Rückblick und Monatsbetrachtung für August und September 2020

Mit Ende der „Hundstage“ (Als Hundstage werden umgangssprachlich in Europa die heißen Tage im Sommer, genauer in der Zeit vom 23. Juli bis zum 23. August, bezeichnet) melde ich mich wieder zurück aus der Sommerpause.

Das Erntejahr 2020 ist vorüber, aus der Ertragssicht kann es als regional sehr unterschiedlich bezeichnet werden.

Waren unsere Bienenvölker „zeitig“ im Frühjahr schon mit einer ansprechenden Volksstärke und Flugbienen ausgestattet konnte sich der/die ImkerIn über einen schönen Batzen, Blütenhonig freuen!

Mildes Wetter bis hin zu den Eisheiligen 12.05-15.05. brachte eine ordentliche Mengen „Bienenmasse“ hervor! Diese „Bienenmasse“ fand sich wiederum nach den Eisheiligen vielerorts oft auf den Bäumen nebst dem Bienenstand. Die „Schwarmeruption“ war heuer heftig und nicht zuletzt darum mussten viele Imker die nachfolgende „Honigsaison“ abschreiben.

Ende Mai waren in mittleren und hohen Lagen nicht nur große Populationen der rotbraun gepuderten Fichtenrindenlaus zu finden, sondern heuer auch große „Cluster“ der großen schwarzbraunen Tannenhoniglaus (siehe Monatsbetrachtung Juli 2020) und der grünen Tannenhoniglaus.

Am Laubholz komplettierte die Lindenzierlaus (schon früh im heurigen Jahr) das heurige Honigtauspektrum.
Als „Spielverderber“ zeigte sich dann aber die Schafskälte und das äußerst unbeständige Juniwetter. Was nützt uns eine Honigtautracht wenn alle paar Tage der Honigtau durch Regen, von den Zweigen abgewaschen wird!?

Die Lindenblüte erwies sich vielerorts als ein sehr willkommener Lückenfüller, der so manches Bienenvolk vor Hunger und Ungemach bewahrte!
Witterungsbedingt viel der Honigertrag der Bienenvölker im Hochgebirge „dürftig“ aus.

Trotzdem konnte wie Eingangs erwähnt, regional sehr unterschiedlich, eine beachtliche Menge feinster, dunkler Honigtauhonig geerntet werden.

Honig und dessen Wirkung:

Honig ist eines der ältesten Heilmittel aus dem Bienenstock und wird weltweit in allen Kulturen hoch angesehen. Er wird nicht nur als „Hausmittel“ bei Infekten der Oberen Atemwege sondern auch im Wundmanagement, oder als Nahrungsergänzung zur Stärkung der Immunabwehr und Prophylaxe eingenommen.

Dass Honig (vor allem Waldhonig) gegen Husten und Halsweh hilft, ist lange bekannt. Eine neue Studie der Universität Oxford (Titel: Effektivität von Honig zur symptomatischen Linderung bei Infektionen der oberen Atemwege) eine systematische Überprüfung und Metaanalyse zeigt nun: Er kann bei richtigem Einsatz besser als alle anderen Behandlungen – inklusive Antibiotika wirken.

Ich möchte euch das direkt übersetzte Fazit / Schlussfolgerung dieser Untersuchung nicht vorenthalten!
URTI – Symptome = Obere Atemwegsinfektions Symptome

Schlussfolgerung
Wir fanden, dass Honig wahrscheinlich die URTI-Symptome verbessert, mit den stärksten Beweisen im Zusammenhang mit Hustenhäufigkeit und Hustenschwere. Mäßige Beweise stützen seine Anwendung vor der üblichen Behandlung anderer URTI-

Symptome, und die meisten Beweise stammen aus Studien mit Kindern. Honig ist ein häufig verwendetes Laienmittel, das den Patienten bekannt ist. Honig ist auch billig, leicht zugänglich und verursacht begrenzte Schäden. Wenn Kliniker/Ärzte für URTI verschreiben möchten, empfehlen wir Honig als Alternative zu Antibiotika. Honig ist effektiver und weniger schädlich als übliche Pflegealternativen und vermeidet Schäden

durch antimikrobielle Resistenz.

Quelle: https://ebm.bmj.com/content/ebmed/early/2020/07/28/bmjebm-2020-111336.full.pdf / Zugriff und Übersetzung am: 23.08.2020

Anbei der Link zur kompletten englischsprachigen Meta-Analyse: https://ebm.bmj.com/content/ebmed/early/2020/07/28/bmjebm-2020-111336.full.pdf

Foto 1: „Waldhonigtürmle“

Die Bienenvölker im August/September Volksentwicklung:
Im August beginnt das neue Bienenjahr! 
Die jetzt anstehenden Wintervorbereitungen

bestimmen über den imkerlichen Erfolg im nächsten Jahr.

