guter Tracht als Honigwabe angesehen und mit solchem befüllt.

Varroakontrolle:

Spätestens nach der Tagkehre gilt es unserem „Feind“ und stetigen Begleiter auf der Stockwindel und bei den Tätigkeiten am Volk, wieder mehr Aufmerksamkeit zu Schenken. Milbenzählen ist wieder angesagt!

Als Faustregel kann gesagt werden:

Jede täglich spontan abgefallene Varroamilbe kann mit dem Faktor 300 multipliziert werden. Dies hieße bei 10 spontan abgefallenen Milben befinden sich 3000 Milben im Stock – hoher Varroadruck Alarmstuferot

Grosses Augenmerk gilt es auf die stärksten Wirtschaftsvölker zu legen! Sie hatten/haben den größten „Brutumsatz“ und die meisten Generationen Bienen produziert und somit auch den höchsten Varroadruck!

Der heurige sehr milde Winter und somit frühe Brutstart (Jänner) ist sicher auch ein negativer Aspekt hinsichtlich Varroadruck! Durch regelmäßige Drohnenbrutentnahmen kann bzw. konnte etwas von diesem Varroadruck reduziert werden und der/die ImkerIn gewinnt Zeit.

Honigernte:

Honig besteht im Wesentlichen aus verschiedenen Zuckerarten, insbesondere aus Fructose und Glucose sowie aus organischen Säuren, Enzymen und beim Honigsammeln aufgenommenen festen Partikeln. Die Farbe des Honigs reicht von beinahe farblos bis dunkelbraun. Er kann von flüssiger, dickflüssiger oder ganz bis teilweise kristalliner Beschaffenheit sein. Die Unterschiede in Geschmack und Aroma werden vom jeweiligen botanischen Ursprung bestimmt.

Quelle: www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20003174

Honig muss „reif“ sein!

Grundsätzlich ist Honig reif, wenn ihn die Bienen verdeckelt haben. Dann wurde im Regelfall der Wassergehalt des Honigs von den Bienen soweit gesenkt, dass der Honig haltbar ist und im Lagergefäß nicht zu gären beginnt. Honig sollte daher aus zu mindestens 2/3-tel verdeckelten Waben (Sichtprüfung) geerntet werden. Honig sollte nach einem Regentag, wenn möglich vormittags unter sehr sparsamen Raucheinsatz (Honig zieht Gerüche), geerntet werden um dem laufenden Nektareintrag des Tages („frischer Eintrag“) zu entgehen. Zügiges Arbeiten und die sofortige bienendichte Lagerung entnommener Waben tragen dazu bei, Rauch zu sparen und eine Räuberei zu vermeiden!

Sind noch offene Wabenbereiche vorhanden kann durch eine Spritzprobe der Reifegrad dieses Honigs beurteilt werden. Dabei dreht man die entsprechende Wabe in die Waagerechte (die offenen Zellen zeigen nach unten) und schüttelt diese ruckartig über der offenen Zarge. Bleibt der Honig in den Zellen, ist der gewünschte Reifegrad erreicht.

Durch eine Refraktormettermessung aus dem Randbereich der entsprechenden Wabe lässt sich der Wassergehalt des Honigs exakt überprüfen!

Honigwaben sollten möglichst am gleichen Tag geschleudert werden, denn Honig zieht nicht nur Gerüche sondern auch Wasser (Luftfeuchte) an.

Honig mit einem Wassergehalt unter 18%, sauber, trocken, unter 16° Grad und dunkel gelagert ist über mehrere Jahre haltbar. Ein hoher Zuckergehalt und die Zugabe von Enzymen im Bienenspeichel wirken wachstumshemmend und verhindern das Gedeihen von Mikroorganismen.

Die österreichische Honigverordnung schreibt zudem vor, dass der Wassergehalt des Honigs (der in Verkehr gebracht wird) nicht über 20% liegen darf!

Nicht nur der Inhalt eines Honigglases muss bestimmte „Kriterien“ erfüllen, auch außen auf dem Honigglas muss Honig entsprechend deklariert werden. Unter folgendem LINK. der AGES sind die gesetzlichen Bestimmungen der Honigkennzeichnung/Etikettierung angeführt.

www.ages.at/download/0/0/a012c03df2558a5fc365f4edf39b8ddd495e44b9/fileadmin/ AGES2015/Themen/Lebensmittel_Dateien/Musteretiketten_Honig_und_Honig_mit_Zutaten.pdf

Sehr wichtig ist, dass immer noch genügend Futtervorrat für mindestens 2-3 Wochen in den Völkern verbleibt um eine ausreichende Futterversorgung bei längeren Trachtpausen zu gewährleisten!

