Rückblick und Monatsbetrachtung August/September 2019

Das Erntejahr 2019 ist vorüber und aus meiner Sicht darf gesagt werden das, dass Abräumen der Wirtschaftsvölker noch einmal einen „Batzen“ Honig in die „Gläser“ brachte!

Möchte man das heurige Honigerntejahr beschreiben es war kurz, und je nach Standort facettenreich.

Kurz darum, weil sich die ganze Trachtperiode (Nektar- und Honigtaueintrag der ganzen Saison) über den kurzen Zeitraum von Anfang Juni bis etwa zum Schulschluss (insgesamt ca. 5 Wochen) hin erstreckte. Lediglich in den Hochgebirgsregionen gab es Mitte Juli noch einige Trachttage.

Die warmen Apriltage können als „Ertragstage“ nicht gerechnet werden, weil dieser Eintrag, von unseren Bienen im kalten und nassen Mai aufgezehrt wurde.

Facettenreich darum, weil je nach Standort verschiedenster Nektar- und Honigtau eingetragen wurde.  

Als Beispiel: So bekam ich heuer bei meinem Standort in der Hohenemser Radetzkystrasse von meinen Mädels wunderbarsten, sortenreinen, hellen, Lindenblütenhonig. So sortenrein bekam ich diesen Honig noch nie! 

Damit die Lindeblüte honigen kann braucht es Feuchtigkeit!  Die hatten wir im Mai (kältester seit 28 Jahren) zur genüge. Im Mai konnte von unseren Bienen Aufgrund des Wetters nichts eingetragen werden, sondern es wurde das zuvor gesammelte zur Gänze herausgezehrt. Und im Juni (wärmster seit es Aufzeichnungen gibt) blühten die Linden in dieser Region (kaum Nadelholz) und brachten mir somit sortenreinen Lindenblütenhonig☺!

In Gebirgslagen mit „Nadelholz“ (Fichte, Tanne) konnten wir Imker uns über wunderbaren dunklen Waldhonig freuen (siehe Juli Monatsbetrachtung). Wobei gegen Ende der Trachtperiode bei einzelnen Bienenvölkern auch etwas Melizitoseeintrag zu beobachten war.

Mich freut es ganz besonders das ich mit meiner „Trachtprognose“ ziemlich Recht hatte ☺!

Die im Hochgebirge gestandenen Bienenvölker profitierten ebenfalls vom heißen Juni! Auch dort kann das witterungsbedingt „kurze Honigjahr“  aus meiner Sicht, als durchaus gut bezeichnet werden.

Honigkennzeichnung / Honigetiketierung:

Die Diskussion um eine mustergültige Kennzeichnung unseres Honigs bei unserem letzten Bienenhock im Juli veranlassen mich euch den Hinweis zum Link der AGES und zum Öster. Imkerbund zu geben.

  • https://www.ages.at/themen/lebensmittelsicherheit/tierische-lebensmittel/honig/
  • https://www.imkerbund.at/kennzeichnungshinweise+2500+1135801

Hier können alle Angaben, was drauf stehen muss und was nicht drauf stehen darf nachgesehen werden!

Was richtig als Kennzeichnung für Honig auf einer Etikette stehen muss wie Sachbezeichnung („Honig“), Name / Anschrift der erzeugenden oder verpackenden Unternehmung, Nettofüllmenge, Los (Charge), Mindesthaltbarkeitsdatum, Lagerbedingungen, Herkunft, Schriftgröße und was nicht drauf stehen darf wie Werbung mit Selbstverständlichkeiten, zur Täuschung geeignete Angaben über die Eigenschaft eines Lebensmittels, krankheitsbezogene Angaben oder nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben.

Abb 1.  Auszug aus der Honigetikettenverordnung der AGES.  (Quelle: https://www.ages.at/themen/lebensmittelsicherheit/tierische-lebensmittel/honig/, Zugriff 13.08.2019)

Die Bienenvölker im August/September Volksentwicklung:

Auch unsere „lichtgesteuerten“ Bienen spüren dass es unterdessen schon wieder wesentlich früher dunkel wird. Die Tageslänge nimmt nun rasant ab, zurzeit um rund 3 Minuten pro Tag. Am schnellsten verändert sich die Tageslänge um die Zeit der Tages- und Nachtgleiche herum, also zum Herbst- und Frühlingsbeginn. Werden die Nächte länger, kühlt es stärker ab. 

Der Milbendruck zeigt sich bisher von der moderaten Seite, dass soll aber nicht heißen bei der Entmilbung nachlässig zu werden! Die Gemülldiagnostik im September und Oktober bleibt spannend!

Erwähnenswert ist auch, dass unsere Bienen Aufgrund des Wetters, heuer im Durchschnitt, weniger große „Populationen“ machten als in anderen Jahren. 

