Monatsbetrachtung Juli 2018

Mild und nach wie vor zu trocken begann der Juni. So konnten unsere Bienen vorerst, vom „Lindenblüten Start“ (Phänolog. Zeigerpflanze für den Hochsommer) nur wenig Nektar eintragen. Erst in der zweiten Juniwoche (12-14.06.) war ergiebiger Regen angesagt, und somit mehr „Saft“ in den Pflanzen um Nektar oder etwas Honigtau abzuwerfen. Um Honigertrag zu erzielen benötigt es viele Läuse (Rinden- und Schildläuse) oder viele Blüten! Diese müssen nicht nur in großer Menge da sein, sondern auch durch die Pflanze mit Flüssigkeit versorgt werden. Gerade die Linde muss eher „feucht stehen“ um zu „Honigen“. Erst ab Mitte Juni gab es ausreichend und regelmäßig Regen. Das bis dahin milde Wetter blieb uns bis zum 21.06. erhalten, danach sorgte eine Kaltfront (21.06-22.06) für etwas kühlere Temperaturen. Erst jetzt gegen Monatsende sind wieder Hitzetage angesagt.

Die Bienenvölker und Ableger im Juli / Volksentwicklung:
Die im Mai und Juni von uns gebildeten Ableger sowie Begattungsvölkchen – Königinnen (Sektionen) haben nach erfolgtem Begattungsflug mit Eier legen begonnen. Teilweise schlüpft schon Brut und die Ableger (Brutableger, Kehrschwärme) und Sektionen werden stärker und wachsen! Ich bitte euch nicht auf deren Futterversorgung zu vergessen! Nur mit schönen Futterkränzen entwickeln sich die „Kleinen“ gut!

Das große Interesse an der „Königinnenaktion“ sowie an der Kehrschwarmbildung (12.06.2018 trotz schlechtem Wetter) hat mich sehr gefreut! Ich hoffe ihr hattet/habt Erfolg bei der Umsetzung!

Varroa im Griff !?
Wie in der Juni Monatsbetrachtung erwähnt erreicht die Volksstärke ca. Mitte Juli ihren Höhepunkt. Danach nimmt die Volksstärke ab, hingegen die Varroadichte zu! Auf die weniger werdenden Bienen kommen mehr Milben – ebenso auf die Bienenbrut. Das Verhältnis Bienenzahl zu Varroamilbenzahl ändert sich – dies hat zur Folge das der relative Befallsgrad
(-Anzahl Varroamilbe pro Biene) sprunghaft ansteigt und somit die Schadensschwelle überschreitet! Bei zu hohem „Varroadruck“ können keine gesunden Winterbienen herangezogen werden, es kommt zum Zusammenbruch starker Bienenvölker innerhalb weniger Tage und zur Zunahme von Folgeerkrankungen (Sekundärinfektionen – Virusbefall).

Daher gilt es rechtzeitig den Varroadruck Mittels Gemülldiagnose (siehe Monatsanweisung August 2017) einzuschätzen und bei fehlendem Trachtangebot möglichst frühzeitig mit der Varroa- Sommerbehandlung zu beginnen!

Tracht:
Im Tal und in niederen Bergregionen scheint es für dieses Jahr mit der Tracht gelaufen zu sein! Eine weitere Nektar- als auch Honigtautracht ist meiner Meinung nach nicht mehr in Sicht. Lediglich in Höhenlagen, wo die Hochgebirgsflora zurzeit in Vollblüte steht, scheint die „Honigsaison“ noch nicht gelaufen!

Wissenswertes über unseren Gegner!

