Rückblick und Monatsbetrachtung für Oktober 2020

Der September lässt häufig vergessen, dass er nicht mehr zum Sommer gehört, so auch heuer. Zwar beginnt der Herbst astronomisch erst am 22. September, wenn wir Tag- und Nacht-Gleiche haben, aber meteorologisch wird der gesamte Monat dem Herbst zugerechnet.

Ende August sorgte Tief Marlies 29.- 31.08.20 noch für üppigen Dauerregen, so dass sogar der Rhein wieder einmal ins Vorland schwappte!

Die Zeit danach ließ aber den Regen schnell vergessen. Nahezu drei Wochen „Altweibersommer“ mit Temperaturen bis zu 30° Grad, solch stabile Wetterphasen hatten wir den gesamten Sommer nicht!  Somit wird dieser September wohl auch zu mild und zu trocken werden. 

Obwohl, jetzt beim schreiben dieser Zeilen wird der erste vorwinterliche Gruß mit Schnee auf 1200m und deutlich kühleres (Wettersturz 25-26.09.20) Wetter über eine längere Periode angekündigt. Wir werden sehen wie es wird.

Kühleres Wetter kann uns und unseren Bienen nur recht sein. Siehe diesbezüglich im nachstehenden Beitrag.

Wie wirkt sich eigentlich das Wetter auf die Wintersterblichkeit von Bienenvölkern aus?

Die Gründe für schwankende Überwinterungsverluste von Bienenvölkern werden heiß diskutiert!

Als Hauptursache der Parasit Varroa-Milbe mit den Begleiterkrankungen (Viren), aber auch unzureichendes Nahrungsangebot und Umweltfaktoren wie Pestizide werden oft als todbringende Ursache genannt.

Aber wie steht es mit unserem Wetter?

Gibt es spezielle Wetterperioden die sich günstig oder ungünstig auf unseren Superorganismus „Bien“ auswirken? 

Die statistische Erhebung auf der Plattform bienenstand.at, versucht darauf Antworten zu finden.

Das sich Temperatur und Niederschlag direkt auf unsere Vegetation und die Sammeltätigkeit unserer Honigbienen auswirkt ist wohl klar. Somit beeinflussen diese Umweltbedingungen gravierend die Volksentwicklung. Mehr Brutzyklen bewirken somit direkt, auch mehr Entwicklungszyklen der Varroa-Milbe. 

Ebenso wirkt sich das Wetter (Temperatur und Luftfeuchtigkeit) auf die Wirksamkeit mancher Bekämpfungsmethoden aus.

Kälteperioden vor Weihnachten werden immer seltener, helfen aber einen natürlichen Brutstopp hervorzurufen, der dann gut zur Bekämpfung der Varroa-Milbe mit Oxalsäure genutzt werden kann.

Durch den Klimawandel ist in Zukunft zu erwarten, dass ein Teil der Bienenvölker während des Winters durchbrüten. Dies würde die Zeitspanne, in der sich die Varroamilbe in der Brut vermehren kann, auf das gesamte Jahr ausdehnen. Dadurch würde das Varroaproblem gravierend verschärft.

Ein moderat kühler September und Oktober bewirkt weniger Sammeltätigkeit, – weniger „Winterbienenverschleiß“, also auch weniger Brut- und „Varroamilbenumsatz“!  

Die durch eine gute Spätsommerpflege bewirkte Hauptentmilbung der Bienenvölker und die daraus resultierenden gesunden langlebigen Winterbienen können sich bei kühleren Herbsttemperaturen im Bienenvolk ihr Eiweißpolster anfressen, um sich auf den Winter vorzubereiten.

Somit wirkt sich eine kühle Frühherbstperiode positiv auf die Wintersterblichkeit unserer Bienenvölker aus!

Übrigens die Weichen für das winterliche Wohlergehen deiner Bienenvölker sind schon gestellt! 

„Sein oder nicht Sein“ entscheidet nicht die Glücksgöttin Fortuna sondern der umsichtige ImkerIn der bei der Spätsommerpflege sehr gewissenhaft war!

Die Bienenvölker im Oktober / Volksentwicklung:

Phänologisch befinden wir uns im Vollherbst! Vom Vollherbst spricht man wenn die Wallnüsse reifen. 

Abb. 1:  Quelle: https://www.mein-schoener-garten.de/gartenpraxis/nutzgaerten/phaenologischer-kalender-2496 / Zugriff 23.09.2020

Zurzeit finden unsere Bienen Pollen und Nektar bei der Fetthenne, Efeu, bei Astern und anderen Herbstblumen. Auch diverse Zwischensaaten (Gründüngung) auf Feldern und Gärten, wie Phacelia oder Senf stellen noch ein Angebot dar.

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Foto 1. Prächtige Fetthenne. Quelle: ttps://pixabay.com/get/55e7d54a4d55b108feda8460da29317e1537d7e4515676_1920.jpg / Zugriff 23.09.2020

Die Fetthenne ist nicht nur für unsere Bienen ein attraktiver Herbstblüher! Sie blüht bis in den Oktober in einem rostroten Farbton. Dazu ist sie robust, und pflegeleicht, wächst gerne auf sandig-kiesigen, trockenen bis mittleren Böden. Sie spendet neben Nektar (Nektarwert 3) auch ergiebig Pollen (Pollenwert 2).

