Monatsbetrachtung für November 2018

War es Ende September kurzzeitig kühl, so zeigte sich der Herbst in den ersten drei Oktoberwochen in seiner vollen Pracht. Symptomatisch für dieses Jahr, viel zu warm und auch zu trocken.So gab es ab 22.10. endlich kühlere Nachttemperaturen, und erst am 24.10. war es soweit, dass sich etwas Regen und auch herbstliche Temperaturen einstellten.

Phänologisch befinden wir uns im Spätherbst. Die Obsternte, die heuer riesig ausfiel ist nahezu abgeschlossen. Als Zeigerpflanze fungiert die Eiche. Verfärben sich deren Blätter sprechen wir vom Spätherbst.

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Wahrscheinlich zusätzlich begünstigt durch das milde Wetter der letzten Wochen, sind wir nun erneut konfrontiert mit dem Begriff/ Fachterminus (in der Bienenliteratur), oder auch Schlagwort (in der Allg. Presse), dem „Bienensterben“.

Erneut ist Varroose (alter Name: Varroatose) das zentrale Thema!

Hoher/massiver Milbenbefall schwächt das Immunsystem „des Bien“/ der Bienen auf verschiedenen Wegen. Durch das Aussaugen der Hämolymphe verlieren befallene Larven direkt an Gewicht, die ausgeschlüpften Bienen bleiben um etwa ein Zehntel kleiner als gesunde Tiere. Die befallenen Tiere besitzen eine deutlich verkürzte Lebensspanne. Sie haben schlechtere Lernleistungen und kehren häufiger nicht in den Stock zurück.
Zusätzlich werden durch den Milbenbefall schädigende Viren (z. B. Flügeldeformationsvirus, Bienenparalysevirus, Sackbrutvirus) übertragen. Von den rund 20 von Honigbienen bekannten pathogenen Viren werden fünf nachweislich durch Varroamilben als Vektor übertragen.

Und somit kommt es zum Colony Collapse Disorder (englisch, kurz CCD).

CCD der Zusammenbruch eines Bienenvolkes ist eine ganz bestimmte Form des Bienensterbens. Symptome sind der rasche Verlust ausgewachsener Arbeiterinnen im Stock und das Fehlen toter Arbeiterinnen im und um den Stock. Das Missverhältnis von ausgewachsenen Arbeiterinnen zur Bienenbrut, wirkt destabilisierend auf das gesamte Bienenvolk! Bienenbrut, als auch junge Bienen, oftmals die Königin, auch Honig/Futter und Pollen sind dagegen noch vorhanden. Stirbt das Bienenvolk nicht schon im Spätsommer oder Herbst an den vorher genannten Gründen, so stirbt es im Winter an eben diesen und/oder Mangels Populationsgröße. Der Hauptgrund und somit die Hauptursache des „Bienensterbens“, und da sind sich alle Untersuchungen/Studien weltweit einig, ist zweifellos der Völkerbefall mit der Varroamilbe. Wird aber der „Milbendruck“ über das gesamte Bienenjahr möglichst geringgehalten, werden auch sogenannte „Sekundärinfektionen“ durch Viren und andere pathogene Keime vermieden.

Wer die Varroa im Griff hat, hat auch die Viren im Griff!!

Abb. 1: Symptombild, Varrose auf einer Wabe! Futter, Pollen, stehengebliebene Brut, und in diesem Falle wenige Jungbienen die ihre ebenfalls tote Königin „umrahmen“. Quelle: https://www.ages.at/themen/krankheitserreger/varroamilbe/ Zugriff 23.10.2018

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Ausblick

Jetzt im November kehrt auch bei unseren vitalen Bienenvölkern Ruhe ein. Der Bienenstand ist Wind- und Wetterfest gemacht nur gelegentliche Kontrollgänge um nachzuschauen ob alles in Ordnung ist, sind nötig.

Mit den stetig sinkenden Temperaturen rücken die Bienen zusammen und bilden eine homogene „Wintertraube“. Nur mehr im Kern der Traube wird Brut gepflegt.

Als „finale“ Tätigkeit bei den Bienenvölkern steht lediglich die „Restentmilbung“ bei engem Sitz der Bienen und Brutfreiheit an. Mit der Restentmilbung soll der Varroabefall auf nahezu Null gedrückt werden, damit die Bienenvölker mit möglichst wenigen Milben im nächsten Frühling in die Brutperiode starten!

