Rückblick und Monatsbetrachtung für November 2020

War der Oktober 2018 und 2019 viel zu warm, so lässt sich der heurige bisher mit zwei Worten beschreiben, „Feucht und Kühl“! Aber wie von mir in der letzten Monatsbetrachtung gewünscht bewirken kühle Temperaturen, weniger Sammeltätigkeit, – weniger „Winterbienenverschleiß“, weniger Futterverbrauch also auch weniger Brut- und „Varroamilbenumsatz“!

Eine kühle Frühherbstperiode wirkt sich positiv auf die Wintersterblichkeit unserer Bienenvölker aus!

Ein Stück goldener Oktober (Indian Summer) bekamen wir erst im letzten Drittel (20.10.-27.10.2020) des Oktobers geliefert.

pastedGraphic.png
Abb. 1: Der Wilde Wein (Parthenocissus tricuspidata ‚Veitchii‘ / „Mauerkatze“)  zählt zu den beliebtesten Pflanzen für die  Fassadenbegrünung, denn der Laub abwerfende Kletterstrauch präsentiert sich zu jeder Jahreszeit in einem prächtigen Gewand. Nebenbei spendet er zur Blütezeit im Juli / August nicht unwesentlich Pollen und Nektar!  Mich freut das prächtige Farbenspiel vor unserem Haus in Dornbirn, Ende Oktober, jedes Jahr aufs Neue! Über die blauen Beeren freuen sich später auch noch die Vögel.

Phänomen „Stille Umweiselung“- oder „Ersetze-die-Königin-Mechanismus“:

Der Begriff der „Stillen-Umweiselung“ sorgt oft bei Jungimkern für Fragen: „Wieso still, es ist doch sowieso immer alles ruhig am Bienenstand?“

Begrifflich handelt es sich eigentlich um eine vom Imker manchmal erst spät bemerkten und vom Volk eigenständig durchgeführten „Königinnentausch“.

Eine Königin kann vier bis fünf Jahre alt werden. Irgendwann nach drei oder vier Jahren reduziert sich ihre Fähigkeit Eier zu legen. Die Königin kommt an ihre körperlichen Grenzen. Sie hat über Jahre Höchstleistung gebracht, insgesamt viele Tausende Eier produziert. Der Vorrat an Spermien aus ihrem Hochzeitflug geht zur Neige. 

Parallel dazu geht die Produktion an Königinnensubstanz, einem Pheromon-Gemisch der Tergittaschendrüsen und Mandibeldrüsen, zurück. Diese Pheromonewerden durch Kontakt mit den Ammenbienen im Volk verteilt. Ist ausreichend von diesem königlichen „Stockmutterparfüm“ vorhanden, so ist dies ein starkes Signal für das Volk, dass eine gesunde starke Stockmutter vorhanden ist.

Geht die Konzentration an königlichem Pheromon „Stockmutterparfüm“ im Volk zurück, führt dies dazu, dass eine oder zwei große Weiselzellen angelegt werden. Das Volk zieht eine Nachfolgerin für ihre bisherige Königin heran. Die alte Stockmutter wird durch die junge Königin verdrängt. Ein Schwarm entsteht nicht, da die Arbeiterinnen der geschwächten Königin ohne ein starkes Pheromonsignal nicht folgen. Der Imker bekommt von diesem Wechsel im Volk meist gar nichts mit. Man spricht daher von einer stillen Umweiselung.

Ein Indiz für eine stattfindende stille Umweiselung ist, wenn ein Volk seine Drohnen (Drohnenschlacht fand bei den anderen Völkern schon statt) länger als üblich behält! 

Oft wird dieser „Stille Wechsel“ erst im darauf folgenden Jahr bei der ersten Durchsicht bemerkt. Die Königin hat kein Zeichenplättchen mehr? Es wird eine einzelne stehen gebliebene Weiselzelle (Rest) im Zentrum eine Wabe gefunden.