Zu den letzten nennenswerten Bienenweidepflanzen des Jahres gehört neben der Fetthenne der Efeu.

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Foto. 1  Quelle:  https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeiner_Efeu#/media/Datei:Hedera_helix_002.JPG / Zugriff 23.09.2020

Der Efeu tritt meist in extensiv bewirtschafteten Wäldern oder Parks auf, in denen man ihn ungehindert an den Bäumen hochklettern lässt oder wo er Steinmauern überwuchern darf. 

Erst im Alter von manchmal bis zu 20 Jahren bilden sich besondere, von der Jugendform abweichende Blätter aus. Sind diese zunächst typisch wie kleine Weinblätter geformt, erscheinen sie nun eiförmig, spitz zulaufend und glänzend grün ohne Zeichnung. Erst in diesem Stadium bilden sich die ersten Blüten in Doldenform, manchmal unbemerkt in den Kronen der Bäume, die vom Efeu viele Jahre zuvor erklommen wurden. Beobachtet man im Herbst einmal einen zugänglichen Efeubestand, etwa an einer Hausmauer, staunt man über den zahlreichen Blütenbesuch vieler Insekten. Da Nektarien und Pollen gut zugänglich sind, findet man von Schwebfliegen über Wespen, Ameisen und Bienen bis zu Schmetterlingen alles, was kreucht und fleucht.

Imkern im Oktober:

Mit den letzten Handgriffen im Oktober, je nach Standort einer Fluglochsicherung (Flugloch vor Mäusen sichern / 7 mm) und Windeldiagnose (um eine mögliche ReInvasion zu erkennen), sowie einer Restentmilbung bei Brutfreiheit (je nach Witterung/frühestens Mitte November) werden die Vorrausetzungen für eine erfolgreiche Auswinterung komplettiert.

Wie in der letzten Monatsbetrachtung erwähnt, jetzt im Oktober sollten die Bienenvölker gut entmilbt, stark genug (mind. auf vier Waben sitzend) mit ausreichend Futter versorgt, auf jungem Wabenbau sitzend sowie möglichst mit einer jungen Königin versorgt sein!

Mit solchen Vorrausetzungen sollten sie sicher über jeden Winter kommen!

An schönen milden Tagen nehme ich mir die Zeit zur Fluglochbeobachtung, ein ruhiger Flug und schöner Polleneintrag bestätigen mir die Weiselrichtigkeit der Völker. Ebenso können bei Sonnenhöchststand, am frühen Nachmittag „vortanzende“ (auf und abfliegende) Bienen bei ihrem ersten Ausflug beobachtet werden.

Arbeiten an den Bienenvölkern sollten weitgehend abgeschlossen sein. Völker durchwühlen, Waben vertauschen und Bienensitz verändern, sollte ohne wirklichen Grund vermieden werden. Das Volk richtet sich seinen Sitz, das Futter und den Pollen so ein, wie es seit Jahrtausenden instinktiv macht, um gut über die kalte Jahreszeit zu kommen.

Umweiselungen:

Wen jetzt noch eine Königin ausgetauscht werden soll kann dies recht einfach gemacht werden. Im Oktober gelingt das Königinfinden leichter als im Sommer, denn die Völker haben weniger Bienen und weniger Brut. Das Umweiseln gelingt praktisch immer! 

Beim Öffnen des Bienenvolkes betrachte ich den Bienensitz. Wo ist die Mitte? Dort wird die letzte Brut gepflegt und dort wird sich auch die Königin aufhalten. Dann wird eine Randwabe gezogen um alle Waben en bloc verschieben zu können. Die anvisierte Kernwabe wird vorsichtig gezogen und nach der Königin abgesucht. Wird sie hier nicht gesichtet, wird die Suche auf den Nachbarwaben fortgesetzt bis sie gefunden ist. Die „Alte Königin“ wird an den Flügeln gepackt und gekäfigt. Das Volk wird wieder folgerichtig zusammengestellt und in eine Wabengasse des Brutnestes (meist Mitte Bienensitz) wird die „Neue Königin“ unter Futterteigverschluss in einem „Ausfresskäfig“ eingehängt. Damit wäre die Umweiselung eines noch ausreichend starken Volkes abgeschlossen.

In dieser Art und Weise lassen sich jetzt auch noch sogenannte „Stecher“ (böse Bienenvölker) relativ einfach „umpolen“☺. 

Wie beim Septemberhock erwähnt, funktioniert die Umweiselung durch aufsetzten des Apideakästchen samt Bienen zu 100%. Auch hier soll die alte Stockmutter zuerst entfernt werden! Danach kann, wenn vorhanden das „Spundloch“ im Deckel der Bienenbeute als „Übertrittspforte“ fungieren!

