Monatsbetrachtung April 2018

Frostig und kalt begann der meteorologische Frühling (1.März), doch schon der erste Sonntag (04.03.2018) bescherte uns einen milden Frühlingstag an dem unsere Bienen ein kräftiges Lebenszeichen von sich gaben. Dieser Tag wurde von mir genutzt die Völker „Einzuengen“ (siehe März Monatsbetrachtung). Dabei viel mir auf, dass die sehr starken Bienenvölker schon beträchtlich Winterfutter durch den frühen Brutstart im Jänner aufgebraucht hatten. Dieser beinahe Mangel an Nahrung, wurde von mir durch „Futterwaben Ausgleich“ behoben. Die darauf folgenden Tage bis Monatsmitte zeichneten sich durch mildes Wetter aus.

Unsere Bienen nutzten diese milden Tage und sammelten reichlich Pollen. Vom 17. – 23.03. gab der Winter nochmals ein stattliches Gastspiel. Sogar im Tal sorgte er an einigen Tagen für eine dünne Schneedecke. Nachttemperaturen von -2° bis -7° Grad und Tagestemperaturen von kaum über dem Gefrierpunkt ließen keinen Bienenflug zu! So mussten unsere Bienen für einige Tage (Mitten in der Weidenblüte) im Stock ausharren. Der April macht was er will! So ist mit fortschreiten des Monats und wärmeren Tagen, in „unseren Breiten“, im Monat April – immer mit „jedem Wetter“ (Kälterückschläge, Regen, Sonnenschein, Hagel usw.) zu rechnen.

Die Bienenvölker im April

Wie in der März Monatsanweisung dargestellt baut die Bienenvölkerführung ganzjährig auf die Beobachtung von Pflanzenwelt und Volksentwicklung unter Zuhilfenahme von Wetterbericht und Wetterprognose. Das phänologische Ereignis im April für die Bienenhaltung ist die Kirsch- bzw. Steinobstblüte. Sie kündigt den Beginn der Frühjahrstracht an. An dem „Großen Blühen“ sind in enger Folge und leichtsichtbar auch Löwenzahn, Apfel, Ahorn, Rosskastanie, Bärlauch und andere „Quellen“ beteiligt.

Auf die Nutzung besonders von Massentrachten ist die Honigbiene spezialisiert! Die Fähigkeit, in begrenzter Zeit (Trachtperiode) möglichst viel sammeln bzw. sammeln zu können, sichert die Erhaltung der Art durch Vermehrung und Speicherung von Vorräten für den kommenden Winter. Eine hohe Effizienz wird erreicht, wenn viele Arbeitskräfte für das Einbringen und genügend Raum für die Speicherung der Vorräte zur Verfügung stehen.


Abb. 1: Biene im Anflug auf eine Kirschblüte

Volksentwicklung

Als Beispiel stelle man sich vor. Sind es Anfang April 6000 Bienen und bleibt die Wetterentwicklung als auch die Temperaturen zur anstehenden Kirsch- bzw. Steinobstblüte stabil, so kommt erstmals viel Nektar und Pollen (Futterfluss von außen) als Nahrung für die Bienenbrut herein! Angesichts dieser ersten „Massentracht“, wird die Königin von ihren Hofstaat mit dem königlichen Futtersaft (Gelee Royal) dermaßen „gemästet“ das sie täglich 2000 Eier legt! Die Tracht erstreckt sich über 10 Tage – sagen wir – vom 15. bis zum 25. April, so schlüpfen nach einer Entwicklungszeit von 21 Tagen, ab dem 7. Mai täglich 2000 Eier! So hat dieses Volk am 17. Mai plötzlich ca. 26.000 Mitarbeiterinnen. Diese Hochphase der Bruttätigkeit hält ein Bienenvolk je nach Witterungs- und Trachtverlauf sowie Standort von Mitte April bis Ende Mai. Das Bienenvolk kann je nach „Futterfluss“ (Tracht) von Außen dieses Niveau mitunter auch bis zur Sommersonnwende ( 21.06.) halten. So kann bis dahin ein Bienenvolk gut 60.000 Individuen umfassen. Es ist in jedem Jahr aufs Neue beeindruckend, wie die Zahl der Bienen in einem Bienenvolk in diesen Wochen förmlich explodiert!

In alten Lehrbüchern wird der Entstehungs- und Lebenszyklus einer Frühjahrs- bzw. Sommerbiene mit der „Dreiwochenregel“ erklärt.

  • Ei bis schlüpfenden Biene: drei Wochen
  • Stockbiene (Innendienst): circa drei Wochen
  • Sammelbiene (Außendienst): circa drei Wochen


Abb. 2: Quelle: http://slideplayer.org/slide/8866882/

Wie in der Märzbetrachtung schon erwähnt ist es durch diese Expansion nicht verwunderlich das Tätigkeiten und Eingriffe (Erweiterungen) an unseren Bienenvölkern anstehen.