„Stille-Umweiselungszellen“ findet man ebenso wie Nachschaffungszellen oft im Zentrum einer Wabe – allerdings mit dem Unterschied, dass es sich hier um reguläre Weiselnäpfchen handelt, in denen die Larven auch von Beginn an mit Königinnenfuttersaft/Gelee Royal gefüttert werden. Die Königinnen aus diesen Umweiselungszellen sind meistens ausgesprochen gut versorgte Königinnen und wesentlich größer als Nachschaffungsköniginnen.

Ein Problem bei der stillen Umweiselung ist die Begattung. Wenn sie nämlich sehr spät im Jahr stattfindet, ist sie manchmal unzureichend. Findet die stille Umweiselung früh genug statt, das heißt es sind noch ausreichend Drohnen (Drohnendruck) zur vollständigen Begattung vorhanden, dann kann so eine stille „Umweiselungskönigin“ in ihrer „Güte/Wertigkeit“ Spitze sein!!

Schon mein Vater (Wanderlehrer / Buchner Alois) schätzte das Phänomen der „Stillen Umweiselung“ an Bienenvölkern sehr!

Manchmal findet man in solchen Völkern über einen gewissen Zeitraum zwei Königinnen (die Jungkönigin und die alte Stockmutter) gleichzeitig, meist aber wird die alte Stockmutter nur so lange geduldet, bis die Jungkönigin mit der Eiablage beginnt.

pastedGraphic_1.png
Abb. 2: Betagte Stockmutter mit „Nachfolgerin“.
Quelle: https://www.imkerforum.de/forum/thread/42331-pseudo- hochwabe-legekreise-und-geteiltes-brutnest/ Zugriff 23.10.2020

Dieses  Ersatzsystem funktioniert auch dann, wenn eine Königin plötzlich verstirbt oder wenn ein anderer „Mangel“ (z.B. Königin hat ein Bein verloren) an der bestehenden Königin besteht. Allerdings nur, wenn das Volk zu diesem Zeitpunkt kleine Larven besitzt!

Imkern im November/Ausblick:

Phänologisch befinden wir uns im Spätherbst.

Als Zeigerpflanze fungiert die Eiche. Verfärben sich deren Blätter sprechen wir vom Spätherbst.

Der dunkle November hat Einzug gehalten und mit ihm verabschieden sich unsere Bienen in ihre wohlverdiente Winterruhe. Jetzt im November kehrt auch bei unseren Bienenvölkern Ruhe ein.  Es findet die für diese Jahreszeit klassische Rückbildung der Natur statt. Arbeiten an den Bienenvölkern gibt es im November nicht mehr zu verrichten.

Der Bienenstand ist Wind- und Wetterfest gemacht nur gelegentliche Kontrollgänge um nachzuschauen ob alles in Ordnung ist, sind nötig. 

Mit den stetig sinkenden Temperaturen rücken die Bienen zusammen und bilden eine homogene „Wintertraube“. Nur mehr im Kern der Traube wird, wenn überhaupt, noch Brut gepflegt. 

Als „finale“ Tätigkeit bei den Bienenvölkern steht lediglich die „Restentmilbung“ bei engem Sitz der Bienen und Brutfreiheit an. Mit der Restentmilbung soll der Varroabefall auf nahezu Null gedrückt werden, damit die Bienenvölker mit möglichst wenigen Milben im nächsten Frühling in die Brutperiode starten!

An dieser Stelle möchte ich an alle appellieren zur rechten Zeit, bei Brutfreiheit!! eine suffiziente Restentmilbung zu machen! 

Ein starkes, nicht oder schlecht „restentmilbtes Volk“ überwintert problemlos mit z.B. 300 an den Winterbienen „ansitzenden“ Milben, startet dann aber im Frühling mit einer hohen Milbenzahl und erreicht bereits im Juni – Juli eine fatale Schadensschwelle und läuft Gefahr bereits im Juli vor der ersten Hauptentmilbung gänzlich „einzubrechen“!