Der Ernteprozess kann herkömmlich durch abkehren der Honigwaben oder durch das einbringen der „Bienenflucht“, die am Tag vor der Schleuderung gegen das Absperrgitter getauscht wird vollzogen werden. Entnommene Waben sollten durch ausgeschleuderte Leerwaben oder Mittelwände ersetzt werden.

Foto 7. vom 03.05.2018 / Der Wassergehalt des Honigs dieser Waben lag bei 14,5%! „Imkerherz was willst du mehr“!

Aufgrund unserer erneuten Vereins- „Königinnenaktion“; Sektionierung von unbegatteten Jungköniginnen möchte ich nachstehend nochmals die Vorteile, das Grundprinzip, sowie das Vorgehen bei der Bildung eines Kehrschwarmes erläutern.

Kunst- oder Kehrschwarmbildung: (Fegling) Vorteile

  • Kehrschwärme können ohne größere Vorbereitungszeit gebildet werden.
  • Neue Königinnen werden nahezu hundertprozentig angenommen.
  • Kehrschwärme auf Mittelwänden eingeschlagen; haben somit neuen Wabenbau.
  • Durch die Trennung von Bienen und Brut eignet sich der Kehrschwarm auch zur Sanierung von Völkern mit Brutkrankheiten.
  • Ein Umstieg auf ein anderes Wabenmass wird durch die Völkervermehrung mittels Kehrschwarm ebenfalls erleichtert.
  • Weiterhin wird durch den brutfreien Zustand eine Varroabehandlung mit Milch- oder Oxalsäure ermöglicht.

Grundprinzip:

Neben der klassischen Ablegerbildung mittels Brutwaben besteht noch die Möglichkeit das Schwarmgeschehen nachzuahmen.

Ein Naturschwarm besteht vorwiegend aus Flugbienen und einer Königin. Die Bienen haben sich auf das Schwarmgeschehen vorbereitet, indem einige Tage vorher die Wachsdrüsen aktiv werden und teilweise sogar Wachsschüppchen vorproduziert werden. Unmittelbar vor dem Schwarmgeschehen wird die Honigblase noch mit Honig als Futtervorrat gefüllt.

Diese beiden Besonderheiten müssen bei der Kunstschwarmbildung berücksichtigt

werden, indem der Kunstschwarm 3 Tage in Kellerhaft kommt, damit die Wachsdrüsen aktiviert werden. Der Kunstschwarm muss gefüttert werden, da die Bienen keine Möglichkeit hatten, ihre Honigblase zu füllen.

Ausnahmen hiervon gibt es im Zusammenhang mit der Faulbrutsanierung.

Bei der Kehrschwarmbildung werden die Bienen von den Waben getrennt, in eine neue Beute gegeben und veranlasst neue Waben zu bauen.

Benötigte Gerätschaften:

  • Kehrschwarmkiste

Eine Kehrschwarmkiste ist nicht an ein besonders Maß gebunden, es ist nur wichtig, dass diese mehrere große Lüftungsflächen aufweist.

  • Einfüllhilfe

Ein Einfülltrichter oder eine Einfüllschütte erleichtern das Füllen der Kehrschwarmkiste. Bei manchen Kehrschwarmkisten ist die Schütte bereits in der Kiste integriert.

  • begattete Jungkönigin

Kehrschwärme werden bevorzugt mit begatteten Königinnen erstellt, bei unbegatteten Königinnen besteht noch das Risiko, dass die Königin während des Begattungsfluges verloren gehen kann.

  • Zusetzkäfig

Verwendet werden können zum Beispiel ein Königinnenversandkäfig oder andere geläufige Zusetzkäfige.

  • Beute

Für den Kehrschwarm wird ein Boden, eine Zarge mit Mittelwänden, Futtertasche oder eine andere geeignete Fütterungsmöglichkeit sowie ein Deckel benötigt.

  • Standplatz

Weiterhin wird ein eigener Jungvölkerstand benötigt, der mindestens 3 km Abstand zum Platz von dem die Bienen stammen, haben sollte.

Foto 8: Einige Geräte die zur Kehrschwarmbildung benötigt werden.