Unsere „lichtgesteuerten“ Bienen spüren dass es unterdessen schon wieder wesentlich früher dunkel wird. Die Tageslänge nimmt nun rasant ab, zurzeit um rund 3 Minuten pro Tag. Am schnellsten verändert sich die Tageslänge um die Zeit der Tages- und Nachtgleiche herum, also zum Herbst- und Frühlingsbeginn. Werden die Nächte länger, kühlt es stärker ab.

Zurzeit wird bestimmt, wie ein Volk auswintert und wie es sich in der gesamten nächsten Saison entwickeln wird. Denn den Futtersaft für die erste Brut im kommenden Frühjahr, wenn es draußen noch kalt ist, erzeugen die Winterbienen nicht aus dem Pollen, sondern aus ihren Fettreserven. Je mehr „fette Bienen“ im Wintervolk sind, desto größer wird das erste Brutnest im Frühjahr angelegt.

Oberstes Ziel jetzt bei der Spätsommerpflege muss sein, möglichst viele langlebige Bienen, sogenannte Dauer-Winterbienen zu erzeugen. Sie unterscheiden sich von den kurzlebigen durch ihren ausgeprägten Fettkörper, also den Winterspeck. Fette Bienen haben 70 Prozent, kurzlebige dagegen unter 30 Prozent Körperproteine eingelagert. Damit sie zu Dauerbienen werden, müssen sie als Larven mit reichlich und hochwertigem Pollen gefüttert worden sein. Natürlich denkt jeder beim Einwintern erst mal ans Füttern mit Zucker. Doch dieser liefert hauptsächlich Energie. Was es braucht, sind vor allem Proteine, Fette, Vitamine, verschiedene Makro- und Mikronährstoffe sowie essentielle Aminosäuren. Und die stammen fast alle aus dem Pollen. Zucker lässt die Bienen fliegen, Pollen ernährt sie!

Dauer- Winterbienen dürfen selbst keine Ammendienste leisten oder schon auf Sammelflüge gehen. Vielmehr sollten sie als faule Stubenhocker verharren, denn die genannten Aktivitäten lassen sie kurzlebig werden. Aber auch durch die Varroamilbe, die sich nach neuesten Erkenntnissen nicht von der Hämolymphe (Bienenblut), sondern direkt vom Fettkörper ernährt, wird die Bildung von Winterspeck verhindert.

Der aktuelle Milbendruck zeigt sich bisher von der moderaten Seite, dass soll aber nicht heißen bei der Entmilbung nachlässig zu werden! Die Gemülldiagnostik im September und Oktober bleibt spannend!

Foto 2: „Blühlandschaft“ im oberen Bereich des Retentionsbeckens am Steinebach in Dornbirn. Blutweiderich – linker oberer Bildrand, drüsiges Springkraut – Mitte, und Sommerflieder – rechts .

Böschungen, Wegesränder, Feldübergänge, Fluss- Bachläufe sowie Gärten mit Blumen und Kräutern und angelegten Blühstreifen bieten unseren Bienen jetzt noch ein Pollen- und Nektarangebot.
Glücklich wer in der Nähe solcher „Blühzonen“ stehen darf.

Foto 3: Biene beim verlassen einer Blüte des drüsigen Springkrautes – mit sportlichem „Blütenpollenstreifen“.

Trotzdem, der August und auch der September sind in der Regel eine trachtlose Zeit. Die Arbeit an den Völkern kann leicht Räuberei auslösen.
Deshalb gilt es, die anstehenden Arbeiten so durchzuführen, dass keine Räuberei ausbricht:

Nur kurze und wirklich nötige Eingriffe, zügig und wenn möglich am frühen Abend durchführen. Futter nur am Abend verabreichen! Fluglöcher besonders der schwächeren Völker und Ablegern klein halten und zwar auf dieser Seite wo der Ableger bzw. das Volk sitzt oder gebildet wurde (Kaltbau)!

„Vorsicht ist die Mutter des Ablegers“
Die aktuellen Themen der Spätsommerpflege sind:

-Varroabehandlung, -Gemülldiagnose (Stockwindelkontrolle), -Auffütterung

Die Ziele der anstehenden Spätsommerpflege lenken daraufhin die Völker auf die Überwinterung vorzubereiten.
Alle Völker sollen im Oktober stark genug und mit ausreichend Futter versorgt sein, sowie auf weitgehend jungem Wabenbau sitzen und eine möglichst junge Königin (Umweiselungen sind jetzt einfacher durchzuführen) und vor allem wenig Milben haben. Mit solchen Vorrausetzungen sollten sie sicher über jeden Winter kommen!

– Varroabehandlung: (Flächendeckend!)

Wie beim letzten Hock besprochen stehen uns verschiedenste Wirkstoffe mit entsprechender Methode zur Verfügung. Hier meine ich, „einige Wege führen ans oben genannte Ziel“!

Je früher die Hauptentmilbung erfolgte, je geringer der Varroabefall, desto „gesünder/vitaler“ ist in der Regel das bestehende Bienenvolk.

Es gibt nun mal kein für alle Imker passendes Patent – Rezept zur Varroabehandlung.
Je nach Beute (Wabenformat), Wirtschaftsweise, Standort, Vorliebe und Erfahrungen des Imkers, Behandlungszeitpunkt, usw. usw.
wird sich dieser für einen Wirkstoff und entsprechender Behandlungsstrategie entscheiden.