Ein gut „restentmilbtes Volk“ startet mit kaum einer Milbe im Frühjahr die Schadens-Schwelle wird, wenn überhaupt, erst viel später erreicht, somit läuft es nicht Gefahr frühzeitig einzubrechen!   

Restentmilbung:

Die Restentmilbung steht an, wenn die Völker brutfrei sind und eng auf der Wintertraube sitzen. Ältere Königinnen stellen früher ihre Legetätigkeit ein. Jüngere Königinnen tun das erst wenn eine Kälteperiode mit frostigen Nächten sie dazu zwingt. Nach mehrtägigem intensiven „Kältereiz“, ist nach frühestens 3 Wochen mit Brutfreiheit zu rechnen!

Bei Brutfreiheit und Außentemperaturen von 2°- 5° Grad (kein Bienenflug!), ist der beste Zeitpunkt möglichst alle an den Bienen ansitzenden Milben zu erreichen! 

Oxalsäure:

Als den perfekten Wirkstoff zur Restentmilbung stellt sich Oxalsäure dar. Dieser Wirkstoff wird durch die eng sitzenden Bienen, in die Wintertraube eingebracht und tötet bei Kontakt die ansitzenden Milben.

Durch eine Oxalsäure -Verdampfung (versch. zugelassene Geräte) im Bienenstock oder eine Beträufelung der Bienentraube von Oben mit einer Oxalsäurelösung (ebenfalls versch. zugelassene Ox.S. Lösungen) kann dieser „Nullabgleich“ an unseren Bienenvölkern erreicht werden. Beide Behandlungsverfahren haben bei richtiger Anwendung einen Wirkungsgrad von über 90%! 

Die Behandlung löst bereits am Behandlungstag einen deutlich erhöhten Milbenfall 

aus. Der erhöhte Milbenfall hält mehr als eine Woche lang an und kann durch die Windeldiagnose ausgewertet werden.

Ich bitte euch bei den Anwendungen auf den entsprechenden Anwenderschutz zu achten!! (Atemschutzmaske, Schutzhandschuhe und Schutzbrille)

pastedGraphic_2.png
Abb. 3: In jede besetzte Wabengasse muss geträufelt werden
(bei ca. 2°- 5° Grad Außentemp.)

Wie in den letzten Jahren schon geschehen, besteht für „Kleinimker“ die Möglichkeit die Restentmilbung (Oxalsäureverdampfung) von mir oder dem ein oder anderen erfahrenen Imker unseres Vereins, der entsprechend ausgestattet ist, durch führen zu lassen. Ich bitte euch aber gerade heuer (Coronasituation) um frühzeitige Kontaktaufnahme mit mir/uns um diese Behandlungen planen zu können.

Abb. 4: Zwei Beispiele für inzwischen viele zugelassene Oxalsäureverdampfer (bei ca. 2°- 5° Grad Außentemp.).

An dieser Stelle möchte ich vor Restentmilbungen mit anderen hochtoxischen Substanzen die sich dann im Wachs anreichern warnen. Neben Rückständen im Wachs, und möglichen Resistenzen der Varroamilben gegen diesen Wirkstoff, riskieren wir unsere eigene Gesundheit!

Aufgrund des erneuten Corona-Lockdowns werden wir heuer wohl keinen Bienenhock mehr durchführen können. Daher bitte ich die „Jungen“, einfach die „Erfahrenen“, bei möglichen Fragen zur Imkerei / Restentmilbung anzurufen um Rückfrage zu halten.

Bitte vergesst nicht die Anzahl euerer insgesamt betreuten Bienenvölker bis zum Erhebungsstichtag (31.Oktober, schon verstrichen), an unseren Schriftführer zu übermitteln!

Die Vökerzahl muss dann bis zum 31.12.2020 von unserem „VIS – Chef“, Reiter Kurt ins VIS-System eingepflegt werden. 

Bleibt Gesund! Bleibt Daheim! Haltet Abstand!

Somit verbleibe ich mit imkerlichen Gruß, euer Peter