Monatsbetrachtung Februar 2018

Hallo liebe VereinskollegInnen, nun melde ich mich zurück aus meiner „Winterruhe“ und ich werde auch heuer versuchen euch als „Monatsanweiser“ einige Betrachtungen und Tipps zum Nach- bzw. Vorauslesen auf den Weg geben.
Mir als „Betrachter“ bzw. „Anweiser“ ist klar das Tipps und Ratschläge, die Erfahrung und das Erlebte am Bienenvolk nicht ersetzen können, sowie meine Betrachtungen und Einschätzungen sich nicht immer gänzlich mit Jedermanns/Fraus Meinung decken. Viele Wege führen nach Rom! Ebenso ist es durch eine Monatsanweisung kaum möglich alle Themen und Inhalte im Jahresverlauf eines Bienenjahres bis ins Kleinste zu beschreiben.

Zur Vertiefung der einzelnen Themen und Inhalte sollen unsere Hocks und Versammlungen im geselligen Rahmen oder bei den Bienen Vorort sein! Ich bitte euch diese Hocks als Frageforum an unsere erfahrenen ImkerInnen zu nutzen!

Nach einem turbulenten Jahresbeginn Anfangs Jänner durch den Wintersturm „Burglind“ hatte der Jänner nach sehr mildem Start (Reinigungsflüge) und Haselblüte (an milden Hanglagen), ab der Monatsmitte doch noch halbwegs winterliche Temperaturen im Gepäck.


Foto 1: Haselblüte im Jänner ist keine Seltenheit!

Zum sehr milden Monatsende war die Hasel in Vollblüte am 24.01. – 25.01. – 29.01. – 31.01. und auch regionsabhängig an anderen Tagen, wurden von unseren Bienen dicke Pollenhöschen eingetragen. Freude über das kräftige Lebenszeichen unserer Bienenvölker vermischen sich mit der Sorge um diesen allzu frühen Saisonstart. Hoffentlich zeigt der Winter im Februar nochmals sein Gesicht! Die milden Temperaturen wurden von mir auch genutzt um die Stockwindel zu kontrollieren. Hier zeigte sich das gerade Randvölker an meinem Bienenstand, offenbar mit Reinvasion zu kämpfen hatten.


Foto 2: Resultat nach Restentmilbung. Adulte Milben auf Stockwindel – gerade „Randvölker“ zeigten heuer solch einen Befund!

Was gibt es im Februar an den Bienenvölker zu tun? Wenn Mann/Frau seine Bienenvölker richtig auf die Überwinterung vorbereitet hat: NICHTS! Also dasselbe wie im Jänner! Kontrollgänge (Fluglochkontrolle usw.) verstehen sich von selbst! Futter sollte noch mehr als genug im Bienenvolk vorhanden sein!

Bisher hielt sich der Futterverbrauch bei den Bienenvölkern in Grenzen. Brutfreie Bienenvölker brauchen verhältnismäßig wenig Winterfutter, jedoch mit den länger werdenden Tagen und damit einhergehend milderen Temperaturen (Polleneintrag) beginnt die Königin wieder Eier zu legen und die Bienenvölkern beginnen wieder ein Brutnest aufzubauen. Ab diesem Zeitpunkt leisten unsere Bienen wieder „Schwerstarbeit“ und brauchen bedeutend mehr Winterfutter.

Richtung März sei von mir vorausschauend gesagt: Der Wärmehaushalt rückt wieder in den Fokus! Im Frühjahr lassen sich dunkle unbesetzte Altwaben durch „Einengen“ des „Bienensitzes“ am besten aus dem Verkehr (Völkern) ziehen! Die Völker sind noch klein und so lassen sich an sehr milden Tagen, auch alte „verbaute“ Beutenböden aber sogar Zargen durch umhängen des Volkes mit wenig Aufwand und recht schnell Tauschen!

Durch „Einengen“ (Trennschied/e setzen) des Bienensitzes lässt sich der von den Bienen besetzte und zu wärmende Raum eingrenzen! So hält sich am Bienensitz die Temperatur besser („die Bienen haben eine kleinere Stube die beheizt werden muss“) die Volksentwicklung geht konstant und gleichmäßiger von statten! Bei konstanter Bruttemperatur werden auch die Bienen langlebiger! Dazu im nächsten Newsletter mehr.