Es gilt:
1. Bei den notwendigen Behandlungen im Sommer/Spätsommer kommt es nicht darauf an, wie viele Milben fallen, sondern wie viele Milben im Volk verbleiben und sich dort weiter vermehren. Diese Behandlungen müssen „sitzen“!

2. Auch bzw. gerade nach diesen Behandlungen sollte der natürliche Milben(ab)fall immer wieder durch Gemülldiagnosen erfasst werden. Wer beobachtet weiß Bescheid und ist vor Überraschungen geschützt.

Ameisensäure wirkt in die verdeckelte Brut! Die in der Brut getöteten Milben fallen erst, wenn die behandelte Brut schlüpft. Der durch eine Ameisensäurebehandlung ausgelöste Milbenfall hält nach Abschluss der Behandlung fast 14 Tage an. Erst danach stellt sich wieder natürlicher Milbenfall ein! Dies gilt es bei der Kontrolle des Behandlungserfolges zu beachten, wenn diese über die Gemülldiagnose erfolgt, mit der der natürliche Milbenfall vor der Behandlung mit dem natürlichen Milbenfall nach der Behandlung verglichen wird!

Der Vergleich des natürlichen Milbenfalls nach der ersten Augustbehandlung mit dem vor der ersten Augustbehandlung dient als Gradmesser für den Behandlungserfolg der Augustbehandlung und als Orientierung wie gut die anstehende Behandlung wirken muss.

Hier nochmals wie schon in der Julimonatsbetrachtung die Formel der AGES zur Befallsgradeinschätzung.

Formel zur Befallsgradeinschätzung (Quelle: AGES)

Natürlicher Varroatotenabfall/Tag x Umrechnungsfaktor

Bitte beachtet den unterschiedlichen Umrechnungsfaktor je nach Jahreszeit!

Umrechnungsf. April – Sept. bei Wirtschafts-Völkern mit viel Brut = 300
Umrechnungsf. Okt. – März 
bei Wirtschafts-Völkern mit wenig bis keiner Brut = 300 – 500

Laut Prof. Liebig soll sich der natürliche Milbenabfall im September und Oktober deutlich unter 5 Milben am Tag bewegen! (ansonsten erneute Varroabehandlung)

Die Gemülldiagnose zeigt uns auch wo das Bienenvolk „sitzt“. Beispielsweise vorne, nahe am Flugloch oder eher fluglochfern.

– Auffütterung:

Neben den unterschiedlichen Futtermittel die uns zu Verfügung stehen gilt es natürlich die angemessene Menge an Futter zu verabreichen. Damit das Bienenvolk während des Winters bis hin zur „Durchlenzung“ im Frühling, gut über die Runden kommt.
Ich bin ein Verfechter des langsamen und in kleinen Mengen Einfütterns. Meine Erfahrung dabei ist, dass die Bienenvölker das Winterfutter besser verarbeiten. Dabei verabreiche ich vor der Hauptentmilbung 3-4 Liter Zuckersirup (1:1 Wasser/Zucker) und versuche in weiterer Folge mehrere kleine Mengen zu Verabreichung. Durch die anfänglich dosierte Futtergabe hat die Bienenkönigin ausreichend Platz zum Legen. Anfängliches „Zuschütten“ bewirkt eine Einengung des Brutnestes.

Jedes Bienenvolk braucht einige Zeit, um das gegebene Futter zu invertieren daher muss es früh genug gereicht werden.
Die Auffütterung sollte mit dem kalendarischen Herbstbeginn am 22.09.2020 abgeschlossen sein!

Bei späteren notgedrungenen Futtergaben sollte dickflüssigere Zuckerlösung im Verhältnis (2:3 Wasser/Zucker), oder noch besser fertig invertiertes Futter aus dem Fachhandel verwendet werden.

Füttern von Wirtschafts- und Jungvölkern (Ablegern):

Um eine unterbruchslose Jungvolkentwicklung zu gewährleisten sollte bei Ablegern / Kehrschwärmen nebst der gegebenen „Starthilfe“, der vom Jungvolk benötigte „Futterfluß“ durch den Imker, nie völlig versiegen!

Winterfutterbedarf:
Wirtschaftsvölker je nach Standort (warm/kalt), ob 1 oder 2-zargig:

10-16kg Zucker = ca. 14 – 20 Liter Sirup

Jungvölker/Ableger je nach dem ob früher/später gemacht:

8-10kg Zucker = ca. 10 – 15 Liter Sirup

Foto 4: Erstes Auffüttern nach Abnahme des Honigraumes bei meinen Völkern in Damüls am 08.08.2019

Mit dieser Betrachtung/Beurteilung möchte ich schließen und wünsche allen „Urlaubern“ noch schöne erholsame Tage, gesund bleiben! und natürlich uns allen viel Spaß beim Milben zählen.

Ich verbleibe mit imkerlichen Gruß,
Peter