Gerade JungimkerInnen brauchen Einblick und Praxis in die Bienenarbeit und die erlangt man nun mal beim „Arbeiten“ mit den Bienenvölkern. Gerade dieser Aspekt legitimiert JungimkerInnen, am und mit dem Bienenvolk zu arbeiten. Und wenn man was tut, dann soll es gut geplant sein! Trotzdem soll die „Eingriffsdevise“ über das gesamte Bienenjahr heißen: So wenige Eingriffe wie möglich so viele wie nötig!

Ein weiterer Satz der mir wichtig erscheint und sich für viele Fachdisziplinen und so auch für die Imkerei übernehmen lässt lautet: Man muss in der Imkerei viel Wissen um wenig zu tun!

So nun aber genug der Philosophie.

Was steht an? Witterung und Temperatur passend?
Wie viele Völker sind zu öffnen, mit was ist vorausschauend bei meinen Völkern zu rechnen und somit zu tun?

Vorab den Flugbetrieb und das „Spiel“ am Flugloch beobachten!
Vorab Stockwindelkontrolle (Gemüllstreifen, Varroaabfall usw.), wenn möglich Blick von unten (durch den Gitterboden) auf das Bienenvolk.

Nebst der Grundausstattung, (Schutzkleidung, Stockmeisel, Smoker, Wassersprüher, Messer) sollte dem „Eingriffsmotiv“ entsprechend, Zargen und Wabenmaterial (Futter- Pollenwaben, Mittelwände, Baurahmen, Absperrgitter) vor Ort vorhanden sein.

Eingriff = Ein- bzw., Durchsicht mit System:

Eine gute Beobachtungsfähigkeit, ein gutes Auge und das Wissen auf was beim, und während dem öffnen eines Volkes zu achten ist, minimiert die Dauer des Eingriffs auf ein „nötiges“ Maß. Raucher anwerfen und los geht’s! Vorsichtiges öffnen – sofortiger Blick welcher Teil und wie viel Waben werden von den Bienen besetzt (Volksstärke?) – ist das Volk ruhig oder braust es (Weisellos)? – was rieche ich? – Stockduft (frisch eingetragener Nektar!?) – dann vielleicht mit einem kurzen Rauchstoß zurückdrängen – vorsichtiges ziehen einer Randwabe – Futter? – offenes und/oder verdeckeltes Futter vorhanden? – nächste Wabe nach innen – Pollenwabe (matt schimmernder und somit frisch eingetragener oder glänzender älterer Pollen)!? – oder schon Brut (Arbeiterinnen- oder Drohnenbrut? – Anordnung auf der Wabe – Obiger Futterkranz, dann Pollen, Arbeiterinnenbrut in welchen Stadien und wie angeordnet? – geschlossenes homogenes oder lückenhaftes Brutnest? „stehende“ Eier dann wird die Königin nicht weit sein – Weiselnäpfchen oder gar Weiselzellen? – wie verhalten sich die Bienen bei meinem Eingriff (bleiben sie ruhig auf der Wabe sitzen oder sind sie nervös und fliegen sie ab? – greifen die Bienen an oder sind sie sanftmütig? – immer ruhiges hantieren mit Achtung auf die Königin (mit ihr steht und fällt das gesamte Volk!).


Abb. 3: Quelle: http://blog.imkereiobstwiese.de/wp-content/uploads/2010/06/brutwabe.jpg

Dieser obig erwähnte Gedankengang (Abfolge / Algorhytmus) ergibt sich mir beim öffnen jedes Bienenvolkes. Durch das mehrmalige öffnen und vergleichen mehrerer Bienenvölker während der Bienensaison lässt sich für jede/jeden ImkerIn mit den Jahren eine Routine erlagen und „Wesentliches = das Wissen auf was beim Öffnen und Durchsehen zu achten ist“ schnell erkennen und dabei die Eingriffsdauer wie schon Eingangs erwähnt minimieren.

Wie erfolgt die Erweiterung:

Der Vollfrühling ist durch die Blüte von Apfel, Rosskastanie und Löwenzahn, später auch durch Bärlauch und Himbeere gekennzeichnet, bei mildem Wetter und beginnender Hauptblüte, geht es Schlag auf Schlag. Sind die eingehängten Mittelwände/Baurahmen ausgebaut und bestiftet sowie ist die Brutraumzarge/n voll mit Bienen besetzt (leicht durchhängend/Bienenbauch) kann dann der erste Honigraum (Zarge) aufgesetzt werden.


Abb. 4: Quelle: Bienen Aktuell, 2016:4 / S 9

Der Brutraum in dieser Darstellung besteht aus zwei Flachzargen kann genauso als „ein Brutraum“ angesehen werden.