Daher möchte ich nachfolgend ein paar Zeilen über die Beuten und Rähmchenhygiene schreiben.

Beuten und Rähmchenhygiene:
Neue bzw. sauber gereinigt oder desinfizierte Bienenbeuten und Rähmchen sind die Grundlage gesunder leistungsstarker Bienenvölker und beugen somit Krankheiten und Seuchen vor!!

Wird bei Kontrollgängen ein verendetes Bienenvolk entdeckt so gilt es als erstes das Flugloch zu schließen! In weiterer Folge gilt es herauszufinden was zum Tod des betroffenen Bienenvolkes führte?

„Sterbefälle“ an dieser Stelle zu besprechen sprengt den Rahmen der Monatsanweisung aber es sei gesagt das bei Unklarheiten ohne zu zögern Kontakt mit unserem Sachverständigen für Bienenkrankheiten, Wulz Bernhard (Schedler Martin, Buchner Peter) aufgenommen werden soll. Bei einem Lokalaugenschein Vorort kann die Sterbeursache und weiteres Vorgehen besprochen werden.

Keinesfalls dürfen Waben/Rähmchen oder Beuten von Bienenvölkern die im Winter verendet sind, ohne vorherige Reinigung oder Desinfektion wieder verwendet werden. Krankheitserreger auf diesen Rähmchen und Beuten würden gesunde Völker unnötig belasten oder gar zum Erkranken der Völker führen.

Prophylaxe: („Vorbeugen ist besser als Sanieren“)
Aus hygienischer Sicht sollten sämtliche „gebrauchte“ Beuten und Rähmchen vor dem erneuten Einsatz gereinigt und wenn nötig desinfiziert werden.
Auch Werkzeuge (Stockmeisel, Wabenzange, usw.) und sämtliche Gerätschaft zur Zucht und Vermehrung (Begattungseinheiten, Ablegerkästen, usw.) sollten zumindest vor „Saisonstart“ einer gründlichen Reinigung und nötigenfalls einer Desinfektion zugeführt werden!

Eine Reinigung kann mechanisch (Stockmeisel, Spachtel) und/oder mit Hilfe von sogenannten „verseifenden“ Substanzen (i.d.R. Ätznatron oder Sodalauge) erfolgen.

Eine Desinfektion erfolgt mittels heißer 2%iger Ätznatronlösung / 6%iger Sodalauge oder wenn möglich thermisch mit Hilfe von Hitze eines Gasbrenners.

Benötigte Gerätschaften:

  • Zur Grobreinigung:
    Stockmeisel, Schaber, Spachtel, Arbeitshandschuhe
  • Zur Reinigung mit Ätznatron / Sodalauge:
    Großvolumiger Metallbehälter idealerweise mit Heizmöglichkeit (Waschkessel)
    Schutzbekleidung (Schürze, Gummistiefel, Säurefeste Handschuhe, Augen- bzw. Gesichtsschutz)
  • Für das Abflammen:
    Feuersichere Umgebung; Arbeitshandschuhe; Gasbrenner mit Gasflasche oder für kleine Einheiten einen Handkartuschenbrenner („Lötbrenner“).

Vorgehen bei Waben und Rähmchen:
Es gibt verschiedene Varianten die Waben auszuschmelzen. Ich benutze entweder meinen Dampfwachsschmelzer oder meinen Sonnenwachsschmelzer. Beim Sonnenwachsschmelzer schneide ich vor dem Schmelzvorgang die leeren Waben vorher aus dem Rähmchen heraus. Sämtliches Wabenmaterial abgestorbener Bienenvölker wird am besten mit dem Dampfwachsschmelzer eingeschmolzen! Nach dem Schmelzvorgang werden die verbliebenen Wabenreste der Nymphenhäutchen am besten noch vom warmen Rähmchen abgekratzt. Durch die Hitzeeinwirkung beim Schmelzvorgang werden die meisten Krankheitserreger abgetötet. Lediglich der Erreger der amerikanischen Faulbrut kann diese Prozedur überleben. In der Regel reicht jedoch diese Desinfektion aus.