Abb. 1: Weibliche Varroa-Milben haben einen ovalen, flachen, 1.1 x 1.6 mm großen Körper, der rotbraun gefärbt ist. Ihre Körperoberfläche ist hart und mit Borsten besetzt. Foto: Gilles San Martin (CC BY-SA 3.0). (Quelle: https://bienengesundheit.at/varroadiagnose, Zugriff 25.06.2018)

Lebensweise
Erwachsene Weibchen parasitieren an Bienen und Bienenbrut. Sie ernähren sich vom Blut (=Haemolymphe) der Bienen und deren Larven. Bei starkem Befall können Varroaweibchen auch auf den Waben/Bienen frei laufend angetroffen werden.

Fortpflanzung & Vermehrung

  • Fortpflanzungswillige Varroaweibchen schlüpfen kurz vor der Verdeckelung in die Brutzellen, lassen sich einschließen, beginnen an der Bienenlarve zu saugen und ihre Eier abzulegen.
  • Drohnenbrut ist ca. acht- bis zehnmal stärker befallen als Arbeiterinnenbrut.
  • Komplette Entwicklung vom Ei bis zur Begattung der Jungweibchen vollzieht sich in der geschlossenen Brutzelle. Varroamännchen und nicht ausgereifte Weibchen sterben noch in der verdeckelten Zelle oder kurz nach Schlupf der Jungbiene ab.
  • Aus dem ersten Ei entsteht ein Männchen, aus allen weiteren der ca. alle 30 Stunden abgelegten Eier entstehen Weibchen. Die Entwicklungsdauer der männlichen und weiblichen Milben beträgt rund 6 Tage. Aufgrund der unterschiedlichen Verdeckelungsdauer von Arbeiterinnen- bzw. Drohnenbrut ergibt sich eine unterschiedliche Zahl fortpflanzungsfähiger Nachkommen pro Muttermilbe und Fortpflanzungszyklus.
    Drohnenbrut: ein Männchen und zwei bis vier erwachs. Tochtermilben + Muttermilbe
    Arbeiterinnenbrut: ein Männchen und ein bis zwei erwachs. Tochtermilben + Muttermilbe
  • Ein Teil der weiblichen Milben kann sich mehrmals fortpflanzen.
  • Faustregel: Varroazahl verdoppelt sich mit jedem Monat, in dem Brut gepflegt wird.
  • Praxisbeobachtungen: Der Varroabefall kann sich vom Frühjahr bis zum Herbst unter optimalen Bedingungen um mehr als den Faktor 100 erhöhen.

Quelle: Varroa-Bekämpfungsbroschüre, 2. Auflage der Biene Österreich/AGES-Broschüre

Grosses Augenmerk gilt es auf die stärksten Wirtschaftsvölker zu legen! Sie hatten/haben den größten „Brutumsatz“ und die meisten Generationen Bienen produziert und somit auch den höchsten Varroadruck! Der sehr frühe Brutstart (Jänner) ist sicher auch ein negativer Aspekt hinsichtlich Varroadruck! Durch regelmäßige Drohnenbrutentnahmen und zusätzlich Brutablegerbildung konnte etwas von diesem Varroadruck reduziert werden und der/die ImkerIn gewann dadurch etwas Zeit.

Abb. 2: Schematischer Bienen- und Varroa- Populationsverlauf.
(Quelle: https://www.immelieb.de/imker-praxis/varroabekaempfung/ Zugriff 22.06.2018)

Es muss unser aller Ziel sein so früh wie möglich, bei fehlender Tracht ab Mitte Juli, unsere Bienenvölker Abzuräumen (Abnahme des Honigraums).

Unser Ziel = Gesunde und starke Bienenvölker:

„Daher möglichst zeitgleiches und flächendeckendes
Vorgehen gegen die Varroamilbe!“

R – Rechtzeitig behandeln!
R – Rückstände vermeiden!
R – Reinvasion berücksichtigen!
R – Resistenzen vorbeugen!

Aufgrund des frühen Brutstarts (Jänner) empfehle ich die Honigraumabnahme und das Abräumen spätestens in der KW 30 / letzte Juliwoche. Danach erste Winterfuttergabe von 4-5 Liter Zuckerwasser (Mischungsverhältnis 1:1), daraufhin baldigste Hauptentmilbung bzw. Sommerbehandlung!