Phänomen – Drohnenschlacht:

Für Drohnen die keine  königliche Partnerin finden konnten – und das ist die riesige Mehrzahl-, für die wird es spätestens jetzt sehr ungemütlich. Werden die „Spermabomber“ im Frühling bis in den Frühsommer gebraucht, etwas später wenn das Nahrungsangebot gut ist noch geduldet, so verändert sich spätestens jetzt ihr Status in – „brauchen wir nicht mehr“.

Werden sie nicht mehr gebraucht so werden sie einerseits nach einem Ausflug nicht mehr ins Volk gelassen, und andererseits die zu Hause gebliebenen aktiv aus dem Volk befördert. So werden die Drohnen von kampferprobten Arbeiterinnen in den Wabengassen nach unten gedrängt und ans Flugloch „geleitet“. Dort werden sie dann, manchmal schon mit verbissenen  Flügeln, über „die Anflugkante“ gezerrt. Adieu!!

Behält ein Bienenvolk seine Drohnen, so kann das ein Indiz für stille Umweiselung (wenn schon alte Königinnen) sein, aber es kann auch mitunter weisellos sein.

Foto 1:  Beim schreiben dieser Zeilen ist die Drohnenschlacht im vollen Gange, und diesen Herrschaften geht es an den Kragen 12.08.2019

Aktuell blühen wie jedes Jahr einige Neophyten wie die kanadische Goldrute oder etwa das (indische) drüsige Springkraut. Bienen die vom Springkraut kommen sind am ganzen Körper und am behaarten Rücken dick mit hellgrauen Pollen bepudert! Nach dem Blütenbesuch sehen Sammlerinnen aus wie „Glühwürmchen“. 

Foto 2.   Biene beim verlassen einer Blüte des drüsigen Springkrautes – mit sportlichem „Blütenpollenstreifen“ ☺.

Aber auch Böschungen, Wegesränder, Feldübergänge sowie Gärten mit Blumen und Kräutern und angelegten Blühstreifen bieten unseren Bienen jetzt noch ein Pollen- und Nektarangebot.

Glücklich wer in der Nähe solcher „Blühzonen“ stehen darf. 

Trotzdem, der August und auch der September sind in der Regel eine trachtlose Zeit. Die Arbeit an den Völkern kann leicht Räuberei auslösen. 

Deshalb gilt es, die anstehenden Arbeiten so durchzuführen, dass keine Räuberei ausbricht: 

Nur kurze und wirklich nötige Eingriffe, zügig und wenn möglich am frühen Abend durchführen. Futter nur am Abend verabreichen! Fluglöcher besonders der schwächeren Völker und Ablegern klein halten und zwar auf dieser Seite wo der Ableger bzw. das Volk sitzt oder gebildet wurde (Kaltbau)

„Vorsicht ist die Mutter des Ablegers“

Die aktuellen Themen der Spätsommerpflege sind: 

-Varroabehandlung,  -Gemülldiagnose (Stockwindelkontrolle), -Auffütterung

Die Ziele der anstehenden Spätsommerpflege lenken daraufhin die Völker auf die Überwinterung vorzubereiten.

Alle Völker sollen im Oktober stark genug und mit ausreichend Futter versorgt sein, sowie auf weitgehend jungem Wabenbau sitzen und eine möglichst junge Königin (Umweiselungen sind jetzt einfacher durchzuführen) und vor allem wenig Milben haben. 

Mit solchen Vorrausetzungen sollten sie sicher über jeden Winter kommen!

– Varroabehandlung: (Flächendeckend!)

Wie beim letzten Hock besprochen stehen uns verschiedenste Wirkstoffe mit entsprechender Methode zur Verfügung. Hier meine ich, „einige Wege führen ans oben genannte Ziel“!

Je früher die Hauptentmilbung erfolgte, je geringer der Varroabefall, desto „gesünder/vitaler“ ist in der Regel das bestehende Bienenvolk

Es gibt nun mal kein für alle Imker passendes Patent – Rezept zur Varroabehandlung.

Je nach Beute (Wabenformat), Wirtschaftsweise, Standort, Vorliebe und Erfahrungen des Imkers, Behandlungszeitpunkt, usw. usw.

wird sich dieser für einen Wirkstoff und entsprechender Behandlungsstrategie entscheiden.

Es gilt:

1. Bei den notwendigen Behandlungen im Sommer/Spätsommer kommt es nicht darauf an, wie viele Milben fallen, sondern wie viele Milben im Volk verbleiben und sich dort weiter vermehren. Diese Behandlungen müssen „sitzen“!

2. Auch bzw. gerade nach diesen Behandlungen sollte der natürliche Milben(ab)fall immer wieder durch Gemülldiagnosen erfasst werden. Wer beobachtet weiß Bescheid und ist vor Überraschungen geschützt.