Bildung des Kehrschwarms Bienen entnehmen:

Bienen (ideal von mehreren Völkern) werden in eine Kehrschwarmkiste gestoßen oder gefegt. Ist auf den Waben frisch eingetragener Nektar, darf nicht gestoßen sondern muss abgekehrt werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass zu viele Bienen durch den rausspritzenden Nektar verklebt werden. Es können und sollen Bienen aus dem Honigraum aber auch dem Brutraum abgekehrt werden, da dadurch eine gleichmäßigere Altersverteilung vorliegt.

Wird mit Absperrgitter geimkert, ist die Gefahr eine Königin mit abzufegen sehr gering. Bei der Bildung im Mai/ Juni werden etwa 1,5 kg Bienen benötigt. Wird der Kehrschwarm erst im Juli erstellt muss die Stärke auf etwa 2,5 kg erhöht werden.

Den gebildeten Kehrschwarm schattig bzw. kühl stellen.

Königin zugeben:

Nach spätestens 2 Stunden setzt die Weiselunruhe ein und der Kehrschwarm beginnt zu brausen (heulen). Falls dies nicht der Fall ist, wurde eine Königin mit abgefegt! Die zuzusetzende Königin wird ca. 2 Stunden nach der Bildung (Weiselunruhe) in einem fest verschlossenen Zusetzkäfig in oder auf den Kehrschwarmkasten (Gitter) gehängt/gelegt. Innerhalb weniger Minuten hört das Brausen auf und es bildet sich eine Bienentraube um die zugehängte Königin.

Kellerhaft:

Anschließend wird der Kehrschwarm in Kellerhaft (kühl und dunkel) gebracht. Der

Kehrschwarm bleibt dabei 3 Tage in Kellerhaft. In dieser Zeit muss der Kehrschwarm gefüttert werden. Ideal ist dabei eine Fütterung mit Flüssigfutter (Zuckersirup).

Einlogieren des Kehrschwarms (Feglings):

Hierzu wird eine leere Beute mit Mittelwänden und evtl. 1-2 ausgebauten unbebrüteten Leerwaben bestückt. Eine Futtertasche oder dosiertes Füttern mit Flüssigfutter stellt die Futterversorgung und eine stetige Entwicklung sicher. Das Einlogieren sollte gegen Abend, wenn der Bienenflug nachlässt, erfolgen. Zuerst werden in der neuen Beute Rähmchen entnommen und beiseite gestellt, um Platz für die Bienen zu schaffen.

In der speziellen Kehrschwarmkiste kann die Kehrschwarmtraube mit dem Deckel vorsichtig abgehoben werden und dann mit einem kräftigen Stoß in den geschaffenen Leerraum in der neuen Beute befördert werden. Die restlichen Bienen im Kehrschwarmkasten werden dann dazugekehrt oder dazugestoßen. Sollte der Kehrschwarm bereits in der Beute sein, wird diese einmal kurz und kräftig aufgestoßen damit alle Bienen am Boden liegen. Dann wird der Deckel abgenommen und die Mittelwände werden zugehängt.

Der Festverschluss des Zusetzkäfigs wird nun durch einen Futterteigverschluss ersetzt. Entweder wird der Zusetzkäfig zwischen die Mittelwände/Leerwaben gehängt, oder der Zusetzkäfig wird etwas schräg auf eine Wabe vorsichtig ins Wachs gedrückt. Dabei darauf achten, dass der Futterteig tiefer liegt. Dies verhindert, dass ein durch die Wärme weich werdender Futterteig über die Königin läuft.

Die Futtertasche mit Futterteig wird nun an den Bienensitz gerückt.

Weitere Versorgung:

Eine erste Kontrolle erfolgt frühestens eine Woche nach dem Einlogieren in die Beute, um die Weiselrichtigkeit zu kontrollieren. Die Futterversorgung muss ständig gewährleistet sein. Insgesamt muss mit etwa 15-20 Liter Futtersirup kalkuliert werden (inklusive Wintereinfütterung).

Dadurch, dass frühestens nach 21 Tagen die erste Brut zum Schlüpfen kommt, verliert der Kunstschwarm zuerst an Stärke. Erst danach nimmt durch den Schlupf der Jungbienen die Volksstärke wieder zu. Erweiterungen werden bevorzugt mit Mittelwänden vorgenommen.

In der nächsten Monatsanweisung werden thematisch die verschieden Verfahren zur Hauptentmilbung bzw. Sommerbehandlung, somit der Spätsommerpflege im Vordergrund stehen.

Doch bis dahin wünsche ich euch viel Spaß bei der Arbeit mit eueren Bienen, bleibt gesund und verbleibe mit Imkergruß, euer Peter