Nur so lässt sich eine Reinvasion (Milbeneintrag aus Nachbarständen/-völkern) der Varroamilbe in andere Völker und weiterer Schaden verhindern.

Wie soll sie nun aussehen die legale (in Österreich zugelassene Tierarzneimittel), hochwirksame, einfach anzuwendende, rückstandsfreie, keine Resistenzen erzeugende für den Anwender und Biene ungefährliche und noch dazu kostengünstige Varroabehandlung???

An dieser Stelle alle Behandlungsverfahren und Möglichkeiten der Varroabehandlung zu besprechen würde den Rahmen dieser Monatsbetrachtung deutlich sprengen! Es geht auch nicht darum immer wieder neu angepriesene „Wundermittel“ zu probieren, sondern meiner Meinung nach die vorhandenen hoch wirksamen Behandlungsmittel zum richtigen Zeitpunkt in entsprechender Dosierung einzusetzen. Ein funktionierendes Behandlungskonzept höchstens zu verfeinern und nicht immer wieder „alles über den Haufen zu werfen“.

Zur Vorbereitung auf dieses Thema kann ich euch die nachfolgenden zwei Websites empfehlen. Sie beinhalten viele wichtige Infos um das Thema Varroabekämpfung. Aber auch andere Fachliteratur hilft einem dabei, sich einen Überblick zu verschaffen.

  • https://www.ages.at/themen/umwelt/bienen/bienengesundheit/varroa-bekaempfungsmittel/
  • https://bienengesundheit.at/varroabekaempfung

Auf, https://bienengesundheit.at/varroabekaempfung, sind alle in Österreich zugelassenen und wirksamen Präparate aufgelistet und deren Anwendung erklärt. Ebenso in der Varroa – Broschüre der AGES sind alle wirkstoffspezifischen Behandlungsverfahren erklärt. Ich persönlich halte diese Broschüre für ein gutes Basiswerk!


Abb. 3: Die Liste der in Österreich zur Varroabehandlung zugelassenen Tierarzneimittel (Stand 25.06.2018) (Quelle: https://bienengesundheit.at/varroabekaempfung, Zugriff 25.06.2018)

Es ist wie so oft – einige (verschiedene) Wege/Konzepte führen ans Ziel!

Nachfolgend das Konzept aus der Varroa – Broschüre der AGES, dabei werden verschiedene Maßnahmen zur Befallsreduktion kombiniert, die dem Jahresverlauf /Trachtperiode und
dem Volkszustand (Brutphase, brutfreie Phase) angepasst sind.


Abb. 4: (Quelle: Varroa-Bekämpfungsbroschüre, 2. Auflage der Biene Österreich/AGES-Broschüre)

Ich möchte an dieser Stelle nicht auf einzelne Ameisensäure – Verdunster und Verfahren der Wirkstoffeinbringung eingehen, wie gesagt das würde den Rahmen dieser Monatsbetrachtung sprengen. Ich kann euch auch nicht zu allen Möglichkeiten ein Patentrezept an bitten, dazu fehlt mir zu manchen Verfahren ebenfalls die Erfahrung!

Dazu würde ich gerne die einzelnen Möglichkeiten der Wirkstoffeinbringung / Verfahren im Detail mit euch beim nächsten Imkerhock besprechen. Jeder einzelne Imker, soll sein Wissen über einzelne Möglichkeiten der Varroabehandlung und dessen Vor- und Nachteile erläutern!

Zu guter letzt hoffe ich für euch, dass ihr eine schöne Blütenhonigernte eingefahren habt! Für die Wanderimker die sich mit ihren Bienen im Gebirge aufhalten hoffe ich auf sonniges und heißes Wetter. Allen Erholungssuchenden wünsche ich einen erholsamen Sommerurlaub!

Somit verbleibe ich mit Imkergruß
euer Peter