An dieser Stelle möchte ich an alle appellieren zur rechten Zeit, bei Brutfreiheit!! eine suffiziente Restentmilbung zu machen!

Ein starkes, nicht oder schlecht „restentmilbtes Volk“ überwintert problemlos mit z.B. 300 an den Winterbienen „ansitzenden“ Milben, startet dann aber im Frühling mit einer hohen Milbenzahl und erreicht bereits im Juni – Juli eine fatale Schadensschwelle und läuft Gefahr bereits im Juli vor der ersten Hauptentmilbung gänzlich „einzubrechen“!

Ein gut „restentmilbtes Volk“ startet mit kaum einer Milbe im Frühjahr die Schadens-Schwelle wird, wenn überhaupt, erst viel später erreicht, somit läuft es nicht Gefahr frühzeitig einzubrechen!

Restentmilbung

Die Restentmilbung steht an, wenn die Völker brutfrei sind und eng auf der Wintertraube sitzen. Ältere Königinnen stellen früher ihre Legetätigkeit ein. Jüngere Königinnen tun das erst wenn eine Kälteperiode mit frostigen Nächten sie dazu zwingt. Nach mehrtägigem intensiven „Kältereiz“, ist nach frühestens 3 Wochen mit Brutfreiheit zu rechnen!

Bei Brutfreiheit und Außentemperaturen von 0°- 5° Grad (kein Bienenflug!), ist der beste Zeitpunkt möglichst alle an den Bienen ansitzenden Milben zu erreichen!

Oxalsäure

Als den perfekten Wirkstoff zur Restentmilbung stellt sich Oxalsäure dar. Dieser Wirkstoff wird durch die eng sitzenden Bienen, in die Wintertraube eingebracht und tötet bei Kontakt die ansitzenden Milben. Durch eine Oxalsäure-Verdampfung (versch. zugelassene Geräte) im Bienenstock oder eine Beträufelung der Bienentraube von Oben mit einer Oxalsäurelösung (ebenfalls versch. zugelassene Ox.S. Lösungen) kann dieser „Nullabgleich“ an unseren Bienenvölkern erreicht werden. Beide Behandlungsverfahren haben bei richtiger Anwendung einen Wirkungsgrad von über 90%! Die Behandlung löst bereits am Behandlungstag einen deutlich erhöhten Milbenfall aus. Der erhöhte Milbenfall hält mehr als eine Woche lang an und kann durch die Windeldiagnose ausgewertet werden.

Ich bitte euch bei den Anwendungen auf den entsprechenden Anwenderschutz zu achten (Atemschutzmaske, Schutzhandschuhe)!


Abb. 2: In jede besetzte Wabengasse muss geträufelt werden (bei ca. 0°- 5° Grad Außentemperatur)

Wie in den letzten Jahren schon geschehen, besteht für „Kleinimker“ die Möglichkeit die Restentmilbung (Oxalsäureverdampfung) von mir oder von unserem „Tausendsassa“ Bernhard Wulz durchführen zu lassen. Aber auch andere erfahrene Imker unseres Vereins helfen gerne bei dieser wichtigen Anwendung. Ich bitte euch aber um frühzeitige Kontaktaufnahme mit mir/uns und Bernhard um diese Behandlungen planen zu können.


Abb. 3: Beispiel für einen, von inzwischen vielen zugelassenen Oxalsäureverdampfern (bei ca. 2°- 6° Grad Außentemperatur).

An dieser Stelle möchte ich vor Restentmilbungen mit anderen hochtoxischen Substanzen die sich dann im Wachs anreichern warnen. Neben Rückständen im Wachs, und möglichen Resistenzen der Varroamilben gegen diesen Wirkstoff, riskieren wir unsere eigene Gesundheit!

Ich hoffe euch erneut beim nächsten Bienenhock zu sehen um über den Themenbereich Restentmilbung und andere aktuelle Themen zu diskutieren.

Bitte vergesst nicht die Anzahl euerer insgesamt betreuten Bienenvölker bis zum Erhebungsstichtag 31.Oktober, an unseren Schriftführer zu übermitteln!

Somit verbleibe ich mit imkerlichen Gruß
euer Peter