Wenn die unerwünschte Stockmutter entfernt ist, wird das Spundloch geöffnet, etwas Futterteig ins Loch gestopft und ein feuchtes Blatt Zeitungspapier aufgelegt. Danach wird der Boden des Apidea Begattungskästchen zu 2/3 gezogen, so das sich die entstandene  Apidea-Bodenöffnung auf das mit Zeitungspapier bedeckte Spundloch legen lässt. Der Rest erledigen die Bienen von selbst. Von unten knabbert sich das entweiselte Volk durch den Futterteig nach Oben. Von Oben knabbert der kleine „Nucleus“ – Ableger Völkchen nach unten! 

So vereinigen sich diese Beiden zu einem „Individuum“. Die Königin wird nach einigen Tagen durch die Pforte nach unten „gereicht“ und dort gerne in Empfang genommen. 

Letzte Durchsicht / Beurteilung der Volksstärke bei schwächeren Völkern:

Nach einer kühlen Oktobernacht (unter 5° Grad) sollten bei einer Draufsicht von Oben, am frühen Vormittag auf vier Waben gut besetzt Bienen zu sehen sein!

Nur wenn mindestens ca. 5000 Bienen im Stock vorhanden sind kann das Volk eine optimale Temperatur in der Wintertraube aufrechterhalten. Kleine oder kleinste Völkchen bitte lieber mit anderen vereinigen! 

Das „hätscheln und tätscheln“ der kleinsten Bienenvölkchen jetzt im Herbst kostet den Imker nur Ressourcen in Form von Zeit und Nerven, Futter und Energie!  

Lieber weniger Bienenvölker einwintern und dafür alle auswintern, als alle einwintern und weniger auswintern!

Wird bei dieser letzten Durchsicht wenig Futtervorrat gesehen kann jetzt (bei mildem Wetter) noch letztmalig möglichst nahe am Bienensitz „dicker“ Sirup (3:2) angeboten werden. Noch besser eignet sich dazu invertiertes Futter aus dem Handel, um seine Winterbienen so spät im Jahr zu schonen.

Je nach Beutensystem kann nach der endgültigen Auffütterung eine Isolationsschicht, in oder auf den Beutendeckel, ein- bzw. aufgebracht werden. Die Isolationsschicht oben auf (am „Kopf“) hilft den Bienenvölkern in der Übergangszeit (es wird noch Brut gepflegt bei 36° Grad) die Stock-Wärme zu halten.

Mit stetig kälteren Nächten ziehen sich die Bienen zurück und rücken immer enger zusammen. So wird das Flugloch nicht mehr so intensiv bewacht. Ich halte, wenn nicht eh schon geschehen das Flugloch eher klein! Es ist nicht nur gegen die „Räuberei“ der eigenen „Spezies“ von Nutzen, sondern hilft auch die Wespen besser fern zu halten. Wespen bedienen sich in dieser kühleren Phase am Bienenvolk. Ein vitales, starkes Bienenvolk mit eingeengtem Flugloch hat mit Wespen aber kein Problem!  

Die letzten Monate im Jahr hat der/die ImkerIn kaum noch Arbeit am Bienenvolk. Außer einer zeitgerechten Restentmilbung bei Brutfreiheit, sollten die Bienen nicht mehr gestört werden!

Mein Großvater war auch Imker und dieser pflegte zu sagen:

„Im Spätherbst solle der Imker den Schlüssel zu seinem Bienehaus verlieren und erst im Frühjahr wieder finden“!

Hier im Anschluss eine Tabelle aus der die wichtigsten Maßnahmen im Jahresverlauf zu entnehmen sind.

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Abb. 2:  Quelle: http://www.immelieb.de/videos/von-der-auswinterung-bis-zur-einwinterung/ Zugriff 23.09.2020

So wird es im Bienenhaus und am Bienenstock ruhiger, hingegen in der imkerlichen Werkstatt beginnt der Umtrieb. Jetzt kommt für uns ImkerInnen die Zeit, in der wir uns vermehrt den „Revisionsarbeiten“, der Honigvermarktung und der Wachsverarbeitung widmen können. 

Bitte vergesst nicht die Anzahl eurer insgesamt betreuten Bienenstöcke am Erhebungsstichtag 31.Oktober, an unseren Schriftführer zu übermitteln! Kann natürlich auch schon etwas früher geschehen.

E-Mail: reiter_k@aon.at
Reiter Kurt, Grillparzerstrasse 10, 6845 Hohenems
Telefon +43 699 11850250

Unser Schriftführer Reiter Kurt, „pflegt“ für jeden von uns, wie ihr wisst die VIS – Datenbank (Völkerzahlerhebung). Dafür sei ihm an dieser Stelle erneut gedankt!

Für die Meldung der Völkerzahl gibt es 2 Stichtage:

1. Erhebungsstichtag 31. Oktober: Die am 31. Oktober gezählten „insgesamt betreuten Bienenvölker“ sind spätestens am folgenden 31. Dezember im VIS einzugeben.
2. Erhebungsstichtag 30. April: Die am 30. April gezählten „insgesamt betreuten Bienenvölker“ sind spätestens am folgenden 30. Juni im VIS einzugeben.

Ich verbleibe mit imkerlichen Gruß und hoffe dass wir unsere Jahreshauptversammlung trotz Pandemie abhalten können

euer Peter