Ameisensäure wirkt in die verdeckelte Brut! Die in der Brut getöteten Milben fallen erst, wenn die behandelte Brut schlüpft. Der durch eine Ameisensäurebehandlung ausgelöste Milbenfall hält nach Abschluss der Behandlung fast 14 Tage an. Erst danach stellt sich wieder natürlicher Milbenfall ein! Dies gilt es bei der Kontrolle des Behandlungserfolges zu beachten, wenn diese über die Gemülldiagnose erfolgt, mit der der natürliche Milbenfall vor der Behandlung mit dem natürlichen Milbenfall nach der Behandlung verglichen wird!

Der Vergleich des natürlichen Milbenfalls nach der ersten Augustbehandlung mit dem vor der ersten Augustbehandlung dient als Gradmesser für den Behandlungserfolg der Augustbehandlung und als Orientierung wie gut die anstehende Behandlung wirken muss.

– Gemülldiagnose: 

Gemülldiagnose oder Gemülluntersuchung bezeichnen wir Imker die Auswertung des Gemülls (Abfalls) in einem Bienenstock.

Gemüll ist die Gesamtheit des in einem Bienenvolk anfallenden Abfalls. Es besteht überwiegend aus dem Material von abgeschroteten Waben und abgenagten Zelldeckeln, das zum Beispiel beim Öffnen von Futterzellen und beim Schlupf von Bienen anfällt. Im Gemüll sind auch Futterkristalle, Pollenreste, Kot von Wachsmotten, Teile von erkrankter und abgestorbener Brut (wie Kalkbrutmumien), tote Bienen und Varroamilben zu finden. Die Gemülldiagnose gibt Aufschluss über den Zustand und die Stärke eines Bienenvolkes. Die Ermittlung des natürlichen Varroamilbenabfalls dient zur Abschätzung seines Befallsgrades.

(Quelle: http://www.immelieb.de/imker-praxis/glossar-und-fachbegriffe/)

Foto 3.: Gemüll auf einer Stockwindel

Formel zur Befallsgradeinschätzung (Quelle: AGES)

Natürlicher Varroatotenabfall/Tag x Umrechnungsfaktor

Bitte beachtet den unterschiedlichen Umrechnungsfaktor je nach Jahreszeit!

Umrechnungsf. April – Sept. bei Wirtschafts-Völkern mit viel Brut = 300

Umrechnungsf. Okt. – März bei Wirtschafts-Völkern mit wenig bis keiner Brut = 300 – 500

Laut Prof. Liebig soll sich der natürliche Milbenabfall im September und Oktober deutlich unter 5 Milben am Tag bewegen! (ansonsten erneute Varroabehandlung)

Die Gemülldiagnose zeigt uns auch wo das Bienenvolk „sitzt“. Beispielsweise vorne, nahe am Flugloch oder eher fluglochfern. 

– Auffütterung:

Neben den unterschiedlichen  Futtermittel die uns zu Verfügung stehen gilt es natürlich die angemessene Menge an Futter zu verabreichen. Damit das Bienenvolk während des Winters bis hin zur „Durchlenzung“ im Frühling, gut über die Runden kommt.

Ich bin ein Verfechter des langsamen und in kleinen Mengen Einfütterns. Meine Erfahrung dabei ist, dass die Bienenvölker das Winterfutter besser verarbeiten. Dabei verabreiche ich vor der Hauptentmilbung 3-4 Liter Zuckersirup (1:1 Wasser/Zucker) und versuche in weiterer Folge mehrere kleine Mengen zu Verabreichung. Durch die anfänglich dosierte Futtergabe hat die Bienenkönigin ausreichend Platz zum Legen. Anfängliches „Zuschütten“ bewirkt eine Einengung des Brutnestes.  

Füttern von Wirtschafts-  und Jungvölkern (Ablegern):

Um eine unterbruchslose Jungvolkentwicklung zu gewährleisten sollte bei Ablegern / Kehrschwärmen nebst der gegebenen „Starthilfe“, der vom Jungvolk benötigte „Futterfluß“ durch den Imker, nie völlig versiegen! 

Winterfutterbedarf:  

Wirtschaftsvölker je nach Standort (warm/kalt), ob 1 oder 2-zargig:
10-16kg Zucker = ca. 14 – 20 Liter Sirup

Jungvölker/Ableger je nach dem ob früher/später gemacht:
8-10kg Zucker = ca. 10 – 15 Liter Sirup

Foto 4.  Erstes Auffüttern nach Abnahme des Honigraumes bei meinen Völkern in Damüls am 08.08.2019

Mit dieser Betrachtung/Beurteilung möchte ich schließen und wünsche allen „Urlaubern“ noch schöne erholsame Tage und natürlich uns allen viel Spaß beim Milben zählen ☺.

Ich verbleibe mit imkerlichen Gruß, Peter