Die Honigraumzarge kann von mir schon zu Hause vorbereitet werden. Sie schaut beim imkern mit Absperrgitter so aus, dass wenn vorhanden 4 – 6 ausgebaute Honigraumwaben (unbebrütet) in der Mitte platziert, links und rechts von Mittelwänden flankiert werden. Beim imkern ohne Absperrgitter mache ich es umgekehrt 4 – 6 Mittelwände (im Kern) werden links und rechts von ausgebauten Honigraumwaben flankiert. Wenn keine ausgebauten Honigraumwaben vorhanden sind, können auch nur Mittelwände genommen werden. Mit ausgebauten Waben wird der Honigraum aber besser und schneller von den Bienen angenommen!

Nach dem vorsichtigen öffnen der Beute und einem kurzen Rauchstoß, wird von mir die Randwabe (1-ste Stelle) gezogen – immer ruhiges hantieren mit Achtung auf die Königin! Ist sie nicht vorhanden, diese Wabe auf den umgekehrt und zur Seite gestellten Deckel stellen. An der 2- ten oder 9- ten Stelle sollte der Baurahmen sein – Kontrolle ob ausgebaut schon bestiftet oder gar schon verdeckelte Drohnenbrut vorhanden ist. Wenn verdeckelte Drohnenbrut vorhanden ist kann dieser ausgeschnitten oder entfernt und durch einen neuen Baurahmen (oder Leerrahmen) ersetzt werden.

An dieser Stelle möchte ich erwähnen: Der Bau- oder Drohnenrahmen ist eine natürliche biotechnische Maßnahme zur Varroareduktion. Wenn die meiste Drohnenbrut verdeckelt ist kann/sollte er entfernt werden. Die Varroamilben wissen dass ihnen durch den verlängerten Entwicklungszyklus der Drohne (24 Tage), drei Tage länger Zeit bleibt als bei der Arbeiterinnenbrut, um sich zu vermehren. Es schlüpfen 2 geschlechtsreife Milben und die Muttermilbe! So reduziert mehrmaliges (dreimaliges) Ausschneiden des Drohnenrahmens bis zu ca. 40 % des Jahresendbefalls an Varroamilben! Wird diese Maßnahme konsequent betrieben wird der „Varroadruck“ und somit die „Schadensschwelle“ zeitlich nach hinten verschoben! Abwechselndes Einhängen von zwei Baurahmen beschäftigt Baubienen, Königin und Ammenbienen und wirkt somit schwarmvorbeugend. Dadurch vermeidet man auch Wildbau im hohen Gitterboden. Wird am Baurahmen gebaut ist keine Schwarmneigung vorhanden! Er fungiert somit auch als Schwarmindikator bzw. „Fieberthermometer“ und zudem als rückstandsfreier Wachslieferant.

Nun störe ich das Brutnest nicht länger! Sind alle gezogenen Waben/Baurahmen in gleicher Reihenfolge in den Brutraum zurückgestellt setze ich das Absperrgitter (wenn gewünscht) und den Honigraum (Zarge) auf. Nun gilt es nur noch auf gutes Wetter zu hoffen!

Blick voraus:

Ist es beim „Großen Blühen“ (Ende April bis Ende Mai) mild, so finden unsere Bienen gute Entwicklungsbedingungen vor! In solchen Jahren kann man von starken Bienenvölkern einige verdeckelte Blütenhonigwaben entnehmen und schleudern. Ich bitte euch niemals alle Honigwaben zu entnehmen! Denn die bestehende Bienenbrut und die geschlüpften Bienen wollen versorgt sein! Dabei ist gerade auf starke Bienenvölker zu achten (große Population = viele Fresser), sie sind immer die ersten die Hunger leiden und auf „Sparmodus“ schalten. Während der kompletten „Saison“ auf genügend Futtervorrat in den Bienenvölkern achten!

Im Mai und Juni gilt es neben der Schwarmverhinderung und Ablegerbildung natürlich großes Augenmerk auf mögliche, weitere „Trachtangebote“ der Natur zu richten. Der/Die „sportliche“ Wanderimker/In wird sich schon zu Jahresbeginn eine „Ertragsstrategie“ zu Recht gelegt haben. Mit den Bienen Wandern, ins Gebirge (Alpenflora), zu einer gut beobachteten „Waldtracht“ – Tanne? Mann / Frau will ja doch ein wenig Honig ernten. Wer Wandern möchte, sollte sich rechtzeitig um einen Termin zur Untersuchung der Völker durch den Bienensachverständigen (Wulz Bernhard) kümmern!

Zu diesen und weiteren Themen in der nächsten Monatsanweisung mehr.

Mit Imkergruß, euer Peter