Wer sich jedoch an den noch verbliebenen Resten von Propolis bzw. Nymphenhäutchen stört, kann die Rähmchen noch mit Hilfe von Ätznatron reinigen. Die Rähmchen werden dabei kurz in die heiße 2%ige Ätznatronlösung getaucht und anschließend mit klarem Wasser nach- gespült. Um viele Rähmchen rationell reinigen zu können, empfiehlt sich die Anschaffung oder der Bau eines Rähmchenhalters. Mittels abgewinkelter Flacheisen werden die Rähmchen blockweise getaucht. Besonders rationell ist der Einsatz von 2 Rähmchenhaltern im Wechsel: während einer im Waschkessel getaucht ist (notfalls beschweren), wird der andere klargespült und die Rähmchen gewechselt.

Unser Ehrenobmann Bernhard Wulz hat sich für das Reinigen der Rähmchen eine gebrauchte Geschirrspülmaschine umgebaut. Dieser raffinierte Eigenbau kann nach Absprache mit ihm sicher angeschaut bzw. dessen Funktion getestet werden. Bei dieser Variante entfällt das Hantieren mit der heißen Ätznatronlösung.

Bei älteren Rähmchen lohnt sich oft der Aufwand der Reinigung im Verhältnis zu neuen Rähmchen nicht, so dass es Sinn macht, diese nach dem Ausschmelzen einfach zu verbrennen.

Kunststoffbeuten, Begattungskästchen etc.
Mit Hilfe eines Stockmeisels wird zuerst alles Wachs und Propolis abgekratzt. Anschließend werden die Teile in heiße 2%ige Ätznatronlösung (2kg auf 100 l Wasser) getaucht und mit einer Bürste abgebürstet. Alle Teile müssen mit klarem Wasser gut nachgespült werden. Hochdruckreiniger sollten über eine große Durchflussmenge verfügen, um so eine entsprechende Spülwirkung zu erzielen. Alternativ kann auch ein Gartenschlauch oder eine Mörtelwanne mit klarem Wasser genutzt werden. Vor Gebrauch die Teile trocknen lassen.

Holzbeuten
Holzbeuten können ebenfalls wie Kunststoffbeuten behandelt werden. Alternativ besteht aber auch die Möglichkeit diese abzuflammen. Hierzu werden zuerst mit dem Stockmeisel alle Wachs und Propolisteile abgekratzt. Anschließend die Beuten mit Hilfe eines Gasbrenners (Handkartuschenbrenner oder Abflammgerät an einer Gasflasche) abflammen. Die Desinfektion ist ausreichend, wenn sich dabei das Holz leicht zu verfärben beginnt
Auf Brandgefahr achten!

Diese Möglichkeit empfiehlt sich besonders bei eingeschränkten Platzverhältnissen.

Umgang mit Ätznatron!
Ätznatron (Natriumhydroxid -NaOH) ist stark ätzend, deshalb muss im Umgang mit Ätznatron unbedingt auf den Unfallschutz geachtet werden:

  • Chemikalienhandschuhe verwenden
  • Schutzbrille oder Schutzvisier verwenden
  • Gummistiefel tragen
  • Schürze tragen, sie muss über die Stiefel reichen!
  • Ätznatron immer zuerst in kaltem Wasser auflösen und dann erst erhitzen
  • Für die normale Reinigung reicht eine 2%ige Ätznatronlösung (2kg auf 100 l Wasser) aus, bei Faulbrutsanierung wird mit 3-5%iger Ätznatronlösung gearbeitet.
  • Kochende Ätznatronlauge hat die beste Reinigungswirkung!
  • Darf die Lauge nicht so heiß sein, z.B. bei Kunststoffteilen, kann die Konzentration etwas erhöht werden, um die Reinigung zu verbessern
  • Vor Entsorgung mit Säuren (z.B. Essigsäure) neutralisieren bzw. stark verdünnen. Die Neutralisation kann mit Hilfe von Lackmuspapier überprüft werden.

Text- und Bildquelle: http://www.lwg.bayern.de/mam/cms06/bienen/dateien/reinigung_und_desinfektion.pdf am 15.01.2018

Hier noch der Link zum Vorarlberger Imkerverband bei dem nach Anmeldung, dass sogenannte „BIG-Mobil“ oder die „Gesundheitswanne“ für oben erklärte „Hygieneaktionen“, gegen eine Ausleihgebühr entlehnt werden kann.
( http://www.imkervorarlberg.at/fachreferate/gesundheit/bigmobil-bigwanne/ )

Nun freue ich mich auf einen hoffentlich winterlichen Februar und danach auf ein interessantes und erfolgreiches Bienenjahr mit Euch und euren Bienen.
Mit Imkergruß, euer Peter